Eilers blickt vor Spiel seiner Ex-Clubs zurück

Justin Eilers’ Warnung: „Das ist eine Wucht“ - Ex-Werder-Profi erklärt, warum Dynamo Dresden so besonders ist

Früher bei Dynamo Dresden und Werder Bremen, jetzt beim Halleschen FC: Justin Eilers.
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Früher bei Dynamo Dresden und Werder Bremen, jetzt beim Halleschen FC: Justin Eilers.

Seinen genauen Platz kennt Justin Eilers noch nicht, aber das ist auch nicht ganz so wichtig. Hauptsache, er ist überhaupt dabei. Wenn der SV Werder Bremen am Sonntag im Rudolf-Harbig-Stadion bei Dynamo Dresden spielt, kann sich der 33-Jährige das einfach nicht entgehen lassen. „Ich habe den Dresdnern schon vor der Saison gesagt: Wenn ich selber nicht parallel spielen muss, brauche ich auf jeden Fall Karten!“ Es ist das Duell zweier seiner Ex-Clubs, die für ihn persönlich die größten Gegensätze widerspiegeln – die beste und die schwerste Zeit in seiner Karriere.

Selber spielen muss Justin Eilers nicht. Sein Club, der Hallesche FC, bei dem er seit Sommer unter Vertrag steht, empfing in der 3. Liga schon am Freitag den 1. FC Magdeburg. Zeit hat er also. Und selber spielen könnte der Stürmer zurzeit sowieso nicht. Eilers ist verletzt. Mal wieder, muss man sagen. Seit fünf Jahren, seit seiner Zeit bei Werder Bremen, erlebt Eilers einen Rückschlag nach dem anderen. Und so sitzt der frühere Drittliga-Torschützenkönig im Kraftraum des HFC, als ihn der Anruf der DeichStube erreicht, bereit fürs anstehende Rehatraining.

Ex-Werder Bremen-Profi Justin Eilers über Erfolgs-Jahre bei Dynamo Dresden: „Das war einmalig“

Aktuell kämpft Eilers sogar mit zwei Verletzungen, Problemen an der Achillessehne und einem Ödem im Knie. „Wir fahren den Körper runter, damit ich mich voll auskuriere“, erklärt Eilers und klingt dabei gar nicht so missmutig, wie es sich vermuten ließe. „Natürlich zieht einen das runter, aber ich bin geschulter als noch vor ein paar Jahren“, sagt er. „Ich falle nicht mehr in dieses mentale Loch, ich bin stärker geworden.“ Er hat gelernt, geduldig zu sein. „Die Saison geht noch lange. Das erste Ziel ist es jetzt, auf den Platz zurückzukehren.“

Eilers hofft weiter auf die Rückkehr der guten Zeiten. So gut wie bei Dynamo Dresden, das ist ihm klar, wird es aber kaum mehr werden. „Das war die schönste und erfolgreichste Zeit meiner Karriere. Das waren unbeschreibliche zwei Jahre.“ In 81 Spielen schoss er damals 46 Tore, wurde Drittliga-Torschützenkönig 2016 und stieg im selben Jahr in die 2. Liga auf. Dass sich die Leute in Dresden immer noch an ihn erinnern, macht den Torjäger stolz. „Das werde ich nicht noch einmal im Leben haben – das war einmalig.“

„Von über den Wolken auf den Boden geklatscht“ - aber Justin Eilers bereut Wechsel von Dynamo Dresden zu Werder Bremen nicht

Bei Dynamo hatte er alles, was er sich wünschen konnte. Aber er entschied sich für einen Wechsel zu Werder Bremen. Das Ziel: sich den Traum von der Bundesliga zu erfüllen. Doch es lief nicht wie erhofft. „Ich bin von über den Wolken auf den Boden geklatscht“, sagt Eilers. Kreuzbandriss, Leistenoperation, Hüftverletzung – immer wieder monatelange Ausfallzeiten. Klatsch. In der Bundesliga sollte der Stürmer nie zum Einsatz kommen.

„Es war eine schwere Zeit in Bremen“, sagt Eilers. Als Fehler sieht er seinen Wechsel aber auch fünf Jahre später nicht: „Ich würde es wieder machen, weil ich mir damals den Wechsel in die Bundesliga verdient hatte.“ Außerdem hätte er sich auch in Dresden verletzen können, wenn er dort geblieben wäre. Dort wäre er aber womöglich ein wenig besser aufgefangen worden. „In Bremen musste ich mich neu beweisen, da hatte ich nicht so das Standing als Spieler.“

Justin Eilers und Co.: Viele Ex-Werder Bremen-Spieler beim Halleschen FC

Nach zwei Jahren brach Justin Eilers bei Werder seine Zelte ab, wagte einen Neustart in Griechenland. Doch die Station bei Apollon Smyrnis sollte nicht mehr werden als ein Abstecher – ebenso wie die folgenden Stationen zurück in Deutschland bei den Sportfreunden Lotte und dem SC Verl. Jetzt ist Eilers wieder im Osten. Hallescher FC, 3. Liga. Geholt hat ihn Ralf Minge, sein Ex-Boss aus Dresdner Zeiten. „Ich habe mich in Halle gut eingelebt, die ersten Wochen waren super“, berichtet Eilers. Doch dann kamen erst die Achillessehnenprobleme und anschließend das Knieödem. Nach zwei Saisonspielen war schon wieder Pause.

„Allgemein scheint hier ein Fluch auf dem Verein zu liegen“, sagt Eilers. „So viele potenzielle Stammspieler sind verletzt, das schwächt einen schon.“ Nach einem guten Saisonstart ist das Team aus Sachsen-Anhalt ein wenig abgerutscht, liegt vor dem 10. Spieltag im Tabellenmittelfeld auf Rang neun. Mit dabei ist neben Eilers noch eine ganze Reihe an weiteren Ex-Bremern: Janek Sternberg, Jannes Vollert, der in Bremen geborene Terrence Boyd, dazu die aktuelle Werder-Leihgabe Kebba Badjie. „Ich weiß nicht, ob Halle und Werder ‘ne Kooperation haben“, lacht Eilers und freut sich über das Wiedersehen mit einigen der alten Kollegen: „Es ist immer gut, wenn man neu ankommt und Gesichter aus der Vergangenheit trifft.“

Werder Bremen gegen Dynamo Dresden: Justin Eilers warnt vor der Wucht der Fans im Rudolf-Harbig-Stadion

Am Sonntag wird Justin Eilers nicht viele alte Bekannte wiedertreffen, bei Dynamo Dresden und Werder Bremen hat sich viel verändert. Trotzdem geht er immer wieder gerne ins Rudolf-Harbig-Stadion – und muss Werder vor der Partie am Sonntag warnen: „Ich weiß nicht, wie viele Zuschauer kommen dürfen, aber wenn das Stadion ausverkauft ist, ist es ganz schwierig für die Auswärtsmannschaft. Das ist eine Wucht!“, sagt Eilers. „Das Stadion gehört den Fans, das merkst du als Spieler. Gerade in engen Situationen ist das Publikum da. Das gibt dir ein paar Extra-Prozente.“

So sehr Eilers auch die Werder-Fans schätzt, die Dynamo-Anhänger seien noch etwas „heißblütiger“, meint er. „Die Fans werden von klein auf mit dem Schal um den Hals aufgezogen, sie leben den Verein und die Stadt.“ Auf dem Papier sei zwar Werder der Favorit, der Bundesliga-Absteiger habe höhere Ansprüche als der Aufsteiger aus der 3. Liga. Eilers weiß das. „Aber ich kann aus Erfahrung sprechen, im Stadion wird das eine ganz andere Nummer.“ Für Sonntag tippt der 33-Jährige auf ein 1:1. „Damit kann Dynamo gut leben, für Werder ist es vielleicht etwas zu wenig“, meint Eilers und erklärt: „Ich drücke Dynamo die Daumen, weil ich die intensivere Zeit in Dresden hatte.“ Es war die beste Zeit seiner Karriere. (han)

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