0:2 beim HSV – erste Werder-Pleite unter Skripnik / Aussetzer beim Einwurf

Dusseliger Derby-K.o. mit fiesen Folgen

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Der Ball ist im Tor: Die HSV-Profis jubeln

Hamburg - Von Björn Knips. Irgendwann platzte Werder-Coach Viktor Skripnik nach der ersten Niederlage unter seiner Regie der Kragen. Bei der Frage, ob die Euphorie nach zuletzt drei Pflichtspielsiegen durch die 0:2 (0:0)-Pleite im Nordderby beim Hamburger SV und dem Abrutschen auf Platz 17 wieder futsch sei, fauchte der Ukrainer: „Bei uns in der Mannschaft war keine Euphorie. Wir waren nicht im Himmel. Jeder weiß doch, dass wir Defizite ohne Ende haben.“ Und nun kommen auch noch jede Menge Personalsorgen dazu.

Das sei fast noch schlimmer als die Niederlage, befand der Nachfolger von Robin Dutt. Denn nächsten Samstag gegen Paderborn muss er in seinem vierten Bundesliga-Spiel als Chefcoach richtig improvisieren. Franco Di Santo wird wohl weiterhin fehlen, Sebastian Prödl möglicherweise auch. Neu auf der Verletztenliste steht Raphael Wolf, der Keeper hat sich beim Treffer zum 0:1 das Knie verdreht. Clemens Fritz (Ampelkarte) und Santiago Garcia (fünfte Gelbe Karte) schauen definitiv nur zu.

Das kann Werder nicht verkraften – wie sich schon gestern überdeutlich zeigte. Vorne wurde Di Santo vermisst, hinten Prödl. Aufgrund „dieser Notsituation“ hatte Skripnik eine vorsichtige Taktik gewählt und vor der Viererkette eine zweite Viererkette installiert: „Wir wollten so lange wie möglich die Null halten.“ Der Plan ging bis zur 84. Minute auf, dann passten die Gäste bei einem langen Einwurf von Ashton Götz in den Strafraum nicht auf. Assani Lukimya verlängerte unglücklich mit dem Kopf, Wolf kam nicht energisch genug aus dem Tor, und Theodor Gebre Selassie ließ Artjoms Rudnevs zum 1:0 einschießen. „Wir wussten von diesen langen Einwürfen, wir waren vorbereitet, haben es aber vergessen“, stammelte Gebre Selassie, dem die Szene sichtlich peinlich war: „Da haben wir alles falsch gemacht.“

Der Treffer ging nicht nur ihm gewaltig an die Nieren. „So ein billiges Tor darf nie und nimmer passieren. Das ist Enttäuschung pur, das ist nicht in Worte zu fassen“, schimpfte Zlatko Junuzovic. Und Fin Bartels fand es gar „zum Kotzen, das Spiel so zu verlieren und sich das jetzt anhören zu müssen“. Gemeint waren die HSV-Fans, die nach 83 qualvollen Minuten eine aus ihrer Sicht geniale Schlussphase erlebt hatten. Denn dem 1:0 folgte noch die Ampelkarte von Werder-Kapitän Fritz (90.) wegen wiederholten Foulspiels. Sowie das 2:0 in der Nachspielzeit, das zunächst Tolgay Arslan zugeschrieben, letztlich aber als Eigentor von Wolf gewertet wurde. Und natürlich der erlösende Schlusspfiff, mit dem die Hamburger die Abstiegsplätze verließen.

Werder-Profis in der Einzelkritik

Werder ist dagegen Vorletzter, doch Sportchef Thomas Eichin reagierte darauf mit einem ungewöhnlichen Satz: „Wir waren schon tief am Meeresgrund, vor diesen Pfützen haben wir keine Angst.“ Will heißen: Werder behält die Ruhe. Wenngleich Eichin durchaus gestand, sich zumindest Sorgen zu machen: erstens wegen der personellen Situation, zweitens wegen des gestrigen Auftritts. „Wir haben nicht mutig genug nach vorne gespielt, uns fehlte die Durchschlagskraft“, monierte Eichin. Richtig gute Chancen gab es nur drei: Junuzovic schoss völlig freistehend zu harmlos aufs Tor (28.), Lukimya machte es per Kopf auch nicht besser (38.) – und dann setzte Alejandro Galvez einen abgewehrten Garcia-Kopfball aus kurzer Distanz, allerdings spitzem Winkel neben das Tor (80.).

Letzteres war die Szene gewesen, auf die Werder die ganze Zeit gewartet hatte. „Wenn der drin ist und wir 1:0 gewinnen, sagt jeder: wunderbare Taktik“, seufzte Skripnik. Nun wird von einem großen Rückschlag gesprochen, die Abstiegsangst hat sich wieder verschärft – und wird beim nächsten Spiel am Samstag gegen den SC Paderborn definitiv dabei sein. „Ich erwarte eine gute Woche von der Mannschaft“, forderte Skripnik – und Eichin stellte klar: „Gegen Paderborn muss ein Dreier her.“

Werder verliert 101. Nordderby

Hamburger SV - Werder Bremen 2:0 (0:0)
1:0 Rudnevs (84.)
2:0 Wolf (90.+3/Eigentor)
Hamburger SV: Drobny - Diekmeier, Djourou, Westermann, Ostrzolek - Behrami - Gouaida, van der Vaart (86. Arslan), Holtby (67. Rudnevs), Nicolai Müller (81. Götz) - Lasogga
Werder Bremen:  Wolf - Gebre Selassie (88. Elia), Lukimya, Gálvez, Garcia - Bartels, Fritz, Kroos, Junuzovic - Hajrovic (57. Makiadi), Petersen (70. Selke)
Schiedsrichter:  Zwayer (Berlin)
Zuschauer: 57.000 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Diekmeier (5), Ostrzolek (3), Westermann (1), van der Vaart (4) / Bartels (2), Garcia (5), Makiadi (1)
Gelb-Rot: Fritz (89./wiederholtes Foulspiel)

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