Für Werder geht es um den Klassenerhalt, für den Trainer auch um den Job

Doppeltes Finale für Skripnik

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Werder-Coach Viktor Skripnik auf der Pressekonferenz am Donnerstag.

Bremen - Von Malte Rehnert. Viktor Skripnik war voll im Fokus. Ein knappes Dutzend Fernsehkameras und die Augenpaare von 20 Journalisten waren auf den Trainer von Werder Bremen gerichtet, als er am Donnerstag mit Sportchef Thomas Eichin den Pressekonferenzraum im Weserstadion betrat. Es steht am Samstag (15.30 Uhr) gegen Eintracht Frankfurt eben ein immens wichtiges Spiel an. Sogar eines von existenzieller Bedeutung. Für den Club – aber auch für den Coach.

Verliert Werder und steigt im schlimmsten Fall direkt ab, wäre Skripnik nach Fritz Langner im Jahr 1980 der zweite Coach, der mit Werder in die Zweite Liga abstürzt. Ein Desaster – und ein Makel, der auf ewig in der eigenen Vita und jeder Vereinschronik steht. Und dann wäre er, dazu gehört wenig Fantasie, seinen Job in Bremen los. Aber selbst wenn Werder gewinnt und sich am letzten Bundesliga-Spieltag rettet: Dass Skripnik dann bleiben und seinen Vertrag bis 2017 erfüllen darf, ist alles andere als sicher.

Der 46-jährige Ukrainer steht unter enormem Druck. Und das war ihm, bei seinem einzigen Medientermin vor dem Keller-Krimi, deutlich anzumerken. Während der gut 20-minütigen Medienrunde wirkte er ziemlich angespannt. Bei beinahe jeder Frage pustete er erst mal kräftig durch, ehe er – meistens kurz – antwortete. Den Stress versucht Skripnik alleine zu bewältigen. Die Dienste von Prof. Dr. Andreas Marlovits nimmt er nicht in Anspruch. Der Sportpsychologe ist auch vor dem Frankfurt-Spiel bei der Mannschaft, führt Einzel- und Gruppengespräche mit den Spielern. „Er bestätigt die Jungs, bringt Ruhe und Sicherheit“, sagt Skripnik, der ebenfalls mit Marlovits rede – aber nur über dessen Einsatzgebiete. Ob er auch selbst Rat beim Mental-Profi sucht, wurde er gefragt. Seine Antwort: „In dieser Form nicht so.“

Skripnik spricht nicht gerne über sich – wenn er muss, dann lieber über seine Spieler. Die Stimmung sei „sehr gut“, urteilt er: „Wir sind nicht hektisch. Jeder weiß, wo es langgeht.“ Wo es für ihn langgeht, wird nach dem Abstiegsfinale spannend zu beobachten sein. Skripniks Ablösung nach einer Zittersaison mit bisher noch offenem Ende war eigentlich schon besiegelt. Zuletzt bekam er allerdings Rückendeckung von höchster Stelle.

Aufsichtsratsboss Marco Bode würdigte die Leistungen des Cheftrainers, beklagte mangelnde Anerkennung und machte sich für ihn stark. Eine sichere Jobgarantie ist aber auch das nicht. Erst bei der großen Saisonanalyse, die es frühestens ab Sonntag gibt, wird entschieden, ob Skripnik weitermachen darf. Sportchef Thomas Eichin hat im „kicker“-Interview eine Bestandsaufnahme angekündigt, die „sehr ehrlich und korrekt“ ablaufen werde. Was das für Skripnik heißt, wird sich zeigen.

Pressekonferenz vor Frankfurt-Spiel

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