Ersatz für Werders Topstürmer

Di-Santo-Schock – Chance für Petersen?

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Petersen (r.) jubelt über einen seiner beiden Treffer im Nordderby am 21. September 2013

Bremen – Von Michael Baltes. Werder Bremens Torjäger Franco Di Santo fällt aus – und das ausgerechnet im Nordderby beim Hamburger SV! Das ist eine herbe Schwächung für die Grün-Weißen. Zugleich ist es aber auch die Chance für einen Bremer Stürmer aus der zweiten Reihe, sich wieder ins Rampenlicht zu spielen. Nils Petersen ist so einer.

An den 21. September 2013 wird sich Nils Petersen gern erinnern. Werder feierte einen 2:0-Auswärtssieg im Nordderby in Hamburg. Umjubelter Held: Petersen. Der Angreifer hatte beide Treffer erzielt und den HSV damit praktisch im Alleingang besiegt. Zudem endete für den damals 24-Jährigen eine lange Durststrecke. Über sechs Monate hatte er in der Liga nicht mehr getroffen - gegen Hamburg platze endlich der Knoten.

Fast genau 14 Monate später reist Werder an diesem Sonntag wieder zum HSV. Petersens Chancen erneut zum Derby-Helden zu werden, waren bis Donnerstag sehr gering, um es vorsichtig zu formulieren. Der mittlerweile 25-Jährige fristet derzeit bei Werder ein trostloses Dasein. Erst einmal stand er in dieser Bundesligasaison in der Startelf. Am formstarken Franco Di Santo kommt Petersen nicht vorbei. Selbst Nachwuchsstürmer Davie Selke erhält häufig den Vorzug. Ans Aufgeben und an einen vorzeitigen Abschied aus Bremen denkt der Stürmer trotzdem nicht: „Ich bin der Typ Kämpfer, will meinen Platz zurückgewinnen. Ich bin viel zu ehrgeizig, um davonzulaufen“, sagte Petersen vor wenigen Wochen, nachdem er beim Spiel in Mainz nicht einmal im Kader stand.

Der Donnerstag und die Diagnose von Di Santos Knieverletzung haben nun alles geändert. Werder-Coach Viktor Skripnik braucht einen Ersatz für seinen Topstürmer. Viele Auswahlmöglichkeiten hat der 45-Jährige nicht. Zwar sagt der Ukrainer in bester Trainer-Manier, dass er über „gute Alternativen“ verfüge, die auf „ihren Einsatz brennen“, doch das ist mehr Floskel als Realität. Neben Petersen kommen noch Selke, Eljero Elia und Izet Hajrovic für die Sturmspitze in Frage. Insgesamt also vier Spieler, von denen noch keiner wirklich überzeugen konnte in dieser Spielzeit.

„Er kann die Tore machen, er kann Fußball spielen“

Die besten Chancen werden Petersen zugerechnet. Zwar mag Selke aktuell in besserer Form sein, dafür hat der 19-Jährige aber leichte Veranlagungen als Hitzkopf. Jüngst flog er im U20-Länderspiel gegen Polen mit Gelb-Rot vom Platz. Eine Eigenschaft, die im Derby nicht unbedingt von Vorteil ist. Elia und Hajrovic fehlt der Torinstinkt. Beide sind auf den Flügeln besser aufgehoben. Petersen hat dagegen im Test gegen Odense BK gezeigt, dass er noch weiß, wo das Tor steht.

Für den 25-Jährigen spricht auch seine Erfahrung. Die hitzige Derby-Atmosphäre wäre für ihn nicht neu. Ein Faktor, der auch für Skripnik „eine sehr große Rolle“ spielt, wie der Coach auf der Pressekonferenz am Freitag sagte. Der 45-Jährige lobte zudem den Trainingseinsatz von Petersen: „Er kann die Tore machen, er kann Fußball spielen“. Festlegen auf einen Di-Santo-Ersatz wollte er sich aber noch nicht. Er habe zwei, drei verschiedene Varianten im Kopf, so Skripnik.

Lobende Worte für Petersen kommen derweil auch vom verletzten Di Santo: „Nils ist ein guter Spieler, immer wichtig für uns“, wird der Argentinier von der „Bild“-Zeitung zitiert. Wie wichtig der 25-Jährige für die Bremer wirklich ist, kann er nun möglicherweise im Derby unter Beweis stellen. "Wenn, ist das natürlich die Chance, sich wieder ins Rampenlicht zu spielen", weiß auch Petersen: "Eine bessere Plattform gibt es nicht".

Das Nordderby: Kuriose Fakten und spektakuläre Ereignisse

Symbolbild
Beim Nordderby im Jahr 1967 fand die erste Auswechslung der Bundesliga-Geschichte statt. Hamburgs Torhüter Arkoc Özcan hatte sich in der 18. Minute den kleinen Finger gebrochen – für ihn kam Ersatzkeeper Erhard Schwerin in den Kasten. Die Regel, die Auswechslungen ermöglichte, war erst kurz zuvor eingeführt worden. © imago sportfotodienst (Symbolbild)
Nordderby
Ende einer Serie: 36 Bundesligaspiele in Folge war der HSV zwischen den Jahren 1982 und 1983 ungeschlagen. Ausgerechnet Werder stoppte den Lauf des Rivalen. Die Grün-Weißen siegten 3:2. © imago sportfotodienst
Nordderby
Das Nordderby im Jahr 1972 wurde vor gerade einmal 8000 Zuschauern ausgetragen – Negativrekord. Weniger kamen davor und danach nie zum Duell der Nordrivalen. Ein Grund für das geringe Interesse: Kurz zuvor war der legendäre Bundesliga-Skandal aufgeflogen. © imago sportfotodienst
Nordderby
Ehrenrunde über dem Weserstadion: Nach Hamburgs Meisterschaft in der Saison 1982/1983 hatte Horst Hrubesch eine ganz besondere Idee. Auf dem Rückflug vom letzten Spieltag überredete der HSV-Profi den Piloten der Fokker-Maschine, eine Ehrenrunde über dem Weserstadion in Bremen zu drehen. © imago sportfotodienst
Nordderby
An diesen Tag erinnern sich die Bremer nur ungern. Am 27. November 1971 lässt Schiedsrichter-Legende Walter Eschweiler die Werder-Profis in der zweiten Halbzeit beim Auswärtsspiel in Hamburg mit HSV-Trikots auflaufen. Der Grund: Für Eschweiler waren sich Werder- und HSV-Trikots zu ähnlich – Verwechslungsgefahr! Weil Werder aber keine Ersatztrikots dabei hatte, mussten die Grün-Weißen die ungeliebte HSV-Raute auf der Brust tragen. © imago/Future Image
Nordderby
Ailton ist eben doch ein Bremer! 2006 nagelte der Brasilianer im Trikot der Hamburger den Ball im Derby völlig freistehend aus acht Metern über das leere Tor. Der HSV unterlag 1:2. Durch die Pleite zog nicht Hamburg, sondern Bremen in die Königsklasse ein. Wenig später war Ailtons Zeit beim HSV beendet – er wurde verkauft. © imago images / Thorge Huter
Nordderby
Beim Derby 2008 versuchten die Hamburger im Kampf um die Champions-League-Plätze mit einem Psychotrick zu punkten: Beim Duell in Hamburg wurde die Gästekabine mit HSV-Flaggen ausstaffiert. Der erhoffte Erfolg blieb aus. Die Bremer ließen sich nicht beeindrucken, gewannen und wurden am Ende Zweiter in der Tabelle – der HSV musste sich mit Rang vier begnügen. © imago images / HochZwei/Christians
Nordderby
Werders höchster Auswärtssieg in Hamburg gelang am 22. September 2001 mit einem 4:0. Bremens gefeierter Held: Marco Bode. Der Stürmer erzielte einen Treffer selbst und bereitete zwei weitere vor. Der höchste Heimsieg war in der Meistersaison 2004 sogar ein 6:0. © imago images / Kolvenbach
Nordderby
Das wohl berühmteste Tor der Nordderby-Geschichte: Frank Baumanns Kopfballtreffer bedeutet für Werder den Einzug ins UEFA-Cup-Finale 2009. Es sorgte auch für einen der drei Werder-Siege gegen den HSV in drei Wettbewerben binnen 19 Tagen. Kurios war aber auch die Entstehung der Ecke vor Baumanns Tor: Der Ball hoppelte über eine Papierkugel, die ein HSV-Fan auf den Rasen geworfen hatte. HSV-Abwehrmann Michael Graavgaard traf den Ball nicht richtig - es gab Ecke für Werder. © imago
Nordderby
Ausgerechnet ein Wahl-Hamburger ersteigerte die legendäre Papierkugel. Matthias Seidel, Gründer von „transfermarkt.de“, erwarb die Kugel, um sie später im Werder-Museum ausstellen zu lassen. © imago images / Philipp Szyza
Nordderby
Adrian Maleika. Der Name steht synonym für die größte Tragödie der Derby-Geschichte. Der Werder-Fan wurde vor dem Spiel am 16. Oktober 1982 auf dem Weg ins Volksparkstadion von Hamburger Hooligans brutal angegriffen. Bei einem Steinwurf erlitt der 16-jährige Lehrling einen Schädelbasisbruch und Gehirnblutungen. Einen Tag später starb er. Er gilt als erstes Todesopfer bei Hooligan-Übergriffen in Deutschland. © imago
Nordderby
Noch eine der ganz bitteren Geschichten des Nordderbys: Am 20. September 1989 spielte Ditmar Jakobs sein letztes Bundesliga-Spiel. Im Weserstadion rutschte der HSV-Verteidiger bei einer Rettungsaktion ins Tor. Dort bohrte sich ein defekter Karabinerhaken der Toraufhängung in seinem Rücken. Jakobs kam nicht mehr los, der Haken musste mit einem Skalpell herausgeschnitten werden. Dabei wurden seine Nerven so stark verletzt, dass an Profisport danach nicht mehr zu denken war. © imago
Nordderby
Niederlagen sind nie schön, die am 14. Mai 1988 gegen den HSV gilt aber als eine der schönsten Werder-Pleiten. Die Mannschaft von Trainer Otto Rehhagel ging zwar zu Hause mit 1:4 gegen die Hamburger baden. Aber das juckte keinen: Die Bremer hatten die zweite Deutsche Meisterschaft der Vereinsgeschichte schon perfekt gemacht - und durften nach dem Spiel die Schale vor den Augen des Rivalen in die Höhe recken. © imago
Nordderby
So unschön die Szene, so schnell wurde sie auch legendär: Werder-Keeper Tim Wiese verwechselte im Mai 2008 Fußball mit Kung Fu und senste beim Herauslaufen HSV-Stürmer Ivica Olic derart um, als wolle er ihm den Kopf abtreten. Ob Wiese da schon den Gedanken an eine Karriere im Wrestling entwickelt hat? Franz Beckenbauer sprach danach von Mordversuch, ein Unbekannter stellte sogar Strafanzeige wegen versuchten Totschlags. Der Schiedsrichter zeigte im Spiel jedenfalls nur Gelb. © imago
Nordderby
Klar ist: Werder Bremen gegen den Hamburger SV - es ist das ewige Duell der Bundesliga. Kein Spiel gab es häufiger. Zum 100. Nordderby präsentierten die Werder-Fans im Weserstadion eine beeindruckende Choreografie. „100 Spiele wie im Märchen“, schrieben die Fans und klappten das Geschichtsbuch auf. Am Ende stand: „Und die Moral von der Geschicht‘, Bremen ist geil, Hamburg nicht.“ © imago images / osnapix

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