Sieg im DFB-Pokal gegen Würzburger Kickers

3:0 - Veljkovic zaubert Werder weiter

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Werder Bremen feiert das 1:0 durch Milos Veljkovic - ein ganz krummes Ding!

Offenbach - Bundesligist SV Werder hat am Samstagabend die Pflichtaufgabe im DFB-Pokal insgesamt sehr souverän gelöst: Der 3:0 (0:0)-Sieg gegen den Drittligisten Würzburger Kickers im Offenbacher Stadion am Bieberer Berg war verdient.

In der ersten Halbzeit hatte der Favorit noch etwas Probleme gehabt, sich durchzusetzen, und musste auch einen Pfostenschuss am eigenen Tor überstehen. Doch Milos Veljkovic öffnete dann in der 50. Minute mit einem Zaubertor die Tür zur zweiten Runde im Pokal. Max Kruse (74.) und Maximilian Eggestein (77.) sorgten dann für ein standesgemäßes Ergebnis.

Werder-Coach Alexander Nouri hatte dieselbe Startelf ins Rennen geschickt wie vor einer Woche bei der Generalprobe gegen den FC Valencia (1:2). Florian Kainz ersetzte also den im Pokal gesperrten Fin Bartels. Und in der Dreierkette erhielt erneut Robert Bauer den Vorzug vor Luca Caldirola.

Werder mit viel Ballbesitz - aber ohne Zug zum Tor

Dem Bremer 3:5:2-System setzte Kickers-Coach Stephan Schmidt ein 4:3:2:1-System mit dem Ex-Bremer Enis Bytyqi als einziger Spitze entgegen. Gleichzeitig hatte der Coach sein Team extrem defensiv eingestellt. Und das schmeckte den Gästen, die in der Bundesliga gerne ihrem schnellen Umschaltspiel vertrauen, überhaupt nicht. Wie schon gegen Valencia hatte Werder jede Menge Ballbesitz, fand aber viel zu selten den Weg zum Tor. Meistens halfen nur Diagonalbälle der Verteidiger auf die beiden Außen Theodor Gebre Selassie und Ludwig Augustinsson, die sehr offensiv agierten. Augustinsson gab auch den ersten Torschuss ab, verfehlte aber das Ziel recht deutlich (8.).

Es dauerte stolze 20 Minuten bis zur nächsten Bremer Chance – und wieder war der starke Augustinsson beteiligt. Seine abgefälschte Flanke brachte Jerome Gondorf zu Gebre Selassie, der mit seinem artistischen Aufsetzer Kickers-Keeper Wolfgang Hesl zu einer Parade zwang. Noch besser reagierte der erfahrene Torwart zehn Minuten später: Eine perfekte Augustinsson-Flanke, eine starke Direktabnahme von Gebre Selassie, aber kein Tor, weil Hesl sich in den Weg schmiss.

Immerhin hatte Werder trotz eines schwerfälligen Auftritts ohne Tempo und mit wenig Kreativität nun Chancen. Und hinten lief es sehr gut, die Würzburger konnten sich nicht entscheidend durchsetzen. Bis zur 45. Minute: Der ohnehin schwache Thomas Delaney und Abwehrchef Lamine Sane konnten nicht verhindern, dass Emanuel Taffertshofer aus wenigen Metern zum Abschluss kam. Zum Glück für Werder klatschte die Kugel an den Innenpfosten und sprang wieder ins Feld. Jiri Pavlenka wäre machtlos gewesen.

Nouri änderte nichts. Auch beim Duell zwischen Gebre Selassie und Hesl blieb alles beim Alten, der Würzburger ließ sich vom Tschechen einfach nicht überwinden. Kurz nach der Pause entschärfte er einen Kopfball des Bremers (47.). Hesl der Held! Doch das war wenig später kein Thema mehr. Denn bei einem langen Ball von Milos Veljkovic war Hesl plötzlich nur ein verdutzter Zuschauer.

Veljkovic, Kruse und Eggestein erzielen die Tore

Entsetzen bei den Kickers, Riesenjubel bei Werder, der Bundesligist führte mit 1:0 (50.). Was für ein krummes Ding von Veljkovic. Und wahrscheinlich war es sogar Absicht. Denn kurz vor seinem Schlenzer hatte der Serbe noch zum Tor geschaut. Hesl indes machte keine Anstalten, sich wenigstens zu strecken. Der Keeper hatte wohl gedacht, der Ball würde über das Tor fliegen.

Es war ein Schock für die Gastgeber, die gar keine echten Gastgeber waren. Der Drittligist hatte nach Offenbach umziehen müssen, weil in der eigenen Arena wegen einer zu hohen Lärmbelästigung für die Anwohner nicht am späten Abend gespielt werden darf. Zum Stadion am Bieberer Berg waren immerhin 8090 Zuschauer gepilgert, über die Hälfte davon allerdings mit Bremer Hintergrund. Das machte es für den Außenseiter, der in diesem Kalenderjahr noch kein Spiel gewonnen hat, freilich nicht leichter.

Florian Kainz und Maximilian Eggestein freuen sich über Tor und Sieg.

Werder hatte alles im Griff und konnte es verschmerzen, dass der angeschlagene Gondorf nach 63 Minuten vom Platz musste. Für ihn kam schließlich in Philipp Bargfrede ein sehr erfahrener Profi. Bargfrede übernahm den Posten des Sechsers von Maximilian Eggestein, der auf die Gondorf-Position vorrückte. Die Bremer machten auch nicht den Fehler, sich nach der Führung zurückzulehnen. Der Favorit wollte die Vorentscheidung, und er bekam sie auch. Der immer stärker aufspielende Kainz setzte sich am Strafraumeck geschickt durch, flankte noch geschickter in die Mitte, wo Max Kruse völlig freistehend zum 2:0 einköpfte (74.). Es kam sogar noch besser: Maximilian Eggestein profitierte von einem weiteren Hesl-Fehler, der Teamkollege Jannis Nikolaou in größte Bedrängnis gebracht hatte. Eggestein blieb ganz cool und vollstreckte zum 3:0 (77.).

Werder darf weiter vom Pokalsieg träumen – und auch von einem guten Bundesligastart in einer Woche bei der TSG 1899 Hoffenheim. Die Mannschaft tat sich in der Offensive lange Zeit schwer, stand aber hinten ziemlich sicher. Allerdings ist Hoffenheim natürlich ein ganz anderes Kaliber.

Werder Bremen: Pavlenka - Bauer, Sane, Veljkovic - M. Eggestein – Gebre Selassie, Augustinsson (87. Garcia) – Gondorf (63. Bargfrede), Delaney – Kainz (79. J. Eggestein), Kruse.

Einzelkritik: Pavlenka wackelt kurz, Augustinsson überzeugt

Jiri Pavlenka
Jiri Pavlenka: Pflichtspiel-Premiere für Werder. Pavlenka begann mit einer unsouveränen Faustabwehr, leistete sich in der Folge bei den meist wenig anspruchsvollen Prüfungen keinen weiteren Wackler mehr. Note 3 © nordphoto
Robert Bauer
Robert Bauer: Wie erwartet übernahm er den Part rechts in der Dreierkette. Hatte dort wenig Probleme. Note 3 © nordphoto
Lamine Sane
Lamine Sane: Bis kurz vor dem Halbzeitpfiff erfüllte er solide seine Pflicht, dann verlor er kurz die Übersicht, was Würzburg die Top-Chance durch Taffertshofer (Pfosten/45.) ermöglichte. Note 3,5 © Gumz
Milos Veljkovic
Milos Veljkovic: Gewollt oder nicht? Egal, Hauptsache drin! Mit einem Schuss, der irgendwo zwischen Kunststück und verunglückter Flanke anzusiedeln war, erzielte der Innenverteidiger das erste Werder-Tor der Saison. Seine eigentliche Aufgabe als linker Mann der Dreierkette erledigte er unaufgeregt. Note 2,5 © nordphoto
Maximilian Eggestein
Maximilian Eggestein: Als Abräumer gut, allerdings hätte sich der gelernte Zehner beim 50 Minuten dauernden Geduldsspiel bis zur Führung mehr zutrauen dürfen. Spielte zu oft nur Sicherheitspässe. Nach Bargfredes Einwechslung rückte Eggestein etwas nach vorne und nutzte die Auflösungserscheinungen in Würzburgs Hintermannschaft abgebrüht zum 3:0. Note 2,5 © Gumz
Theodor Gebre Selassie
Theodor Gebre Selassie: Von Defensivaufgaben weitgehend unbehelligt durfte sich Gebre Selassie lange nach Herzenslust ins Offensivspiel einschalten. Zwar nutzte er das nicht zu einem Flankengewitter von rechts, aber Gebre Selassie wurde zu Bremens gefährlichstem Stürmer. Drei gute Chancen hatte er – mindestens die nach Flanke von Augustinsson hätte er verwerten müssen (38.). Note 2,5 © dpa
Ludwig Augustinsson
Ludwig Augustinsson (bis 87.): Auch er stand zum ersten Mal bei einem Pflichtspiel für Werder auf dem Platz. Und es lässt sich sagen: Das wird was mit dem Schweden! Augustinsson hielt konsequent seine Position auf links, bekam viele Bälle und schlug gefährliche Flanken. Note 2 © imago
Jerome Gondorf
Jerome Gondorf (bis 63.): Auf der Taktiktafel hatte man ihn auf der rechten Halbposition erwartet. In der Realität spielte Neuzugang Gondorf bei Ballbesitz oft Stürmer, agierte auf einer Linie mit Kainz. Dass diese Rolle zu ihm passt, darf jedoch bezweifelt werden. Note 3,5 © Gumz
Thomas Delaney
Thomas Delaney: Kein überzeugendes Spiel des Dänen, der Werder erstmals als Kapitän aufs Feld führte. Insgesamt nicht mit der Präsenz und der Bindung zum Spiel, wie es von ihm erwartet wird. Note 3,5 © nordphoto
Florian Kainz
Florian Kainz (bis 79.): Er lief viel, war bemüht, holte sich die Bälle. Aber Offensiv-Akzente? Die blieben lange aus. Erst als Werder mit der Führung im Rücken mehr Raum bekam, hatte auch Kainz auffällige Aktionen. Die beste war die Maßflanke auf Kruse, die das Spiel entschied. Note 3 © Gumz
Max Kruse
Max Kruse: Er lief bei Weitem nicht so viel wie Kainz, spielte auch nicht auf vorderster Linie, sondern ließ sich häufig ein paar Meter nach hinten fallen oder wich auf die linke Seite aus. Dann schlich er sich doch in die Mitte und nickte nach Kainz-Vorarbeit zum 2:0 ein. Gewiss nicht der Fitteste, aber mit sicherem Instinkt für die Situationen. Note 2,5 © Gumz
Philipp Bargfrede
Philipp Bargfrede (ab 63.): Kam für Gondorf und agierte deutlich defensiver. Note - © nordphoto (Archivfoto)
Johannes Eggestein
Johannes Eggestein (ab 79.): Zurück im Kreis der Profis! Zuletzt hatte der 18-Jährige vor einem Jahr bei der Pokal-Blamage gegen Lotte im Bundesliga-Team mitgewirkt. Die elf Minuten gegen Würzburg markieren für ihn also einen Neuanfang. © nordphoto (Archivfoto)
Ulisses Garcia
Ulisses Garcia (ab 87.): Noch ein Kurzeinsatz für den Schweizer. Note - © nordphoto (Archivfoto)

Quelle: DeichStube

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