Max Lorenz erinnert sich an Werders ersten Titel

Eine Busfahrt für die Ewigkeit: Heute vor 60 Jahren gewann Werder Bremen erstmals den DFB-Pokal

Willi Schröder lässt sich mit der Trophäe auf den Schultern tragen: Werder Bremen feiert den DFB-Pokal-Sieg 1961.
+
Willi Schröder lässt sich mit der Trophäe auf den Schultern tragen: Werder Bremen feiert den DFB-Pokal-Sieg 1961.

Bremen – Am 13. September 1961 hat der SV Werder Bremen erstmals den DFB-Pokal gewonnen. Ein Rückblick auf den historischen Triumph vor 60 Jahren - und eine Busfahrt für die Ewigkeit.

Eine offizielle Statistik, die an dieser Stelle weiterhelfen könnte, gibt es nicht, was es ziemlich kompliziert, ja eigentlich unmöglich macht, die folgende Frage zu beantworten: „Wie lange hat eigentlich die längste Busfahrt von Gelsenkirchen nach Bremen gedauert?“ Schwierig. Laut Routenplaner benötigt ein gängiger Pkw bei moderater Verkehrslage etwa zweieinhalb Stunden, ein schwerer Bus entsprechend länger, sagen wir gute drei Stunden. Und viel genauer muss es in diesem Zusammenhang auch gar nicht werden. Denn klar ist: Die Reisegruppe aus dem September 1961 war länger unterwegs, sehr viel länger, womöglich sogar rekordverdächtig lange.

„Wir haben auf jedem Rastplatz Halt gemacht und uns ausgiebig feiern lassen“, berichtet ein Mann, der damals mit im Bus saß und kurz zuvor mit dem SV Werder Bremen den allerersten Titel der Vereinsgeschichte eingefahren hatte. Sein Name: Max Lorenz. Zwar hatte der heute 82-Jährige den 2:0-Erfolg im DFB-Pokal-Finale gegen den 1. FC Kaiserslautern zu seinem großen Unmut nicht auf dem Platz, sondern bloß auf der Tribüne erlebt – und trotzdem beschreibt er jenen Tag, der sich heute zum 60. Mal jährt, als „einen der schönsten, die ich je mit Werder Bremen erlebt habe“.

Werder Bremen gewinnt DFB-Pokal 1961: Max Lorenz muss von der Tribüne zuschauen

Glückauf-Kampfbahn Gelsenkirchen, 15.000 Zuschauer, leichter Nieselregen – das sind am 13. September 1961, 19.30 Uhr, die äußeren Rahmenbedingungen für den großen Tag der Bremer, die sich, und das wird direkt nach Anpfiff klar, enorm viel vorgenommen haben. „Werder stürmte gleich mit ganzer Kraft, als gelte es, das Spiel schon in der ersten Halbzeit zu entscheiden“, notierte der Reporter des „Weser Kurier“.

Nachdem Günter Wilmovius und Horst Barth gute Chancen zur frühen Führung vergeben, wird Max Lorenz hoch oben auf seinem Platz von Minute zu Minute nervöser. „Ich habe vor mich hingeschimpft, es war schwer zu ertragen, nicht mithelfen zu können“, berichtet der ehemalige Mittelfeldspieler des SV Werder Bremen, der am Tag vor dem Finale von Trainer Georg „Schorsch“ Knöpfle erfahren hatte, dass er nicht berücksichtigt wird. Da Auswechslungen damals noch nicht erlaubt sind, hatte sich das Endspiel für Lorenz also schon vor dem Anstoß erledigt. „Warum, weiß ich bis heute nicht genau. Ich hatte jedenfalls nichts verbrochen“, sagt der gebürtige Bremer.

Werder Bremen schlägt 1. FC Kaiserslautern im DFB-Pokal-Finale 1961 - der erste Titel der Vereinsgeschichte

In den vorherigen Runden gegen Saarbrücken (1:0), den 1. FC Köln (3:2) und Karlsruhe (3:2 n. V.) war er noch jeweils zum Einsatz gekommen. Nun muss er im Endspiel tatenlos zusehen, hat besten Blick auf Werders 1:0 durch Willi Schröder (10.) sowie auf den folgenden Sturmlauf der Lauterer, für die es kurz nach der Pause mit dem 2:0 durch Helmut Jagielski eine richtig kalte Dusche gibt (52.). „Wie ein Blitz aus heiterem Himmel“, so steht es einen Tag später in der Zeitung, habe das Tor den 1. FCK getroffen. Alles Anlaufen der Mannschaft ist danach vergebens, Werder Bremen bringt das Ergebnis über die Zeit – und holt seinen ersten Titel.

Geduscht, umgezogen und bester Laune steigen Lorenz und Co. danach samt Trophäe in den Bus, zur großen Triumphfahrt gen Heimat. „Der Pokal wurde fleißig rumgereicht, und ich glaube, Wasser war da nicht drin“, lacht Lorenz, dessen Ärger über die Zuschauerrolle schnell verfliegt. In Bremen nehmen einige Fans die Mannschaft in Empfang, begleiten den Bus hupend zum Weserstadion. Tags darauf dann die offizielle Ehrung im Rathaus, auf die in der Vereinsgeschichte noch einige weitere folgen sollten. Max Lorenz ist 1965, zwei Jahre nach Gründung der Bundesliga, auch bei Werders erster Deutscher Meisterschaft noch dabei. Ein Titelgewinn, um den sich deutlich mehr Legenden um Mythen ranken als um den ersten DFB-Pokal-Sieg von 1961 – und der dennoch eine Anekdote schuldig bleibt: Eine nicht enden wollende Busfahrt gab es nach der Meisterschaft nicht, Werder Bremen hatte sich im eigenen Stadion gekrönt. (dco)

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

waipu.tv feiert Geburtstag: Sichern Sie sich jetzt das Sonderangebot mit Netflix inklusive!

waipu.tv feiert Geburtstag: Sichern Sie sich jetzt das Sonderangebot mit Netflix inklusive!

E.ON-Wallbox effektiv kostenlos: staatliche Förderung nutzen und Ökotarif abschließen

E.ON-Wallbox effektiv kostenlos: staatliche Förderung nutzen und Ökotarif abschließen

Schlemmen im Sommer: Entdecken Sie kreative Rezepte im Magazin „Küchengeheimnisse“

Schlemmen im Sommer: Entdecken Sie kreative Rezepte im Magazin „Küchengeheimnisse“

Der STERNGLAS Topseller im exklusiven Deal - 50 Euro sparen!

Der STERNGLAS Topseller im exklusiven Deal - 50 Euro sparen!

Meistgelesene Artikel

Trainings-Rückkehr: Werder hofft gegen den HSV auf Marvin Ducksch

Trainings-Rückkehr: Werder hofft gegen den HSV auf Marvin Ducksch

Trainings-Rückkehr: Werder hofft gegen den HSV auf Marvin Ducksch
Werder will die grün-weiße Fanseele im Nordderby gegen den HSV endgültig zurückerobern

Werder will die grün-weiße Fanseele im Nordderby gegen den HSV endgültig zurückerobern

Werder will die grün-weiße Fanseele im Nordderby gegen den HSV endgültig zurückerobern
Niklas Schmidt will und soll bei Werder verlängern

Niklas Schmidt will und soll bei Werder verlängern

Niklas Schmidt will und soll bei Werder verlängern
Frings: „Für ein Nordderby kannst du mich jederzeit wecken“

Frings: „Für ein Nordderby kannst du mich jederzeit wecken“

Frings: „Für ein Nordderby kannst du mich jederzeit wecken“

Kommentare