Torwart-Chaos bei Werder

Und dann macht es „Britzzz“

+
Da gab es kein zurück mehr: Schiedsrichter Daniel Siebert zeigt Werder-Keeper Jaroslav Drobny die Rote Karte nach dessen hartem Foul an Dortmunds Marco Reus. Das „Torwart-wechsel-dich-Spiel“ bei Werder geht damit in die nächste Runde.

Bremen - Von Daniel Cottäus. Eigentlich hätte man ahnen können, wie der Zweikampf von Jaroslav Drobny und Marco Reus am Samstag ausgehen musste. Die Rote Karte war eine selbsterfüllende Prophezeiung.

Die Frage war kurz und knackig – und die spontane Antwort geriet danach ebenso eindeutig. „Gegentor oder Notbremse?“, wurde Torhüter Jaroslav Drobny kürzlich von Werders Medienabteilung gefragt „Notbremse“, sagte Drobny, holte mit der rechten Hand zu einer resoluten Geste aus und begleitete das Ganze lautmalerisch mit einem kräftigen „Britzzz“. Das Video des Interviews hat Werder Anfang Januar ins Internet gestellt – freilich nicht ahnend, dass es gleich im ersten Pflichtspiel des Jahres „Britzzz“ machen würde. So geschehen am Samstag während der 1:2 (0:1)-Heimpleite gegen Dortmund. Drobny gegen Reus, Notbremse, Rot. Und plötzlich steht einer wieder im Fokus, der im Grunde schon aussortiert war: Felix Wiedwald.

Der 26-Jährige kam in der 40. Minute für den blassen Claudio Pizarro ins Spiel, ging ins Tor und erledigte seinen Job in der Folge beachtlich unaufgeregt – gemessen daran, was er in der laufenden Saison schon alles hinter sich hat. So rettete Wiedwald per Fußabwehr stark gegen Reus (58.), klärte später vor Shinji Kagawa (81.) und blieb auch gegen Andre Schürrle Sieger (85.). Beim zweiten BVB-Tor durch Lukasz Piszczek traf wohl eher Lamine Sane die Schuld, indem er das Abseits aufhob (71.). Gegentreffer Nummer eins hatte noch Drobny kassiert, als er in der fünften Minute nach einem Aussetzer von Serge Gnabry von Andre Schürrle umkurvt worden war.

„Wiedi ist ins kalte Wasser geworfen worden und hat es gut gemacht“, lobte Werders Trainer Alexander Nouri – im Übrigen der gleiche Mann, der im Trainingslager in Spanien noch offen gelassen hatte, ob Wiedwald als Nummer zwei oder gar nur als dritter Torhüter in die Restsaison gehen würde. „Wir haben einfach nur gesagt, dass da ein Michael Zetterer ist, der auch Druck macht und einen guten Eindruck hinterlässt“, relativierte Nouri nach dem BVB-Spiel und wollte plötzlich über eine Degradierung Wiedwalds erst gar nicht nachgedacht haben: „Wir haben nie in irgendeiner Form die Hierarchie infrage gestellt.“ Heißt also: Wiedwald darf sich sicher sein, dass er zwischen den Pfosten steht, so lange Drobny seine Sperre abbrummt. Zwei, drei Spiele dürften das sein. Kurios daran: 1,90-Meter-Mann Wiedwald wird in der laufenden Saison bereits zum dritten Mal zu Werders Nummer eins.

Während der Sommer-Vorbereitung hatte er sich gegen Drobny durchgesetzt, musste seinen Posten dann aber nach dem 0:6 in München und dem 1:2 gegen Augsburg – damals noch unter Trainer Viktor Skripnik – schon vor dem dritten Spieltag wieder räumen. Vier Spiele lang saß Wiedwald in der Folge auf der Bank, ehe er von einem Handbruch Drobnys profitierte, was ihm fünf weitere Einsätze einbrachte. Vor dem Nordderby beim Hamburger SV meldete sich der Tscheche Ende November dann wieder fit – und erhielt prompt wieder den Vorzug.

Baumann: "Felix wird es wieder gut machen"

Die Tatsache, dass Wiedwald schon zweimal in dieser Saison seinen Status als Stammkeeper verloren hat, in den kommenden Spielen aber ein möglichst verlässlicher und starker Rückhalt sein soll, sieht Coach Nouri nicht als Problem. „Wenn du es immer offen und ehrlich mit den Spielern besprichst, dann muss ein Spieler auf dieser Ebene auch damit umgehen können“, sagte er. Auch Sportchef Frank Baumann betonte: „Felix hat es im Herbst gut gemacht und wird es auch jetzt wieder gut machen. Natürlich ist es eine neue Chance für ihn.“

Mit anderen Worten: Wächst Wiedwald in den kommenden Spielen gegen Bayern und Augsburg über sich hinaus, darf er vielleicht im Kasten bleiben. Wie es mit dem gebürtigen Thedinghäuser, dessen Vertrag im Sommer ausläuft, weitergeht, scheint vor diesem Hintergrund plötzlich wieder offen. Bei 20 Pflichtspieleinsätzen verlängert sich sein Arbeitspapier automatisch bis 2018. Seit Samstag bringt es Wiedwald immerhin schon auf neun.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Thailand wählt nach Militärputsch neues Parlament

Thailand wählt nach Militärputsch neues Parlament

Neue Ochtumbrücke der Bahn in Dreye

Neue Ochtumbrücke der Bahn in Dreye

Massiver Protest gegen neues Urheberrecht und Artikel 13

Massiver Protest gegen neues Urheberrecht und Artikel 13

Riesige Anti-Brexit-Demonstration in London

Riesige Anti-Brexit-Demonstration in London

Meistgelesene Artikel

Eggesteins Mini-Chance auf das ersehnte Debüt

Eggesteins Mini-Chance auf das ersehnte Debüt

Profis an der Platte: Weltklasse schlägt Kruse

Profis an der Platte: Weltklasse schlägt Kruse

Pavlenka die Nummer eins in Tschechien? Am Freitag fallen die Würfel

Pavlenka die Nummer eins in Tschechien? Am Freitag fallen die Würfel

Zander-K.o. bei St. Pauli

Zander-K.o. bei St. Pauli

Kommentare