Das Kommando des Zuschauers

Fritz: „Das Signal muss jetzt aus der Mannschaft kommen“

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Clemens Fritz erwartet im Abstiegskampf ein Signal aus der Mannschaft.

Bremen - Von Daniel Cottäus. Clemens Fritz kennt das, er hat das alles schon erlebt – mit Werder steckte der Kapitän in den vergangenen Jahren mehrfach knietief im Abstiegskampf. Nun also wieder.

Nach 20 Spieltagen stehen die Bremer auf dem Relegationsplatz, haben in diesem Jahr alle bisherigen vier Pflichtspiele verloren. Dass die Konkurrenten zuletzt fleißig punkteten, macht die Lage an der Weser zusätzlich brisant. „Wenn du vier Mal in Folge verlierst, sind Gedanken an die Zweite Bundesliga völlig normal“, räumt Fritz offen ein – und stellt klar: „Es ist unsere Schuld, dass wir in dieser Situation sind.“

Vor dem Auswärtsspiel beim FSV Mainz 05 (Samstag, 15.30 Uhr) fordert er deshalb: „Das Signal muss jetzt aus der Mannschaft kommen. Wir müssen das anpacken. Es liegt auf unseren Schultern, die Klasse zu sichern.“ Es sind starke Worte eines Mannes, der zuletzt gar nicht mehr auf dem Platz stand, gezwungernermaßen nur Zuschauer war, als es für seine Mannschaft drauf ankam. In den Spielen gegen Augsburg (2:3) und Gladbach (0:1) wurde Fritz von Trainer Alexander Nouri nicht für die Startelf berücksichtigt. Kam er in Augsburg immerhin noch in der Nachspielzeit ins Spiel, blieb er gegen Gladbach ganz draußen.

Mit seinen Nackenproblemen hatte das nichts mehr zu tun, die hat der 36-Jährige lange auskuriert. „Ich war vor der Saison nicht so blauäugig und bin davon ausgegangen, dass ich jedes Spiel von Anfang an mache“, sagt Fritz – und betont: „Der Trainer ist verantwortlich. Er muss die Mannschaft nach bestem Gefühl aufstellen.“ Nun, es dürfte klar sein, dass Fritz mit seiner Reservistenrolle nicht glücklich ist – das Ende seiner Karriere wird er im Vorjahr kaum aufgeschoben haben, um bei Werder nur noch in der zweite Reihe zu stehen.

Fritz schließt vorzeitigen Verbleib bei Werder aus

Auch damals war die Not groß, und Fritz entschied sich für ein starkes Zeichen: Durch seinen Rücktritt vom bereits angekündigten Rücktritt gab er der Mannschaft einen neuen Impuls. Im April 2016 verkündete der Kapitän: „Ich bin so weit, dass ich sage: Ich kann nach so einer Saison den Verein nicht verlassen.“ Fritz verlängerte seinen Vertrag um ein Jahr. Allein daran hat es freilich nicht gelegen, dass Werder am Ende knapp über dem Strich stand. Es hat aber mit Sicherheit seinen Teil dazu beigetragen. So setzte sich das Team wenige Tage, nachdem Fritz seinen Verbleib verkündet hatte, spektakulär mit 6:2 gegen den direkten Konkurrenten VfB Stuttgart durch.

Wie es nach der laufenden Serie mit dem Kapitän weitergeht, ist noch offen. Dass er sich erneut vorzeitig für ein weiteres Jahr Werder ausspricht, schloss Fritz gestern aus: „Man kann nicht jedes Jahr das Gleiche machen.“ Im vergangenen Jahr habe er sich „völlig bewusst für diesen Weg“ entschieden. „Klar habe ich gehofft, dass es nicht wieder so eine bedrohliche Situation wird. Dem ist nun aber so, und das nervt uns alle.“

"Wir müssen das Beste daraus machen"

Werders Sportchef Frank Baumann ordnet die Lage seines Vereins sogar als derart bedrohlich ein, dass er sich nach dem Gladbach-Spiel dazu entschloss, die Mannschaft öffentlich zu kritisieren, ihren Einsatzwillen in Frage zu stellen. „Ich glaube nicht, dass sich einer persönlich angegriffen gefühlt hat. Frank hat sich das überlegt und wollte öffentlich ein Zeichen setzen. Das ist sein gutes Recht.“

Den Willen könne man der Mannschaft aber auf keinen Fall absprechen, widerspricht Fritz. Das sei nicht der richtige Ansatzpunkt. In Mainz hat Werder nun die Gelegenheit, den Worten des Kapitäns Taten folgen zu lassen – ob dieser nun auf dem Platz steht oder nicht. „Der Trainer hat nicht zu mir gesagt, dass ich die nächsten sechs Wochen auf der Bank sitze, aber er hat auch nicht zu mir gesagt, dass ich am Wochenende spiele“, berichtet der Kapitän.

Zwar betonte Fritz mehrfach, dass es nur darum gehe, sich auf die eigenen Stärken zu besinnen und sich nicht vom unruhigen Umfeld unter Druck setzen zu lassen, wich der Frage, ob die Mischung im Kader für den Abstiegskampf geeignet ist, aber vielsagend aus: „Die Mannschaft ist so zusammengestellt. Wir müssen jetzt das Beste daraus machen, weil wir es nicht mehr ändern können.“ Dass es am Samstag dabei auch um den Job von Trainer Nouri geht, dürfte allen Spielern bewusst sein. „Wir müssen uns auf unsere Arbeit konzentrieren“, sagt Fritz. „Klar haben wir Einfluss darauf, wenn wir das Spiel gewinnen.“

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