Vor dem großen Abschiedsspiel

Fritz über Mertesacker: „Per ist langsam? So ein Quatsch!“

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Clemens Fritz (l.) und Per Mertesacker sind in ihrer gemeinsamen Zeit bei Werder Bremen gute Freunde geworden.

Bremen/Hannover - Als Per Mertesacker zu Werder kam, da war Clemens Fritz schon da – wenn auch nur ein paar Wochen. 2006 war das. Beide haben inzwischen ihre Karriere beendet, beide verbindet eine dicke Freundschaft und beide werden am Samstag noch mal auflaufen – zum Abschiedsspiel von Per Mertesacker in Hannover (Anstoß 15.30 Uhr).

„Ich hoffe, es wird ein Fest“, sagt Fritz: „Das hat sich Per einfach verdient.“ Warum, das erklärt Fritz im Gespräch mit der „DeichStube“. Und er verrät auch, wieso Mertesacker im Trainingslager mal richtig sauer war und weshalb der einstige Co-Trainer Wolfgang Rolff unbedingt immer mit Mertesacker Kreis spielen wollte.

Sommer 2006. Werder hatte Fritz aus Leverkusen an die Weser geholt. „Ich war dann mit Frank Fahrenhorst auf einem Zimmer“, erinnert sich der heute 37-Jährige an die ersten Trainingslager. Doch dann kam Mertesacker. Damit Werder den Innenverteidiger aus Hannover bekam, musste Abwehrspieler Fahrenhorst im Gegenzug zu den 96ern wechseln. So hatte es Hannover-Coach Peter Neururer gefordert. „Per hat dann Franks Platz in meinem Zimmer bekommen“ berichtet Fritz und muss lachen: „Eigentlich hat das ja immer ganz gut geklappt, aber nur eines hat mich frustriert: Per konnte sich einfach umdrehen und ist sofort eingeschlafen. Und ich habe noch lange Schäfchen zählen müssen.“

Clemens Fritz: Seine Karriere in Bildern

Clemens Fritz spielte über zehn Jahren für den SV Werder Bremen und kann auf eine lange Profi-Karriere bei den Hanseaten zurückblicken.
Clemens Fritz spielte über zehn Jahren für den SV Werder Bremen und kann auf eine lange Profi-Karriere bei den Hanseaten zurückblicken. © gumzmedia
Clemens Fritz
Angefangen hat seine Laufbahn als Fußballer in der Jugend von Rot-Weiß Erfurt. Dann spielte er für den VfB Leipzig und Karlsruher SC, ehe es ihn zu Bayer 04 Leverkusen zog. © imago
2006 wechselte der Defensivspieler ablösefrei von Leverkusen an die Weser. Seitdem spielte Fritz für keinen anderen Club mehr.
2006 wechselte der Defensivspieler ablösefrei von Leverkusen an die Weser. Seitdem spielte Fritz für keinen anderen Club mehr. © imago
Gegen den FC Chelsea spielte der gebürtige Erfurter erstmals im Werder-Dress in der Champions League.
Gegen den FC Chelsea spielte der gebürtige Erfurter erstmals im Werder-Dress in der Champions League. © imago
20 Mal spielte Fritz insgesamt für den SVW in der Königsklasse. Weiter bis ins Achtelfinale schafften es die Bremer aber nie. Hier kämpft Fritz gegen Fußballlegende Ronaldinho (l.) um den Ball.
20 Mal spielte Fritz insgesamt für den SVW in der Königsklasse. Weiter bis ins Achtelfinale schafften es die Bremer aber nie. Hier kämpft Fritz gegen Fußballlegende Ronaldinho (l.) um den Ball. © imago
07. Oktober 2006: Fritz feiert sein Debüt in der deutschen A-Nationalmannschaft. Gegen Georgien gewann das DFB-Team mit 2:0.
07. Oktober 2006: Fritz feiert sein Debüt in der deutschen A-Nationalmannschaft. Gegen Georgien gewann das DFB-Team mit 2:0. © imago
Bei der EM 2008 schaffte es Fritz mit der Nationalmannschaft bis ins Finale. Gegen Spanien mussten sich die Deutschen aber leider geschlagen geben.
Bei der EM 2008 schaffte es Fritz mit der Nationalmannschaft bis ins Finale. Gegen Spanien mussten sich die Deutschen aber leider geschlagen geben. © imago
30. Mai 2009: Clemens Fritz feiert den Gewinn des DFB-Pokals - sein erster und einziger Titel mit Werder.
30. Mai 2009: Clemens Fritz feiert den Gewinn des DFB-Pokals - sein erster und einziger Titel mit Werder. © imago
Nachdem Mertesacker im August 2011 zu Arsenal wechselte, übernahm Fritz von ihm die Kapitänsbinde.
Nachdem Mertesacker im August 2011 zu Arsenal wechselte, übernahm Fritz von ihm die Kapitänsbinde. © imago
Am Rande des Trainingslagers im türkischen Belek gibt Fritz sein Karriereende bekannt. Nach der Saison 2015/16 soll Schluss sein, teilte er am 14. Januar 2016 mit.
Am Rande des Trainingslagers im türkischen Belek gibt Fritz sein Karriereende bekannt. Nach der Saison 2015/16 soll Schluss sein, teilte er am 14. Januar 2016 mit. © gumzmedia
28. April 2016: Fritz gibt seinen Rücktritt vom Rücktritt bekannt und verlängert um ein weiteres Jahr.
28. April 2016: Fritz gibt seinen Rücktritt vom Rücktritt bekannt und verlängert um ein weiteres Jahr. © gumzmedia
8. Mai 2017: Der Kapitän geht von Bord und verkündet sein endgültiges Karriere-Ende.
8. Mai 2017: Der Kapitän geht von Bord und verkündet sein endgültiges Karriere-Ende. © gumzmedia
Vor dem Anpfiff des letzten Werder-Heimspiels der Saison 2016/17 wurde Clemens Fritz am 13. Mai verabschiedet und zum Ehrenspielführer gekürt.
Vor dem Anpfiff des letzten Werder-Heimspiels der Saison 2016/17 wurde Clemens Fritz am 13. Mai verabschiedet und zum Ehrenspielführer gekürt. © gumzmedia
Die Bremer Fans hatten sich für ihren Kapitän eine besondere Choreo einfallen lassen und bedankten sich bei Fritz für seine 368 Einsätze im Werder-Trikot.
Die Bremer Fans hatten sich für ihren Kapitän eine besondere Choreografie einfallen lassen und bedankten sich bei Fritz für seine 368 Einsätze im Werder-Trikot. © gumzmedia
So ganz verlassen hat Clemens Fritz die Werder-Familie aber noch nicht. Dank seines Anschlussvertrags absolviert er aktuell ein Trainee bei den Grün-Weißen.
So ganz verlassen hat Clemens Fritz die Werder-Familie aber noch nicht. Dank seines Anschlussvertrags absolviert er aktuell ein Trainee-Programm bei den Grün-Weißen. © gumzmedia

Sehr viele sogar, denn unter Coach Thomas Schaaf war Werder sehr erfolgreich und stets in Europa unterwegs. „Diese vielen Reisen schweißen schon zusammen“, erklärt Fritz. Sie sorgen aber auch für den einen oder anderen kuriosen Moment. „Im Trainingslager in Bad Waltersdorf hat sich Per mal fürchterlich aufgeregt, weil sein Bett zu kurz war.“ Für den fast zwei Meter großen Kicker hatte Werder natürlich eine größere Schlafgelegenheit beim Hotel gebucht gehabt. „Und ganz ehrlich: Nach drei Tagen haben wir gemerkt, dass ich das große Bett hatte“, erzählt Fritz und schmunzelt: „Da wollte Per dann aber auch nicht mehr tauschen.“

Sie hatten in der Zeit viel Spaß. Dazu gehörten auch Spieler wie Sebastian Prödl, Peter Niemeyer oder auch Martin Harnik. „In der wirklich wenigen Freizeit haben wir schon viel zusammen gemacht“, erinnert sich Fritz. Doch zeitlich sei das mit Mertesacker so eine Sache gewesen: „Er hat sich schon ganz früh in seiner Karriere unglaublich akribisch um seinen Körper gekümmert. Er war jeden Tag beim Physiotherapeuten, hat an freien Tage Extra-Schichten im Kraftraum eingelegt. Per war da sehr, sehr professionell.“

Mertesacker legt Zurückhaltung auf dem Platz ab

Mertesacker habe immer gewusst, was er wollte, ohne dabei zu überdrehen. „Als er zu Werder kam, war Per ziemlich zurückhaltend. Das hat mich schon ein bisschen überrascht, schließlich war er ja schon Nationalspieler, kam quasi direkt von der WM im eigenen Land nach Bremen“, erzählt Fritz. Doch auf dem Platz sei es dann vorbei gewesen mit Mertesackers Zurückhaltung: „Per hatte den Anspruch an sich, Verantwortung zu übernehmen und voranzugehen. Und genau das hat er gemacht.“

Mertesacker sei dabei keineswegs fußballbesessen gewesen, habe längst nicht jedes Spiel im Fernsehen sehen müssen. „Da waren wir uns sehr ähnlich“, sagt Fritz: „Es gab viele andere Themen, über die wir viel gesprochen haben. Wahrscheinlich sind wir auch deshalb so gute Freunde geworden.“ Das Vertrauen ist so groß, dass sie auch geschäftlich miteinander verbunden sind, gemeinsam besitzen sie eine Immobilienfirma. „Wir arbeiten dort zwar eher im Hintergrund, entscheiden aber die wichtigen Dinge mit“, erklärt Fritz.

Clemens Fritz durchläuft zurzeit bei Werder Bremen ein Trainee-Programm, schaute etwa bei der Medienabteilung rein.

Sieben Jahre ist es nun schon her, dass Mertesacker Werder nach fünf Spielzeiten Richtung London zum FC Arsenal verlassen hat. „Natürlich fand ich es damals schade, aber es war der logische Schritt für Per“, findet Fritz: „Danach merkst du dann, ob es eine echte Freundschaft ist.“ Der Kontakt brach eben nicht ab. „Wir haben auch nicht jede Woche telefoniert, aber durchaus regelmäßig. Und niemand war dem anderen böse, wenn man mal länger nichts voneinander gehört hat.“ Das zeichne gute Freundschaften eben aus.

Fritz hat seine Karriere vor zwei Jahren beendet, absolviert nun ein Trainee-Programm bei Werder. Mertesacker hat nach der vergangenen Saison aufgehört und Anfang September den Job als Leiter der Nachwuchsakademie des FC Arsenal übernommen. Ihre Zukunft liegt also im Fußball – und irgendwann auch in einem Club? „Möglich ist das“, sagt Fritz: „Wir tauschen uns da wirklich viel aus. Das ist schon eine spannende neue Zeit.“

Abschiedsspiel in Hannover am Samstag

Die nun durch ein besonderes Spiel unterbrochen wird: „Mertes Homecoming“, wie das Abschiedsspiel heißt. Der 34-Jährige kehrt an seine Wurzeln in Hannover zurück. Dort ist er zum Bundesligaspieler geworden, unweit davon in Pattensen wuchs er auf. „Er hat sich dort auch immer mit seiner Stiftung sehr engagiert“, betont Fritz und möchte am Ende des Gesprächs über seinen Freund unbedingt noch eine Sache richtigstellen: „Es hieß immer, Per sei langsam. So ein Quatsch. Das sah vielleicht mit seinen langen Beinen so aus. Aber er war einer der schnellsten Spieler in unserer Mannschaft. Technisch war er auch richtig stark. Unser Co-Trainer Wolfgang Rolff wollte immer mit ihm Fünf-gegen-Zwei spielen, weil es so viel Spaß gemacht hat.“

Unterhaltsam soll es auch am Samstag sein – beim großen Fußball-Familientreffen in Hannover mit zahlreichen Stars, die mit Mertesacker im Verein oder in der Nationalmannschaft zusammen gespielt haben. Clemens Fritz gehört selbstverständlich auch dazu, er hat mit Mertesacker 2008 bei der EM gespielt, mit ihm 2009 für Werder den Pokal geholt – und er ist ganz nebenbei auch noch Patenonkel von einem der Söhne seines Freundes.

Per Mertesacker: Seine Karriere in Bildern

Per Mertesacker
Bei Hannover 96 begann die Wahnsinns-Karriere von Per Mertesacker. Erst kickte er dort in der Jugend, dann drei Jahre bei den Profis. © imago
So traf der Innenverteidiger in seinem ersten Bundesliga-Jahr auf Ivan Klasnic (im Bild) und den SV Werder.
So traf der Innenverteidiger in seinem ersten Bundesliga-Jahr auf Ivan Klasnic (im Bild) und den SV Werder. © imago
Zwei Jahre später leistete er sich ein Duell gegen Miroslav Klose. Mertesacker musste mit Hannover jedoch eine 0:5-Pleite hinnehmen.
Zwei Jahre später leistete er sich ein Duell gegen Miroslav Klose. Mertesacker musste mit Hannover jedoch eine 0:5-Pleite hinnehmen. © imago
2006 entschied sich der gebürtige Hannoveraner für einen Wechsel zum SV Werder. Damals spielte er da an der Seite von Mesut Özil...
2006 entschied sich der gebürtige Hannoveraner für einen Wechsel zum SV Werder. Damals spielte er an der Seite von Mesut Özil... © imago
...und an der Seite seines guten Kumpels Clemens Fritz in der Champions League. Hier sind beide im Duell mit Chelseas Didier Drogba. Werder gewann am Ende 1:0 - durch einen Mertesacker-Kopfball.
...und an der Seite seines guten Kumpels Clemens Fritz in der Champions League. Hier sind beide im Duell mit Chelseas Didier Drogba. Werder gewann am Ende 1:0 - durch einen Mertesacker-Kopfball. © imago
Mit den Bremern feierte Mertesacker 2009 den Triumph im DFB-Pokal.
Mit den Bremern feierte Mertesacker 2009 den Triumph im DFB-Pokal. © imago
Der größte Erfolg seiner Karriere: Der Weltmeister-Titel 2014 in Rio de Janeiro.
Der größte Erfolg seiner Karriere: Der Weltmeister-Titel 2014 in Rio de Janeiro. © imago
Sein Debüt in der A-Nationalmannschaft gab er im Oktober 2004 gegen Iran (2:0). Einen Monat später stand er gegen Kamerun (3:0) sogar schon in der Startelf.
Sein Debüt in der A-Nationalmannschaft gab er im Oktober 2004 gegen Iran (2:0). Einen Monat später stand er gegen Kamerun (3:0) sogar schon in der Startelf. © imago
Zur Saison 2011/12 wechselte Mertesacker von Werder zum FC Arsenal, wo er bis 2018 unter Vertrag stand.
Zur Saison 2011/12 wechselte Mertesacker von Werder zum FC Arsenal, wo er bis Sommer 2018 unter Vertrag stand. © imago
Mit den Gunners wurde er dreimal Englischer Pokalsieger (2014, 2015, 2017) und einmal Superpokalsieger (2016).
Mit den Gunners wurde er dreimal Englischer Pokalsieger (2014, 2015, 2017) und einmal Superpokalsieger (2016). © imago
Nach Ende seiner aktiven Karriere im Sommer 2018 ist Mertesacker den Londonern als Leiter der Nachwuchs-Akademie erhalten geblieben.
Nach Ende seiner aktiven Karriere im Sommer 2018 ist Mertesacker den Londonern als Leiter der Nachwuchs-Akademie erhalten geblieben. © dpa

Quelle: DeichStube

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