Werder-Bosse hadern mit dem Videobeweis

Geklaute Gefühle statt Gerechtigkeit

+
Konnten die Entscheidung des aberkannten Werder-Tors nicht nachvollziehen: Zlatko Junuzovic und Jerome Gondorf.

Bremen - Abstiegskampf in der Bundesliga: Spieltag für Spieltag wird auf den Plätzen gerackert, gefightet, gehofft, gejubelt, getrauert – und was wäre eigentlich, wenn man am Ende feststellen muss, dass die Entscheidung, wer absteigt und wer nicht, gar nicht auf den Plätzen gefallen ist, sondern in einem Kämmerlein in Köln?

Der vergangene Spieltag hat dieser Vision Nahrung gegeben, weil beim Spiel von Werder Bremen gegen Hertha BSC (0:0) der Videobeweis zum Nachteil des SV Werder zur Anwendung kam, während Tabellennachbar Hamburger SV durch einen nicht-regulären Treffer zu einem Punktgewinn bei RB Leipzig (1:1) kam. Wo ist da die Gerechtigkeit, fragen sich erboste Bremer. „Wenn unser Tor gezählt hätte und das Hamburger nicht, dann wissen wir alle, wie viele Punkte Unterschied das ausgemacht hätte“, sagte Werder-Aufsichtsrat Marco Bode gegenüber der DeichStube.

Der Hauptansatzpunkt der Kritik ist dabei nicht, dass den Bremern das Tor von Maximilian Eggestein (10.) aberkannt wurde. Aber dass im Weserstadion der in Köln vor Bildschirmen sitzende Videoassistent auf den Plan getreten ist und in Leipzig nicht, sorgt für Wut und Ärger bei Werder. „Das muss man mir mal erklären. Das ist willkürlich und ein Witz“, schnaubte Teamkapitän Zlatko Junuzovic. Clubchef Bode positioniert sich deutlich: „Ärgerlich ist, dass es keine einheitliche Entscheidungen gibt. Das ist unbefriedigend. Daraus müssen wir Konsequenzen ziehen: Entweder wir schaffen den Videobeweis ab oder wir verbessern ihn.“

„Es ist nicht transparent“

In Bremen schaltete sich der Videoassistent wegen einer Aktion im Mittelkreis ein. Thomas Delaney hatte Herthas Fabian Lustenberger im Luftkampf mit dem Ellbogen im Gesicht getroffen – ein Foul, fraglos. Das Schiedsrichter Bastian Dankert hätte sehen müssen, er hatte freie Sicht.

Er pfiff aber nicht. Eine Tatsachenentscheidung. Eigentlich. Und obwohl der Referee laut Regelwerk der Chef sein soll, ließ er sich durch den Videoassistenten beeinflussen. Außerdem diskussionswürdig: Nach dem Delaney/Lustenberger-Zweikampf kam kurz Salomon Kalou an den Ball, verlor ihn aber sofort wieder an Eggestein. Nach zwei weiteren Stationen kam dann Eggestein zum erfolgreichen Abschluss, während Verteidiger Lustenberger immer noch im Mittelkreis am Boden lag.

Bastian Dankert unterbricht das Spiel und schaut sich die Szene von Delaney noch mal ganz genau an.

Letzteres ist ein Argument pro Tor-Annullierung, schließlich fehlte Lustenberger im Zentrum. Die Bremer Gedanken gingen aber in eine andere Richtung. Wie weit soll/darf eine Szene, die letztlich zum Tor führt, zurückverfolgt werden? Wie viel Zeit darf vergehen, welche Distanz überbrückt werden? Ist es entscheidend, dass der Gegenspieler noch am Ball war? Marco Bode stellt fest: „Das alles ist nicht klar definiert. Es ist nicht transparent – und das ist schwierig.“

„So machen wir das Ding kaputt“

Werder-Geschäftsführer Hubertus Hess-Grunewald äußerte sich als Gast im Sport1-Doppelpass ähnlich, brachte aber auch noch die emotionale Wirkung des Videobeweises ins Spiel. Zum einen bei den Spielern: „Der Videobeweis war die Schlüsselszene des ganzen Spiels. So eine Entscheidung arbeitet in den Köpfen und Herzen. Sie nimmt dir das positive Gefühl.“

Zum anderen für die Zuschauer: „Ich möchte mich im Stadion freuen und Emotionen ausleben können.“ Ohne bangen Blick, wenn der Schiedsrichter an seinem Ohr nestele, weil er Botschaften aus dem Kölner Kämmerlein empfängt. Geklaute Gefühle und dennoch keine Gerechtigkeit – „so machen wir das Ding kaputt“, meinte Hess-Grunewald.

Schon gelesen?

Ärger über Videobeweis: „Willkürlich und ein Witz“

Schon gesehen?

Werder-Fans nach dem Hertha-Spiel

Quelle: DeichStube

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Löw-Team bucht EM-Ticket - "Sehr zufrieden"

Löw-Team bucht EM-Ticket - "Sehr zufrieden"

Jahrestag der Proteste: "Gelbwesten" demonstrieren in Paris

Jahrestag der Proteste: "Gelbwesten" demonstrieren in Paris

Baerbock und Habeck erneut an die Spitze der Grünen gewählt

Baerbock und Habeck erneut an die Spitze der Grünen gewählt

Jugendliche gestalten Volkstrauertag in Verden

Jugendliche gestalten Volkstrauertag in Verden

Meistgelesene Artikel

So plant Florian Kohfeldt die künftige Abwehr von Werder Bremen

So plant Florian Kohfeldt die künftige Abwehr von Werder Bremen

Kohfeldt über Friedl: „Ich werde Marco nicht fallen lassen“

Kohfeldt über Friedl: „Ich werde Marco nicht fallen lassen“

Serbien verzichtet auf Veljkovic

Serbien verzichtet auf Veljkovic

Augustinssons großer Schritt in Richtung Comeback 

Augustinssons großer Schritt in Richtung Comeback 

Kommentare