Werder-Boss Klaus Allofs: „Thomas Schaaf macht das gut“

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Klaus Allofs lenkt den Fokus auf Werders sportliche Situation - neue Verträge für Trainer Thomas Schaaf und sich selbst stehen hinten an.

Von Malte Rehnert - Klaus Allofs ist momentan ein bisschen verschnupft. Doch ausruhen kommt für den Sportchef von Werder Bremen nicht in Frage. Gestern eilte er von Termin zu Termin. Zwischen einer Sitzung und TV-Aufnahmen nahm sich der 54-Jährige gut anderthalb Stunden Zeit für ein ausführliches Interview.

Im ersten Teil spricht Allofs über Coach Thomas Schaaf, Mentaltrainer Jörg Löhr – und das „Feuerwerk“, das gerade in der Fußball-Bundesliga abgefackelt wird.

Werder hat sich ein wenig aus dem Tabellenkeller befreit, ist Zwölfter. Worauf führen Sie die gute Entwicklung der vergangenen Wochen zurück?

Natürlich darauf, dass einige Spieler wieder da und fit sind. Claudio Pizarro zum Beispiel, aber auch Wesley und Tim Borowski. Begonnen hat die Entwicklung schon im Trainingslager in der Türkei, als die Mannschaft – was das Gruppengefühl angeht – einen anderen Weg eingeschlagen hat. Wir haben intern ein paar Dinge verändert, um den Zusammenhalt zu stärken. Und unser Mentaltrainer Jörg Löhr hat es dann weitergeführt. Das hat den Ausschlag gegeben, um dieses Puzzle zusammenzufügen.

Was sind Werders Trümpfe im Abstiegskampf?

Die viel bessere Stimmung kann ein Trumpf sein. Aber der wichtigste ist, dass wir eine gute Mannschaft haben. Und die Spieler machen sich langsam daran, ihr Potenzial auszuschöpfen. Meine Hoffnung ist, dass alle Spieler diesen Aufschwung mitmachen. Daraus ergibt sich ein ganz anderes Selbstvertrauen.

Wie wichtig ist es für die Psyche, in der Länderspielpause mal ein bisschen durchschnaufen zu können?

Konzentriert zu arbeiten, aber auch Freiräume zu schaffen – das ist optimal. Die Freiräume dürfen aber nicht dazu führen, dass da eine Sorglosigkeit entsteht. Das war in der Hinrunde ein Problem, das uns – neben anderen Gründen wie den vielen Verletzten – in eine unangenehme Situation geführt hat. Wir müssen das weiter ganz genau beobachten.

Das Trainerkarussell in der Bundesliga dreht sich mit Höchstgeschwindigkeit. Was fällt Ihnen dazu noch ein?

Wenn man im Fußballgeschäft tätig ist, sollte man nicht denken, dass irgendetwas unmöglich ist – auch nicht in dieser Häufigkeit und manchmal in seltsamen Konstellationen. Der eine wechselt zum anderen Club, selbst bei Siegen wird gewechselt. Bei Werder sind wir, was Trainerwechsel angeht, nicht so erfahren und können das nicht immer nachvollziehen.

Wie sehr hat das Image von Deutschlands Vorzeigeklasse gelitten?

Es ist schon so, dass die Bundesliga aufpassen muss, nicht einen Teil ihrer Seriösität zu verlieren. Im Moment haben wir einen oder zwei Schritte zu viel gemacht. Da muss man an die Verantwortlichen appellieren, dass es nicht zum Volkssport wird. Aber klar ist auch: Trainer sind eine ganz wichtige Stellschraube – wenn man das Gefühl hat, dass Dinge nicht richtig laufen, muss man daran drehen.

Dieses Gefühl haben Sie in Bremen offenbar nicht. Fühlen Sie sich bei all den Entlassungen darin bestärkt, einen anderen Weg zu gehen und Trainer Thomas Schaaf weiter zu vertrauen?

Der beste und sogar einzige Weg ist, die Dinge zu machen, von denen man überzeugt ist. Populistische Maßnahmen bringen nichts. Für mich persönlich gab’s keine Alternative. Am Ende ist es so, dass man Entscheidungen immer neu bewerten muss. Und wenn wir die Saison positiv abschließen, ist das eine Bestätigung dafür, dass wir richtig gelegen haben. So ein Vorgehen hebt Werder ein bisschen ab von anderen Clubs.

Thomas Schaaf stand mitten in der Schusslinie. Wie hat er sich in der schweren Krise verändert?

Man hat ihm deutlich angemerkt, dass er mehr grübelt, weil einiges nicht geklappt hat. Er hat aber nie den Eindruck erweckt, dass er nicht mehr der Richtige ist. Ich habe keine Abnutzungs- oder Ermüdungserscheinungen gesehen. Er hat sich immer 100-prozentig engagiert, immer nach neuen Lösungen gesucht. Deshalb habe ich ihn auch so vehement verteidigt. Ich war bei den meisten Analysen dabei – und die sind noch intensiver geworden. Aber das ist doch auch klar: Wenn viele Fehler gemacht werden, gibt es viel zu besprechen. Und er hat sich geöffnet – auch im Umgang mit der Presse.

Inwiefern haben Sie Einfluss darauf genommen?

Wir reden darüber. Wir reden nicht nur über Spieler, sondern auch über unsere Rolle, die wir in der Außenwirkung mit Medien oder Zuschauern zu erfüllen haben. Und diese Gespräche sind sehr hilfreich.

Mikael Silvestre hat gesagt, der Trainer kommuniziere mehr mit den Spielern. Ist das auch Ihr Eindruck?

Thomas Schaaf war in der Schublade, dass er verschlossen ist. Das kann ich nicht bestätigen. Sicher, es gibt den einen oder anderen Trainer, der mehr spricht – aber es gibt auch ganz viele, die weniger reden. Das ist immer relativ. Aber ich glaube, dass der Trainer erkannt hat, dass wir in einer besonderen Situation sind. Jetzt, wo es nicht so läuft, ist es vielleicht nötiger, noch mehr zu erklären.

Eine Zeitlang wirkte der Trainer total angespannt, jetzt wieder deutlich relaxter. Eine Reaktion auf den Aufschwung?

Als Trainer muss man viele Facetten haben. Es gibt Phasen, da muss ich knallhart sein – und solche, wo Verständnis gefragt ist. Ich kann nicht am Anfang einer Woche sagen: Heute bin ich lieb, morgen böse, übermorgen ganz böse – das liegt an der Situation. Für mich ist es die große Kunst, entsprechend zu reagieren. Und das macht Thomas Schaaf gut.

Schaaf hat die Zusammenarbeit mit Mentaltrainer Jörg Löhr angeregt. Eine gute Idee?

Trainer, Geschäftsführung und Spielerrat haben diese Sache gemeinsan besprochen, pro und contra abgewogen. Und wir sind zu der Entscheidung gekommen, dass es Sinn macht. Wir sind immer wach und schauen, was wir verbessern können. Und wir waren der Überzeugung, dass wir das in der jetzigen Situation brauchen. Das war ein weiterer kleiner Schritt, um die Leistung zu optimieren.

Wie bringt Löhr die Mannschaft weiter?

Indem er an Dingen arbeitet, die wir als nicht ausgeprägt genug erkannt haben. Es ist jemand von außen in eine vertraute Runde gekommen, der eine andere Sicht hat, Anregungen gibt. Das sind nicht unbedingt neue Erkenntnisse, aber insgesamt ist das eine leistungsfördernde Geschichte.

Sie haben Schaaf stets den Rücken gestärkt, was sich auszuzahlen scheint. Gab’s schon Gespräche über eine Verlängerung des 2012 auslaufenden Vertrags?

Nein. Wir sind nicht in einer Not- oder Drucksituation und müssen uns derzeit nicht damit beschäftigen. Er hat einen Vertrag bis 2012 – und dass er nicht leichtfertig oder aus einer Laune heraus den Verein verlassen wird, wissen wir. Wenn es passt, wird es gemeinsam weitergehen. Wir arbeiten lange genug zusammen und wissen, was wir aneinander haben.

Wird er seinen Vertrag bis 2012 erfüllen?

Es spricht überhaupt nichts dagegen.

Sie selbst sind ebenfalls bis 2012 gebunden. Laut Aufsichtsrat müssen Sie nur ein Signal senden, damit Vertragsgespräche aufgenommen werden. Haben Sie das schon getan?

Nein – und ich glaube, dass muss ich auch nicht. Das einzige Signal war, dass ich klar gemacht habe, dass ich es nicht für notwendig halte, jetzt über einen Vertrag nach 2012 zu reden. Wir sind in einer sportlich schwierigen Situation. Da ist es nicht einfach, mit Spielern zu sprechen. Das haben wir weitestgehend zurückgestellt. Und dann kann ich nicht sagen: Bei mir muss es anders sein.

Aufsichtsratschef Willi Lemke hat in einem FAZ-Interview angemahnt, dass die Verantwortlichen bei Werder mehr miteinander reden müssten. Hat er Recht?

Er hat Recht damit, dass man immer sehen muss, dass man sich verbessert. In der einen oder anderen Situation hätte man mehr miteinander reden können. Aber ich glaube, dass wir hier in den letzten Jahren vernünftig miteinander kommuniziert haben.

Dennoch gab’s Kritik.

Ja, aber das ist auch die Aufgabe des Aufsichtsrats. Ich halte das für eine ganz normale Sache. Das sind meine Vorgesetzten – und dann ist es an mir, Sachen zu entkräften, wenn ich total anderer Meinung bin. Das kommt durchaus mal vor. Ich habe nicht den Anspruch, alles richtig zu machen. Man muss sich immer neu kontrollieren.

Lesen Sie morgen in Teil zwei des Interviews – Klaus Allofs über: den Umbruch im Sommer die Winter-Neuzugänge die Aussprache mit Naldo

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