Tim Borowski wünscht sich Vollgas-Fußball gegen die Bayern

„Ich glaube an diese Mannschaft“

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Coole Frisur: Tim Borowski 2004 beim Bremer Meisterstück in München gegen Bastian Schweinsteiger.

Bremen - Er ist ganz viel Werder Bremen und ein bisschen Bayern München. Tim Borowski absolvierte 294 Profi-Partien für die Nord- und 35 für die Süddeutschen. Der 34-Jährige, der seine Karriere vor drei Jahren beenden musste, kennt den Bundesliga-Klassiker also von beiden Seiten. Seine Meinung vor dem vermeintlich ungleichen Duell der beiden Teams am Samstag im Weserstadion (15.30 Uhr) verrät Borowski im Interview.

Werder gegen Bayern München – Sie haben dieses Duell 15 Mal als Werder-Profi und zwei Mal als Bayern-Spieler erlebt. Welcher war Ihr schönster Moment?

Tim Borowski: Der schönste war natürlich das 3:1 damals in München, unser Meisterstück 2004.

Und der schlimmste Moment?

Borowski: Das Pokalfinale 2010. Wir waren chancenlos, verloren 0:4.

Dann gibt es da noch jenes 5:2 im September 2008, das bis heute der letzte Bremer Sieg über die Münchner geblieben ist und in dem Sie als Doppeltorschütze geglänzt haben. Allerdings im Bayern-Trikot. Welche Emotionen kann Ihnen diese Partie heute noch entlocken?

Borowski: Aus Münchner Sicht war es eine Katastrophe. Als Heimmannschaft eine solche Klatsche zu kassieren – die übrigens leicht noch höher hätte ausfallen können –, war schon schwer grenzwertig.

Zuletzt gab es die deprimierenden Erlebnisse ausschließlich für Werder. In der Hinrunde der laufenden Saison setzte es ein 0:6, davor ein 2:5, 0:7, 1:6 – schlimme Resultate. Was erwarten Sie am Samstag?

Borowski: Es ist schwer zu sagen, wie heftig bei den Bayern die Nachwirkungen des Champions-League-Spiels gegen Schachtjor Donezk ausfallen. Grundsätzlich ist natürlich klar, dass die Bayern auf jeder Position doppelt und dreifach mit Weltklasseleuten besetzt sind. Dass trotzdem immer etwas möglich ist, auch für vermeintlich unterlegene Gegner, hat gerade Schalke 04 gegen Real Madrid bewiesen. Die Schalker haben immer an ihre Chance geglaubt, haben mutig ein offensives Pressing gespielt und so das Star-Ensemble von Real Madrid in Schwierigkeiten gebracht (Schalke gewann 4:3 in Madrid, schied dennoch im Champions-League-Achtelfinale aus, d. Red.).

Taugt diese Partie als Blaupause für die Bremer?

Borowski: Ich sage es so: Der FC Bayern ist der große Favorit. Aber Werder ist in den vergangenen Wochen erfrischend und selbstbewusst aufgetreten – damit kann man die Bayern auf jeden Fall ärgern. Die Bremer sollten das Spiel jedenfalls nicht schon vorher abschenken – so wie es viele andere Mannschaften in der Bundesliga machen.

Den Bayern wird es zu leicht gemacht?

Borowski: Das ist nicht das, was ich meine. Jeder Gegner gibt sich Mühe gegen die Bayern, kein Leistungssportler verliert freiwillig. Aber ich habe den Eindruck, dass viele Teams nicht an die eigenen Stärken glauben, wenn es gegen die Münchner geht. Ich mag das nicht und finde es schade.

Wo sehen Sie die Bremer Stärken, mit denen Werder den Bayern gefährlich werden könnte?

Borowski: Vor allem die mannschaftliche Geschlossenheit, damit lässt sich viel bewegen. Das haben die vergangenen Wochen gezeigt. Werder war nach dem neunten Spieltag noch Abstiegskandidat Nummer eins und hat sich zu dem entwickelt, was es jetzt ist. Das ist enorm positiv, das muss die Mannschaft jetzt mitnehmen in die Partie am Samstag.

Wie viel näher ist Werder den Bayern denn schon wieder gekommen?

Borowski: Ach, Mensch, die Bayern spielen immer noch in ihrer eigenen Liga. Sie zeigen nahezu perfekten Fußball. Es ist aber auch gar nicht wichtig, wie nah oder fern Werder denen ist. Wichtig ist, dass Werder einen guten Weg geht. Die Stadt und die Fans sind wieder euphorisiert – und trotzdem wird nicht überzogen.

Gegen Wolfsburg, den Bayern-Verfolger Nummer eins, hat Werder viel Mut gezeigt und fünf Tore kassiert…

Borowski: …aber auch drei geschossen. Bei einem ähnlichen Verlauf am Samstag könnten die Bremer wenigstens sagen, dass sie Leidenschaft gezeigt haben, dass sie rausgegangen sind, um zu gewinnen. Das will der Fan ja auch sehen. Dann kann man erhobenen Hauptes aus der Nummer herauskommen, und niemand muss das Gefühl haben, das Spiel sei abgeschenkt worden. Das ist das alles Entscheidende.

Ist das Team unter Viktor Skripnik möglicherweise schon gut genug für eine Überraschung?

Borowski: Ich finde, dass Moral und Mentalität riesig sind in der Mannschaft. Der Glaube und die Begeisterung, Siege einfahren zu können, ist auch wieder da. Es wirkt alles befreiter. Man sieht eine klare Spielanlage – auch wenn noch nicht alles perfekt läuft. Ich glaube an diese Mannschaft. Werder sollte mit Vollgas in die Partie gehen, abhängig von der Tagesform kann da immer etwas möglich sein.

Zum Beispiel, wenn sich bei den Bayern angesichts von elf Punkten Vorsprung auf Wolfsburg und nach einer schweren Champions-League-Aufgabe der Schlendrian einschleicht?

Borowski: Natürlich wäre es menschlich, aber ich glaube es nicht. Dafür hat Pep Guardiola im Kader zu viele Möglichkeiten. Wer es locker nimmt, sitzt schnell auf der Bank.

csa

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