Werder blamiert sich

Hitzeschock! Und Allofs tobt!

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Ätsch, Werder! Münsters Matthew Taylor (l.) schenkte den Bremern – hier Keeper Sebastian Mielitz und Philipp Bargfrede (rechts) – gestern im Pokal gleich drei Tore ein.

Münster - Aufbruchstimmung war gestern, jetzt herrscht wieder Frust beim SV Werder Bremen. Und das schon nach dem ersten Pflichtspiel der Saison.

Der Bundesligist blamierte sich gestern in der ersten Runde des DFB-Pokals beim zwei Klassen tiefer beheimateten SC Preußen Münster und verlor trotz zweimaliger Führung mit 2:4 (2:2, 1:0) nach Verlängerung. Clubchef Klaus Allofs tobte: „Das, was wir hier gezeigt haben, das war nicht Pokal, das war naiv.“

Fotos vom Pokalspiel

Werder Bremen fliegt aus dem Pokal

Der Ex-Nationalspieler sprach seinem Personal die richtige Einstellung zum Job ab: „Als Profi verteidige ich eine Führung – gerade kurz vor Schluss – mit allen Mitteln. Das hat mir gefehlt.“ Allofs sprach von einem „Rückschlag, der uns nicht aus der Bahn werfen muss“, aber nun müssten die richtigen Schlüsse gezogen werden. Die könnten personeller Natur sein. „Wir haben eine Bank, die Möglichkeiten zulässt – wie zum Beispiel Ekici, Bargfrede oder Lukimya“, betonte Allofs: „Wir werden sehen, wer diese Situation nun am besten in Leistung umsetzt.“

Vor dem Bundesliga-Auftakt am Freitag bei Double-Gewinner Borussia Dortmund ist das Selbstvertrauen im Keller. „Das ist ein Riesenschock“, gestand Sebastian Prödl. Und Clemens Fritz meinte: „Da sieht man mal wieder: Für eine gute Vorbereitung kann man sich nichts kaufen.“

Dabei hatte es im Glutofen Preußen-Stadion bei 38 Grad Celsius lange Zeit gar nicht so schlecht ausgesehen. Werder war in der ersten Halbzeit zwar nicht überragend und bei einem Pfosten- und einem Lattenkracher von Amaury Bischoff (34.) und Kevin Schöneberg (35.) sogar ein bisschen im Glück gewesen, doch auf der Anzeigetafel stand eine nicht unverdiente Bremer Führung. Eljero Elia hatte quasi mit dem Halbzeitpfiff ein tolles Zuspiel von Kevin De Bruyne per Schlenzer in den Winkel veredelt. Ein Traumtor! Der Playstation-begeisterte Holländer setzte sich auf den Rasen und tat so, als würde er einen Controller in der Hand halten und „daddeln“. Werder schien auf Kurs. Bis Matthew Taylor das erste Mal zuschlug (54.). Die komplette Werder-Defensive hatte gepennt – am schlimmsten Sebastian Mielitz und Sokratis. „Es hat die letzte Entschlossenheit gefehlt, wir haben ihnen offenbar nicht zugetraut, dass sie Tore machen können“, haderte Prödl.

Den ersten Unfall konnte Werder noch schnell beheben. Trainer Thomas Schaaf brachte Niclas Füllkrug, und der markierte prompt die erneute Führung (67.). Große Erleichterung bei den Bremern. Die Preußen wirkten platt, die Partie entschieden. „Da hätten wir dem Gegner die Hoffnung nehmen müssen, aber wir haben in ihm ein Feuer entfacht, weil wir in den Zweikämpfen viel zu schwach waren. Das war eine Einladung“, schimpfte Allofs.

Der Favorit wollte den Vorsprung nur noch über die Zeit bringen und wurde dafür bitterböse bestraft. Natürlich von Taylor, der Sokratis im Strafraum austanzte (82.). Die 18 000 Zuschauer kamen tatsächlich noch in den Genuss einer Verlängerung, was angesichts der Temperaturen vor allem für die Spieler kein Spaß mehr war. Jetzt musste richtig gebissen werden. Das tat der Drittligist, der Bundesligist nicht. Münster schlug trotz größter Erschöpfung weiter lange Bälle Richtung Werder-Tor, und „wir haben es nicht gebacken gekriegt, dagegen zu arbeiten. Jedes Mal brannte es“, fauchte Aaron Hunt ob des miserablen Defensivverhaltens. Wie auch in der 96. Minute: Niemand kann Taylor stoppen, der bedient Dimitrij Nazarov, der die Kugel neben den Pfosten zirkelt – 3:2. Unglaublich, diese Preußen!

Und Werder? Der Favorit gab auf. Und Sokratis handelte sich noch eine Ampelkarte ein, weil er Marco Königs nach dessen unfairem Hosenzupfer minimal weggeschubst hatte (109.). Das passte zum verkorksten Werder-Tag, der auch noch Taylors dritten Streich (119.) zum 4:2-Endstand parat hatte.

„Das ist eine Katastrophe“, jammerte Hunt über das zweite Erstrunden-Aus in Folge. Währenddessen betrieb Fritz schon so etwas wie Aufbauarbeit: „Jetzt zeigt sich, wie weit wir als Mannschaft sind. Jetzt darf nicht alles ins Negative umschlagen.“ Die Woche wird spannend. · kni

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