Zwei Gegentore in der Schlussphase

Werder kassiert bittere Derby-Pleite

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Niedergeschlagene Werder-Profis nach der Derby-Pleite

Hamburg - Lange Zeit sah es in einem eher müden Nord-Derby nach einer Nullnummer aus. Doch mit zwei späten Treffern sicherte sich der HSV noch den Sieg gegen Bremen. Die Gäste waren nach der unglücklichen Niederlage restlos bedient und bangen um ihren Keeper.

Begleitet von hämischen Gesängen der Anhänger des Hamburger SV schlichen die Profis von Werder Bremen aus dem Stadion am Volkspark. In einer starken Schlussoffensive erzwangen die Hamburger am Sonntag das 2:0 (0:0) im 101. Bundesliga-Nordderby und überholten den Rivalen in der Tabelle. Mit nun zwölf Punkten rangiert der „Bundesliga-Dino“ sogar vor Borussia Dortmund. Werder (10 Punkte) musste die erste Niederlage unter Trainer Viktor Skripnik einstecken.

Werder-Kapitän Clemens Fritz sah in der 89. Minute Gelb-Rot. Dazu bangen die Bremer um Schlussmann Raphael Wolf, der sich bei seinem unglücklichen Eigentor (90.+3) am Knie verletzte. „Es könnte sein, dass die Verletzung schlimmer ist“, sagte Skripnik, der äußerst deprimiert wirkte. Joker Artjoms Rudnevs (84.) brachte den HSV auf die Siegerstraße. „Die Punkte sind für uns unglaublich wichtig. Es ist schön, wenn man im Derby 2:0 gewinnt“, sagte HSV-Profi Rafael van der Vaart, der von HSV-Coach Josef Zinnbauer ein Sonderlob für seinen unermüdlichen Einsatz erhielt. „Wir haben heute einen Tick mehr Willen gehabt“, meinte der Trainer.

Werder-Manager Thomas Eichin haderte mit den Nachlässigkeiten in der Schlussphase. „Das war für mich ein typisches Unentschieden-Spiel, das du über die Zeit bringen musst“, sagte Eichin im TV-Sender Sky. „Mir fehlen die Worte. Es ist Enttäuschung pur“, meinte Bremens Mittelfeldmann Zlatko Junuzovic.

Der HSV begann im mit 57 000 Zuschauern ausverkauften Stadion mit Offensivdrang und hatte in der ersten Viertelstunde zwei Großchancen durch Valon Behrami (9.) und Youngster Mohamed Gouaida (11.). HSV-Trainer Josef Zinnbauer nahm den 21-Jährigen für Nationalspieler Marcell Jansen (Adduktorenprobleme) in die Elf, er begann aber auf dem rechten Flügel. Nicolai Müller wechselte auf links. Überraschend lief Rafael van der Vaart neben Behrami vor der Abwehr auf der Sechser-Position auf, so richtig wohl schien sich der Kapitän dort aber nicht zu fühlen.

Werder-Coach Skripnik war zum Umstellen gezwungen, nachdem erst Stürmer Franco Di Santo (Außenbandverletzung im Knie) und dann Abwehrchef Sebastian Prödl (Leistenproblemen) ausfielen. Nach seiner dürftigen Vorstellung gegen Stuttgart vor der Länderspielpause wurde der ehemalige Hamburger EljeroElia auf die Bank verbannt. Nils Petersen, Izet Hajrovic und Innenverteidiger Assani Lukimya rutschten ins Team. Petersen hatte beim vergangenen Nordderby in Hamburg (2:0) vor rund einem Jahr beide Tore für seinen Club geschossen, blieb nun aber blass.

Werder war zunächst mit defensiven Aufgaben beschäftigt, lediglich Zlatko Junuzovic (28.) prüfte HSV-Schlussmann Jaroslav Drobny. Fast im Gegenzug war der HSV nach einem Alleingang von Lewis Holtby (33.) wieder am Drücker, doch der Ex-HSVer Wolf war zur Stelle. Die Bremer wurden vor der Pause noch durch zwei Freistöße von Junuzovic auf Lukimya (38.) und Hajrovic (44.) gefährlich, aber Drobny ließ sich nicht überwinden. In der kampfbetonten Partie verloren die Hamburger nach guter Defensivarbeit der Grün-Weißen ihren Anfangselan. Parallel dazu ließ auch die lautstarke Unterstützung der Anhänger nach, die einen neuen Dezibel-Rekord in der Bundesliga aufstellen wollten. Die mitgereisten rund 5000 Bremer waren zeitweise ebenso laut.

Werders Wolf bewahrte zu Beginn der zweiten Hälfte Santiago Garcia (52.) vor einem Eigentor, als der Ball nach Flanke von Matthias Ostrzolek von dem Oberschenkel des Verteidigers absprang. Aus 22 Metern hatte Junuzovic (66.) mit einem Freistoß die beste Möglichkeit, aber Drobny war erneut zur Stelle. Rudnevs und Wolf mit seinem unglückliche Fehlgriff machten schließlich auf der Gegenseite den HSV-Sieg perfekt.

Zinnbauer und Skripnik waren bereits am 5. September mit den zweiten Mannschaften in der Regionalliga aufeinandergetroffen. Die Hamburger Bundesliga-Reserve siegte auswärts mit 4:2. Kurz darauf wurden beide U23-Coaches jeweils zum Cheftrainer der Profis befördert.

Hier können Sie das Spiel im Ticker nachlesen

Werder verliert 101. Nordderby

Hamburger SV - Werder Bremen 2:0 (0:0) 
1:0 Rudnevs (84.)
2:0 Wolf (90.+3/Eigentor)
Hamburger SV: Drobny - Diekmeier, Djourou, Westermann, Ostrzolek - Behrami - Gouaida, van der Vaart (86. Arslan), Holtby (67. Rudnevs), Nicolai Müller (81. Götz) - Lasogga
Werder Bremen: Wolf - Gebre Selassie (88. Elia), Lukimya, Gálvez, Garcia - Bartels, Fritz, Kroos, Junuzovic - Hajrovic (57. Makiadi), Petersen (70. Selke)
Schiedsrichter: Zwayer (Berlin)
Zuschauer: 57.000 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Diekmeier (5), Ostrzolek (3), Westermann (1), van der Vaart (4) / Bartels (2), Garcia (5), Makiadi (1)
Gelb-Rot:  Fritz (89./wiederholtes Foulspiel)

dpa

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