Angreifer muss die Teamkollegen zum Essen einladen

Werder billigt Kruses Nachtfahrt

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Max Kruse hatte einen Unfall bei einer Nachtfahrt.

Bremen - Von Björn Knips. Der Wagen ist Schrott, der Ruf noch ein bisschen mehr demoliert – doch das Wichtigste: Max Kruse hat seinen Autounfall nachts um 4 Uhr auf der A7 bei Hamburg körperlich schadlos überstanden.

Auch bei seinem Arbeitgeber kam der 28-Jährige nach dem unprofessionellen Verhalten mit der Nachtfahrt wenige Stunden vor einem Training glimpflich davon. Sportchef Baumann beließ es zumindest öffentlich bei einer Ermahnung, deutete aber an, dass Kruse zumindest für die Mannschaft ein Essen springen lassen muss. „Ich habe ihm gesagt, dass es keine optimale Zeit ist, den Weg von Hamburg nach Bremen zu bewältigen, aber das ist Privatsache“, erklärte Baumann, fügte allerdings auch noch an: „Es ist besser, wenn man um diese Uhrzeit schläft.“ Vor allem, wenn das nächste Training naht.

Immerhin kam Kruse nach dem Unfall überpünktlich an, traf am Donnerstagmorgen sogar schon um 9 Uhr am Weserstadion ein. Eine halbe Stunde später wäre auch okay gewesen. Laut Baumann habe ihm Kruse dann sofort von dem Missgeschick auf der Autobahn berichtet.

Was war passiert: Auf eisglatter Straße sei er von der Fahrbahn abgekommen und mit seinem Privatwagen in die Leitplanke gerutscht, berichtete Kruse in einem selbst gedrehten Video auf Facebook: „Mein Auto ist kaputt, aber mir geht es gut.“ Er habe am freien Tag seine Familie in Hamburg besucht und sich auf der Rückfahrt befunden. Zur Uhrzeit sagte er nichts. Laut eines Berichts des Internetportals „Aktuelles aus Süderelbe“, das die Geschichte am Morgen öffentlich gemacht hatte, war es vier Uhr gewesen. Baumann behauptete dagegen: „Es ist früher passiert.“ Wie viel genau, sagte er nicht.

Dafür stellte der Sportchef etwas anderes unmissverständlich klar. Die Polizei habe zwar bei Kruse einen Alkoholtest veranlasst, aber da sei definitiv nichts zu befürchten, so Baumann: „Max hat noch nie in seinem Leben Alkohol getrunken.“ Es gebe auch keine Anzeichen dafür, dass der 28-Jährige zu schnell gefahren sei. Ein Unglück eben, wie es auf glatter Fahrbahn passieren könne. „Gott sei Dank ist ihm nichts passiert – und auch nicht anderen Personen. Es waren keine anderen Leute involviert“, berichtete Baumann. Mit großer Erleichterung. Denn das ziemlich beschädigte Auto ließ Schlimmeres vermuten. „Das ist wohl ein Totalschaden“, so Baumann.

Kruse hatte den Unfall dagegen besser verkraftet. Beim Training ließ er sich überhaupt nichts anmerken, scherzte viel mit den Kollegen. Dann hatte er es allerdings eilig. So schnell wie kein anderer Werder-Profi kam der Angreifer frisch geduscht aus der Kabine und brauste in seinem Dienstwagen davon. Sprechen wollte er da nicht.

Nach dem Unfall steht Kruse noch mehr im Fokus

Kruse hat es nicht so mit den Medien. Das liegt an einigen Geschichten in der Vergangenheit, die ihn etwas in Verruf brachten. So vergaß er nach einer Pokernacht mal 75.000 Euro in einem Taxi. Weil er Anzeige erstattete, um sein Geld wiederzubekommen, flog die Sache auf. Sein Club VfL Wolfsburg brummte Kruse eine Geldstrafe auf – und der damalige VfL-Sportchef Klaus Allofs schimpfte: „Wir haben ihm erklärt, welches Verhalten wir von unseren Spielern erwarten. Man kann heutzutage nicht mehr sagen, wenn ich vom Trainingsgelände gefahren bin, bin ich Privatperson.“ Auch nach dem Vorfall in Berlin soll Kruse noch rechtzeitig beim Training in Wolfsburg gewesen sein.

Wie jetzt in Bremen. „Man sollte immer an seinen Schlaf denken“, meinte Baumann. Doch er vertraut dem Ex-Nationalspieler offenbar, sich genügend Ruhezeiten zu gönnen. „Entscheidend ist doch, dass er auf dem Platz, im Training und in den Spielen seine Leistung bringt, das macht er“, betonte Baumann.

Kruse ist sein Königstransfer. 7,5 Millionen Euro Ablöse hat sich Werder die Rückholaktion des Angreifers im Sommer kosten lassen. Dabei profitierten die Bremer davon, dass Kruse nach seinen außersportlichen Schlagzeilen beim VfL Wolfsburg in Ungnade gefallen war und unbedingt weg sollte. Ein Risiko, das sportlich noch nicht ganz aufging, weil sich der 28-Jährige gleich im ersten Pflichtspiel der Saison schwer am Knie verletzte und lange ausfiel. Zuletzt wurde öffentlich debattiert, ob Kruse für einen Profi nicht zu viel Gewicht mit sich herumträgt. Nun die Nachtfahrt mit Unfall. Auf Kruse wird sicher noch mehr geschaut.

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