Werder kassiert Klatsche in München

Die "Bestie" beißt fünf Mal zu

+

Aus München berichtet Malte Rehnert. Werder Bremen ist beim FC Bayern sang- und klanglos untergegangen. Am Ende siegten die Münchner 5:0. Die Grün-Weißen waren mit dem Ergebnis sogar noch gut bedient.

Wer die Mini-Hoffnung auf die Bremer Maxi-Sensation hatte, war schon nach neun Minuten eines Besseren belehrt. Um 18.39 Uhr schoss Thiago das 1:0 – und die Ballmaschinerie des FC Bayern lief anschließend auf Hochtouren. Vor 75 000 Zuschauern in der ausverkauften Allianz-Arena gab es Einbahnstraßenfußball vom Allerfeinsten gegen die Notelf der Gäste, die am Ende mit 0:5 (0:2) verlor und damit noch gut bedient war. Werder rutschte in der Tabelle um zwei Plätze von 13 auf 15 ab – und hatte Glück, dass die Konkurrenz am Nachmittag größtenteils gepatzt hatte.

Darmstadt und Augsburg nahmen sich gegenseitig die Punkte ab (2:2), Frankfurt (0:3 in Gladbach) und Hannover (0:2 gegen Köln) verloren. Werder musste im 100. Bundesliga-Duell gegen die Bayern gleich auf vier Stammkräfte der vergangenen, erfolgreichen Spiele verzichten. Torjäger und Ex-Bayer Claudio Pizarro (Adduktorenzerrung/kam im hellgrauen Bentley mit Münchner Kennzeichen und seinem Sohn auf dem Beifahrersitz zum Stadion) und Fin Bartels (Grippe) fehlten ebenso wie Kapitän Clemens Fritz und sein „Vize“ Zlatko Junuzovic, die ihre Gelbsperren abbrummten.

Die orangefarbene Bremer Binde trug Jannik Vestergaard. Zum ersten Mal in der Startelf stand Winter-Neuzugang Milos Veljkovic (19), der im defensiven Bremer 5-4-1-System im Mittelfeld spielte. Anthony Ujah war die einzige Sturmspitze. Bei den Bayern, bei denen Kapitän Philipp Lahm vorher via Twitter einen Sieg gefordert hatte („Das ist Pflicht“), schonte Trainer Pep Guardiola zunächst seinen Top-Torjäger Robert Lewandowski – und Arjen Robben war wegen leichter muskulärer Probleme erst gar nicht im Kader. Alles wohl schon mit Blick auf das Achtelfinal-Rückspiel der Champions League am Mittwoch gegen Juventus Turin. Dafür durfte WM-Held Mario Götze mal wieder von Beginn an ran, wurde aber schon nach 54 Minuten mit Problemen am Ellenbogen ausgewechselt. Die Gäste standen ab der ersten Sekunde extrem tief, mussten aber bereits nach 67 Sekunden den ersten Torschuss zulassen.

Galvez fahrig, Ujah abgemeldet

Kingsley Coman scheiterte an Werder-Keeper Felix Wiedwald. Wenig später war das Bremer Bollwerk schon durchbrochen. Rechtsflanke des nicht zu stoppenden Coman – und in der Mitte war Bayerns Spanier Thiago energischer als sein Landsmann Alejandro Galvez, knallte den Ball flach zum frühen 1:0 ins Netz (9.). Ein Horrorstart für Werder! Und die Bayern, von Bremens Sportchef Thomas Eichin im Vorfeld ehrfurchtsvoll als „Bestie“ bezeichnet, drückten weiter. Sie hatten in der ersten Halbzeit unfassbare 84 Prozent Ballbesitz. Werder kam kaum aus der eigenen Hälfte heraus, lief nur hinterher. Einzige nennenswerte Offensivaktion war – noch vor dem Rückstand – ein Vestergaard-Kopfball nach einer Ecke von Florian Grillitsch (7.). Die Bayern dagegen wirkten in jeder Sekunde gefährlich, hatten Lust und und legten nach. In der 31. Minute erklang zum zweiten Mal die Tormelodie „Daddy Cool“. Erneut hatte der flinke Coman geflankt, Thomas Müller traf volley aus kurzer Distanz zum 2:0.

Für Werder und Wiedwald, der noch dran war, aber keine Chance hatte, war es das 50. (!) Gegentor der Saison. In der Halbzeitpause zogen die früheren Profis und aktuellen Sky-Experten munter über die zu destruktiven Bremer her. „Sie üben überhaupt keinen Druck auf den Gegner aus“, bemängelte Christoph Metzelder. Und Dietmar Hamann ätzte: „Was Werder in den ersten 45 Minuten gezeigt hat, war nicht bundesliga-tauglich. Da muss mehr kommen.“ Zur zweiten Hälfte brachte Werder-Trainer Viktor Skripnik Laszlo Kleinheisler (für Veljkovic) und Melvyn Lorenzen (für Levin Öztunali). An den Kräfteverhältnissen änderte sich aber nichts. Müller traf im Nachsetzen zum 3:0, nachdem Wiedwald klasse einen Volleykracher von Franck Ribery entschärft hatte (65.).

Bayern lässt Werder keine Chance

Danach ließen es die Bayern etwas ruhiger angehen, packten aber nach dickem Galvez-Patzer noch das 4:0 (86.) durch den eingewechselten Lewandowski drauf, bevor Thiago den Schlusspunkt zum 5:0 (90.) setzte. Die Niederlage war erwartet, was sie bedeutet, muss nun das Heimspiel am Samstag gegen Bayern-Bezwinger Mainz 05 zeigen. Dann muss Werder wieder in die Spur finden, die das Team vor der Lehrstunde in München zu zwei 4:1-Siegen geführt hatte und die sie ziemlich freiwillig verlassen hatte. Rhythmus und Selbstvertrauen sind jetzt wieder weg.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Weihnachtsmarkt in Nienburg eröffnet

Weihnachtsmarkt in Nienburg eröffnet

IAEA-Chef verteidigt Atomdeal mit dem Iran

IAEA-Chef verteidigt Atomdeal mit dem Iran

Barkeeper: Vom Berufsrisiko Sucht und der Liebe zur Nacht

Barkeeper: Vom Berufsrisiko Sucht und der Liebe zur Nacht

Rohingya sollen zurück nach Myanmar: Wollen sie das?

Rohingya sollen zurück nach Myanmar: Wollen sie das?

Meistgelesene Artikel

Keine Wahlen, aber Frikadellen

Keine Wahlen, aber Frikadellen

Silberne Ehrennadel für Eggestein-Brüder

Silberne Ehrennadel für Eggestein-Brüder

Ziel: Algorfa - Werder nun doch ins Trainingslager

Ziel: Algorfa - Werder nun doch ins Trainingslager

Baumann verteidigt Vorgehen bei der Trainersuche

Baumann verteidigt Vorgehen bei der Trainersuche

Kommentare