Statt Geisterspielen in der Bundesliga

Werder-Sportchef Frank Baumann plädiert für Spieltagsabsagen: „Sinnvoll und fair“

Sportchef Frank Baumann hätte statt eines Geisterspiels des SV Werder Bremen lieber eine komplette Spieltagsabsage gesehen.
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Sportchef Frank Baumann hätte statt eines Geisterspiels des SV Werder Bremen lieber eine komplette Spieltagsabsage gesehen.

Bremen – Es ist die Einsicht in die Notwendigkeit, die sein Denken bestimmt. Also geht Werder Bremens Sportchef Frank Baumann mit der Entscheidung, gegen Bayer Leverkusen ein Geisterspiel im Weserstadion austragen zu müssen, professionell um.

„Das Coronavirus stellt uns nicht nur in Deutschland, sondern weltweit vor eine Ausnahmesituation. Die Lage ist neu, und vor allem ist alles, was zur Eindämmung der Verbreitung des Virus beiträgt, wichtiger als Fußball“, sagt der 44-Jährige im Gespräch mit der DeichStube. Es ist ihm aber anzumerken, dass die Allgemeinverfügung des Landes Bremen, ohne Zuschauer spielen zu müssen, sportlich ein weiterer Tiefschlag ist für Werder Bremen.

Denn das Publikum hätte für das in dieser Saison chronisch heimschwache Bremer Team im Saisonendspurt noch so etwas wie ein Dopingmittel werden können. „In den vergangenen Jahren haben wir gesehen, wie wichtig unsere Fans sind, sie haben uns eine Wucht gegeben. Gerade in unserer sportlich schwierigen Lage, wären sie wertvoll für uns. Sportlich und finanziell ist es für uns ein Verlust, ohne Zuschauer spielen zu müssen. In unserer Tabellensituation wiegt es schwer“, meint der Geschäftsführer, wiederholt aber, was sein Leitfaden bei dem Ganzen ist: „Wir bei Werder stellen den Fußball nicht über die Gesundheit.“

Werder Bremen bevorzugt Spieltagsabsagen: „Gesundheit ist wichtiger als Fußball“

Ein Ärgernis ist es freilich, dass am Wochenende nach derzeitiger Beschlusslage an den Bundesliga-Standorten Berlin, Frankfurt und Leipzig mit Zuschauern gespielt werden darf, in sechs anderen Stadien – unter anderem Bremen – dagegen nicht. Dabei sollte bundesweit das Argument gelten, was in der Hansestadt Grundlage der Entscheidung war: Gib dem Coronavirus keine Chance!. Baumann: „Wenn die Gesundheit wirklich das Wichtigste ist, hätten wir konsequenterweise die nächsten beiden Spieltage absagen müssen. Das wäre am sinnvollsten und fairsten gewesen.“ 

Die Argumente dafür liegen auf der Hand. Geisterspiele verhindern nicht, dass Fans zusammenkommen, um gemeinsam Fußball zu schauen. Nur passiert es gegen Bayer Leverkusen jetzt nicht in Stadien, sondern in Gaststätten, Sportbars und Vereinsheimen. Die werden voll sein, dort können Viren übertragen werden. Die Gegenargumente kennt und versteht Baumann freilich auch. Es fehlen aktuell noch die Möglichkeiten, abgesagte Spieltage in den Terminplan einzubauen: „Die Problematik ist uns bewusst.“ Andererseits: DieAbsage von zwei Spieltagen plus die sich anschließende Länderspielpause – das wären drei Wochen gewesen, nach denen man die Corona-Bedrohungslage möglicherweise schon wieder anders hätte bewerten können. Vor allem wäre es eine Gleichbehandlung für alle gewesen.

Werder Bremen: Frank Baumann erwartet keine Hilfe von der DFL

So hat jetzt Werder durch das Geisterspiel einen finanziellen Schaden. Knapp zwei Millionen Euro fehlen allein durch das eine Spiel in der Kasse. Weitere Geisterspiele sind möglich, im Grunde sogar garantiert. Denn wenn Bremen bei vier Infektionsfällen im Land bereits Großveranstaltungen untersagt, wird der Senat sicher nicht anders handeln, wenn die Zahl der Infizierten in den kommenden Wochen steigt - was schon am Dienstag der Fall war. Bremen meldet inzwischen 22 bestätigte Infektionsfälle. Baumann sieht einen Problemberg auf den Verein zukommen. Sportlich steht Werder Bremen schon am Abgrund, wirtschaftlich könnte es dann auch existenziell werden. „Aber wir werden alles dafür tun, um es aufzufangen“, sagt der Ex-Nationalspieler. Von der DFL erwartet er keine echte Hilfe: „Einnahmeverluste werden sicher nicht ausgeglichen.“

All diese Themen werden am Montag bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung der DFL auf den Tisch kommen. Baumann kann nicht daran teilnehmen. Für ihn ist das Spiel am Abend im leeren Weserstadion der wichtigere Termin. (csa)

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