Fin Bartels weiß, wie schön, aber auch wie gefährlich ein Sieg über den HSV sein kann

„Mein emotionalster Moment“

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Vorfreude auf das Nordderby beim HSV ist erlaubt. Fin Bartels rät aber dazu, „nicht zu überdrehen“.

Bremen - Er ist der Mann, der alle überrascht. Fin Bartels wurde vor der Saison ablöserei vom FC St. Pauli aus der Zweiten Liga geholt, um bei Werder Bremen den Kader zu ergänzen. Einer für die Breite sei er, hieß es. Aber einer für einen Stammplatz? Unwahrscheinlich. Doch es kam anders. Bartels (27) bestritt elf der bislang 13 Pflichtspiele von Anfang an, erzielte in der Liga zwei Tore, im DFB-Pokal eines. Ganz klar: der vielseitige Offensivakteur ist mehr als eine Ergänzung. Und was ihn möglicherweise besonders wertvoll macht: Der gebürtige Kieler weiß, wie man den Hamburger SV schlägt.

Geschichtsstunde, Herr Bartels! Erinnern Sie sich noch an den 16. Februar 2011, der Tag, an dem der FC St. Pauli mit 1:0 beim großen Hamburger SV gewann?

Fin Bartels: Natürlich, es war damals ein Highlight, ein einmaliges Erlebnis. Einen emotionaleren Moment habe ich in meiner Karriere bis dato nicht erlebt. Danach haben wir es auch ein bisschen „krachen“ lassen, obwohl es ein Wochenspieltag war und wir am Wochenende wieder ran mussten.

Am Sonntag treten Sie mit Werder beim HSV an – es ist Abstiegskampf pur, der Tabellen-16. gastiert beim 17.. Könnte ein Sieg mit Werder das Gefühl von damals noch toppen?

Bartels: Jeder neue Sieg ist besonders. Auf jeden Fall brenne ich darauf, die drei Punkte zu holen.

Je näher das Derby rückt, umso stärker elektrisiert es die Fans. Sie auch?

Bartels: Klar. Ich hätte das Spiel am liebsten jetzt schon vor der Tür gehabt. Aber die paar Tage kriegen wir auch noch rum.

Für die Fans beider Clubs sind die Nordderbys die wichtigsten Spiele der Saison. Wie werten Sie die Duelle?

Bartels: Bei aller Brisanz und grassierendem Derby-Fieber ist es wichtig, nicht zu überdrehen. Es ist ein bedeutungsstarkes Spiel, weil wir mit Werder gerade in die Erfolgsspur gefunden haben und unsere Serie fortführen wollen. Aber am Ende gibt es auch in diesem Spiel nur drei Punkte. Es bringt letztlich nichts, dieses Spiel zu gewinnen, aber sonst keines mehr.

Siehe FC St. Pauli anno 2011. Dem Triumph im Hamburger Duell folgten elf Niederlagen in zwölf Spielen und der Abstieg.

Bartels: Wir waren uns damals nach dem dritten Sieg in Folge schon zu sicher. Aktuell gilt deshalb: Es kommen auch nach dem Derby noch viele wichtige Partien.

Drei Siege in Folge hat auch Werder Bremen nach dem Trainerwechsel von Robin Dutt zu Viktor Skripnik gerade gefeiert. Erklären Sie mal: Was ist plötzlich los mit der Mannschaft?

Bartels: So ein Sieg wie der im DFB-Pokal in Chemnitz (Werder gewann bei der Skripnik-Premiere mit 2:0 beim Drittligisten, d. Red.) bewirkt manchmal Wunder. Auf einmal haben wir zum Beispiel auch das Quäntchen Glück, das wir vorher wochenlang nicht hatten. Es sind oft die Kleinigkeiten, aber auch andere Dinge wie fehlende Cleverness vor dem Tor, die ein Spiel entscheiden. Aber das konnte ja nicht die ganze Saison so weitergehen. Jetzt haben wir uns das Glück des Tüchtigen zurückerkämpft, sind wieder auf dem richtigen Weg.

Welche Rolle hat der Trainerwechsel dabei gespielt?

Bartels: Das bringt immer erstmal neuen Schwung ins Team. Spieler, die bislang nicht viel gespielt haben, wittern ihre Chance, es herrscht Aufbruchstimmung. Ich habe schon etliche Trainerwechsel mitmachen müssen, schön war das zwar nie, meistens hat es aber geholfen. Manchmal ist dieser Push-Effekt aber auch schnell wieder abgeebbt. Ich hoffe, dass er bei uns lange, lange anhält und wir uns währenddessen nachhaltig verbessern.

Um Viktor Skripnik und seine Co-Trainer Torsten Frings, Florian Kohfeldt und Christian Vander ist in Bremen schon ein gewisser Hype entstanden. Wie erleben Sie das Trainerteam?

Bartels: Sie machen einen erfrischenden Eindruck und sind klar in dem, was sie von uns Spielern verlangen. Auch wenn sie im Profi-Bereich als Trainer noch keine Erfahrung haben, wissen sie genau, was sie tun. Man spürt deutlich: Sie sind alle heiß auf diesen Beruf, wollen mit aller Macht in der Bundesliga arbeiten. Die Freude und Energie, mit der sie bei der Sache sind, steckt an.

Wie stehen Sie zur Trennung von Robin Dutt? Er hat Sie nach drei Jahren in die erste Liga zurückgeholt.

Bartels: Ich hatte auch einen guten Draht zu ihm, habe ihn als guten, kompetenten Trainer geschätzt. Ich fand es schade für den Menschen Robin Dutt, dass er gehen musste. Es lag auch nicht an ihm, dass wir nicht gewonnen haben. Wir als Mannschaft haben es verbockt.

Entwickelt ein Profi deshalb Schuldgefühle?

Bartels: Es geht einem schon beschissen, wenn der Trainer vor der Mannschaft steht und sich verabschieden muss. Weil man ja weiß, dass man selbst einen Teil dazu beigetragen hat, dass es so gekommen ist.

Sagt man dann auch: ,Trainer, es tut mir leid!‘

Bartels: Ich glaube, das habe ich tatsächlich zu Robin Dutt gesagt.

Dutt hat Ihnen vertraut, Viktor Skripnik macht es auch – der Ergänzungsspieler Fin Bartels ist gar kein Ergänzungsspieler, sondern eine Stammkraft. Überrascht?

Bartels: Positiv überrascht. Ich spiele im Moment wirklich viel, habe die Nase ein bisschen vorn. Aber ich weiß, dass ich dafür immer hundert Prozent geben muss, mich nicht ausruhen darf. Ich erwarte auch von mir, immer maximalen Einsatz zu zeigen, mit nach hinten zu arbeiten, so gut es geht. Wenn ich einer wäre, der 20 Tore pro Saison schießt, müsste ich das vielleicht nicht. Aber wenn man irgendwo dazwischen angesiedelt ist, muss man defensive und offensive Aufgaben unter einen Hut bringen. Es gehört auch zu meinem Spiel, immer unterwegs zu sein, überall reinzustechen, Unruhe zu stiften. Ich muss mich viel bewegen auf dem Platz, sonst bin ich nicht effektiv.

Gegen Stuttgart haben Sie nach einer frechen Eckballvariante das 2:0 erzielt. Es war Ihr achtes Erstliga-Tor – aber auch Ihr schönstes?

Bartels: Nö, das schönste Tor war mein allererstes, ein Fallrückzieher. Da reicht das gegen Stuttgart nicht heran. Aber es war ein wichtiges Tor, weil damit der erste Heimsieg der Saison perfekt war. Es war für uns alle eine Befreiung.

csa

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