Werder geht in Gladbach unter – 1:4 / Gelb-Rot für Caldirola / Ex-Bremer Kruse an drei Toren beteiligt

Backpfeifen für das Schlusslicht

Das tat richtig weh! Luca Caldirola handelte sich nach gut einer Stunde binnen drei Minuten durch zwei Fouls die Ampelkarte ein und schlich nach seiner Dummheit wie ein geprügelter Hund vom Feld.
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Das tat richtig weh! Luca Caldirola handelte sich nach gut einer Stunde binnen drei Minuten durch zwei Fouls die Ampelkarte ein und schlich nach seiner Dummheit wie ein geprügelter Hund vom Feld.

Mönchengladbach - Die leidige Geschichte mit den zwei Gesichtern geht weiter. Eigentlich wollte Werder Bremen gestern auch mal auswärts so forsch auftreten wie zu Hause und den zweiten Saisonsieg im fremden Stadion einfahren. Stattdessen gab es wieder ordentlich Haue und am Ende eine klare 1:4 (0:1)-Pleite bei Borussia Mönchengladbach. Werder bleibt damit Tabellenletzter und hat nur noch am Samstag (15.30 Uhr) gegen Dortmund die Gelegenheit, die Rote Laterne in diesem Jahr irgendwie loszuwerden.

Werder-Coach Viktor Skripnik hatte gestern die Rotationsmaschine angeworfen und sein Team im Vergleich zum 3:3 gegen Hannover auf fünf Positionen umgebaut. Der genesene Raphael Wolf kehrte für Richard Strebinger ins Tor zurück. Im Sturm begann Davie Selke statt Melvyn Lorenzen, als Linksverteidiger Santiago Garcia statt Janek Sternberg. Und das Mittelfeld sah total anders aus: Philipp Bargfrede gab sein Startelf-Comeback und verdrängte Felix Kroos auf die Bank. Und Cedrick Makiadi bekam mal wieder eine Bewährungschance.

Neu war auch das Bremer System. Skripnik vertraute im Mittelfeld nicht der Raute, sondern drei Defensiven: Bargfrede, Makiadi und Clemens Fritz. Davor spielten Zlatko Junuzuvic, Fin Bartels und ganz vorne Selke. Das sah – passend zur Vorweihnachtszeit – nach einer Tannenbaum-Taktik aus. „Wir versuchen, die Schotten dicht zu machen“, erklärte Sportchef Thomas Eichin. Die vorsichtige Ausrichtung hatte angeblich nichts mit Gladbach zu tun – behauptete Skripnik vorab: „Wir wollen nicht auf den Gegner schauen.“

Der Beton, den der Bremer Trainer angerührt hatte, war jedoch in der Anfangsphase ein bisschen brüchig. Erst setzte sich Gladbachs Ibrahima Traore auf der rechten Seite durch, er fand in der Mitte jedoch keinen Abnehmer (8.). Dann klärte Wolf mit beiden Fäusten vor Patrick Herrmann (9.). Danach schafften es die Gäste aber immer mehr, die Gladbacher vom eigenen Tor fernzuhalten – und selbst das gegnerische ins Visier zu nehmen. Die dickste Chance hatte Makiadi, der selbst hätte schießen können, aber zu lange zögerte. Seine flache Hereingabe auf Bargfrede war dann zu ungenau (21.).

Niederlage in Gladbach: Werder in der Einzelkritik

Raphael Wolf: Die Grippe hat er überstanden, die Gegentor-Krankheit nicht. Aber dagegen gab es für ihn gestern auch kein Mittel – weder beim Elfmeter noch beim von Caldirola abgefälschten Wendt-Schuss und auch nicht beim Kramer-Kopfball sowie bei Hrgotas Abstauber. Allerdings: Richtig sicher wirkte Wolf insgesamt nicht. Note 4 © nordphoto
Theodor Gebre Selassie: Bei seiner auffälligsten Szene fehlte dem Tschechen der Mumm, deshalb gab es nur ein Torschüsschen (49.). Keine gravierenden Fehler, aber auch keine weiteren großen Szenen. Note 4 © nordphoto
Alejandro Galvez: Besser und sicherer als gegen Hannover. Aber beim 0:2 hätte er Wendt mehr im Auge haben können – und vor dem 1:4 ging seine Risiko-Grätsche ins Leere. Note 4 © nordphoto
Luca Caldirola: Schwarzer Tag für den Italiener. Hätte den Gladbacher Angriff, der zum Strafstoß führte, stoppen können. Beim 0:2 wurde er vom herbeigeeilten Retter zum Pechvogel, der Wendts Schuss unhaltbar abfälschte. Und dann foulte er sich binnen drei Minuten vom Feld. Eine saudumme Ampelkarte, das darf ihm nicht passieren. Note 6 © nordphoto
Santiago Garcia: Sehr aufmerksam, kaum Fouls, gute Zweikämpfe, aber dann ließ ihn der heranstürmende Kramer mit dem Kopfball zum 3:1 schlecht aussehen. Note 4 © nordphoto
Clemens Fritz: Ist die englische Woche zuviel für den 33-Jährigen? Der Kapitän wirkte müde und ließ Kruse hilflos das 1:0 und das 3:1 vorbereiten. Note 5,5 © nordphoto
Philipp Bargfrede (bis 80.): Starkes Startelf-Comeback, bis Traore in den Strafraum brauste: Da kam Werders Sechser zu spät – Elfmeter, 0:1. Danach solide. Note 4,5 © nordphoto
Cedrick Makiadi (bis 65.): Der Überraschungsgast in der Startelf wirkte mutlos. Verschenkte Werders beste Chance vor der Pause (21.), weil er den Abschluss scheute. Zudem sehr zweikampfschwach. Note 5 © nordphoto
Zlatko Junuzovic: Weiter in Topform – als Spielgestalter und als Freistoß-Schütze. Genial, wie der Österreicher den Ball zum Anschlusstreffer in den Knick zirkelte. Trieb seine Mannschaft immer wieder an, bis die Lage aussichtslos war. Note 2,5 © nordphoto
Fin Bartels: Als hängende Spitze viel unterwegs. Machte den Gladbachern das Leben mit seinen Dribblings schwer, blieb allerdings ohne Ertrag. Note 3,5 © nordphoto
Davie Selke (bis 69.): Die Sache mit der Ballannahme machte ihm und damit auch seinen Kollegen ziemlich zu schaffen. Denn die einzige Spitze konnte kaum einen Ball halten. Das frustriert. Note 5 © nordphoto
Izet Hajrovic (ab 65.): Konnte nichts mehr bewegen. Note - © nordphoto
Oliver Hüsing (ab 69.): Bundesliga-Debüt mit hundertprozentiger Passquote (zehn von zehn), aber seinen einzigen Zweikampf verlor der 21-Jährige. Note - © nordphoto
Felix Kroos (ab 80.): Aus der Startelf geflogen – da war es ein schwacher Trost, dass er spät seinen Freund Bargfrede ersetzen durfte. Note - © nordphoto

Werder war nun vor 44513 Zuschauern im nicht ausverkauften Borussia-Park gut drin in der Partie, verteidigte konzentriert und spielte nicht überhastet, sondern kontrolliert von hinten heraus. Aber dann machte ein einziger individueller Fehler alles zunichte. Bargfrede brachte im Sechzehner Traore zu Fall – Elfmeter für Gladbach. Der Ex-Bremer Max Kruse ließ sich diese Möglichkeit nicht entgehen, verlud Wolf und schoss die Hausherren in Front (32.). Kurz darauf folgte Kruses nächster Streich: Sein feiner Pass in die Tiefe, bei dem Fritz ihn überhaupt nicht gestört hatte, erreichte Oscar Wendt. Den Schuss des Schweden fälschte Luca Caldirola ab, der Ball senkte sich unhaltbar über Wolf hinweg ins Netz – 2:0 (39.). Da war sie plötzlich wieder, die mangelhafte Defensivarbeit, mit der Werder schon gegen Hannover und davor in Frankfurt (2:5) unangenehm aufgefallen war.

Doch die Bremer kamen zurück. Sie haben ja noch Freistoß-Künstler Junuzovic. Kurz nach der Pause legte sich der Österreicher halbrechts und 20 Meter vor dem Tor den Ball zurecht und hob ihn über die Mauer in den rechten Winkel (51.). Nach Paderborn und Hannover war’s schon sein dritter herrlicher Freistoß-Treffer in den vergangenen vier Partien! Kaum war der Anschluss da, war er aber auch schon wieder weg: Fritz ließ Kruse erneut gewähren, nach dessen Flanke setzte sich Christoph Kramer per Kopf energisch gegen Garcia durch – 3:1 (63.). Und nur drei Minuten später sah der gerade erst verwarnte Caldirola wegen eines groben Fouls auch noch Gelb-Rot (66.). Damit war die Partie entschieden. Branimir Hrgota packte nach einem Konter sogar noch das 4:1 drauf (89.).

Gladbach schießt Werder ans Tabellenende

Borussia Mönchengladbach gewann gegen das neue Schlusslicht Werder Bremen 4:1 (2:0).
Borussia Mönchengladbach gewann gegen das neue Schlusslicht Werder Bremen 4:1 (2:0). © nordphoto
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