Der 20-Jährige spricht über das Wiedersehen mit Hannover 96, Viktor Skripnik und seine Zukunft

Aycicek: „Ich will bei Werder bleiben“

+
Levent Aycicek ist heiß auf Ex-Club Hannover 96.

Bremen - Seine Freunde sind heute (15.30 Uhr) im Stadion – und im Zwiespalt. Einerseits sind sie Fans von Werders Gegner Hannover 96, andererseits gute Kumpel von Levent Aycicek. Für den Bremer Spielmacher ist das kleine Nordderby aber nicht nur wegen der seltenen Gäste eine spezielle Partie. Immerhin geht es gegen den Ex-Club. Wie sehr er sich freut, wie besonders das Verhältnis zu Trainer Viktor Skripnik ist und wie seine Zukunft aussehen soll, verrät der 20-Jährige hier. Aycicek über...

...die „96"-Vergangenheit
Von 2005 bis 2008 spielte Aycicek bei Hannover 96 in der Jugend. „Es ist schon etwas Besonderes, gegen den Ex-Club anzutreten“, sagt er. Auch, weil die Familie und einige Freunde heute im Weserstadion sitzen. „In meiner Familie sind inzwischen alle für Werder. Da sind die Sympathien klar verteilt“, meint Aycicek. Seine Kumpel dagegen „sind alle Hannover-Fans. Das macht die Sache spannend.“ Zu einigen seiner damaligen Mitspieler hat er noch Kontakt. Einer davon hat es ebenfalls in den Profifußball geschafft: Andrej Startsev ist bei Zweitligist FC St. Pauli unter Vertrag.

...den Werder-Wechsel
2008 bekam er die Anfrage von Werder – und war gleich begeistert vom Club: „Ich habe mir hier das Internat und alles andere angeschaut. Das war alles super, da habe ich mich direkt für Werder entschieden. Seitdem ich hier bin, fühle ich mich absolut als Bremer.“ Der Auszug zu Hause, die Eingewöhnung im Werder-Internat – all das verlief reibungslos: „Meine Eltern haben mich am Anfang oft besucht. Das hat es mir leicht gemacht.“

...die Fußball-Familie
Ayciceks Papa Kadir begleitete die ersten fußballerischen Schritte seines Sohns beim Heimatverein RSV Rehburg. „Mein Vater hat meinen Bruder Deniz (vier Jahre älter, Anm. d. Red.) trainiert. Als ich sechs oder sieben Jahre alt war, hat er mich in diese Mannschaft geholt und ein paar Mal eingewechselt. Da habe ich schon gegen Ältere gespielt“, erinnert sich Aycicek. 2002 wechselte Deniz zu Hannover 96, 2005 folgte Levent. Deniz blieb länger (bis 2013), inzwischen spielt er bei Drittligist MSV Duisburg. „Wir haben einen sehr guten Draht. Er hat sich riesig über meine beiden Spiele in der Startelf gefreut“, sagt Aycicek. Ein bis zwei Mal pro Monat fährt er die 90 Kilometer in die Heimat nach Rehburg: „Das brauche ich zwischendurch, weil ich ein Familienmensch bin.“ Und wenn es die Zeit erlaubt, schaut Aycicek auch mal beim RSV (Bezirksliga Hannover) vorbei: „Viele meiner Kumpel von damals spielen dort in der Ersten.“ Auch Nico, einer seiner besten Freunde, der heute ins Stadion kommt.

...die Verletzungen
Die Zeit bei Werder war geprägt durch lange Ausfälle. Im September 2011 erlitt Aycicek in der U19 einen Kreuzbandriss. Als er sich wieder herangearbeitet hatte, folgte ein Meniskusschaden. Wieder Pause – insgesamt 16 Monate. Zweifel an einer Zukunft als Profi hatte er trotzdem nie: „Es war eine schwere Zeit – aber ich wusste, dass ich irgendwann wieder spielen kann. Meine Familie und Werder haben mich toll unterstützt. Und ich hatte meine dreijährige Ausbildung (zum Sport- und Fitnesskaufmann), die mich gut abgelenkt hat. Da habe ich ganz Werder kennengelernt.“

...Viktor Skripnik
Aycicek und der Bremer Chefcoach kennen sich seit vier Jahren. Der Ukrainer trainierte ihn in der U17, später in der U23. Und er war während der Verletzungspausen ein wichtiger Aufbauhelfer. „Ich habe mich oft mit ihm unterhalten, war auch mal bei ihm im Büro. Das war im Nachwuchsleistungszentrum eine Etage unter uns. Seine Tür war immer offen. Er hat mir Mut gemacht und gesagt: ,Du hast Qualitäten.‘ Das tat richtig gut“, erinnert sich Aycicek. Inzwischen hat sich das Miteinander ein bisschen verändert. „Er geht jetzt etwas härter mit mir um, weil wir eben bei den Profis und nicht mehr in der Jugend sind. Klar meckert er mich auf dem Platz auch mal an, das gehört dazu – nicht nur Lob, sondern auch Kritik“, weiß Aycicek: „Wir haben aber immer noch ein super Verhältnis.“ Skripnik vertraut ihm mehr als Trainer-Vorgänger Robin Dutt.

...die hohen Erwartungen
Viele Fans feiern ihn seit dem überzeugenden Auftritt inklusive Tor beim 4:0 gegen Paderborn schon als neuen Werder-Spielmacher – doch Aycicek bremst: „Paderborn war gut- Aber ich weiß, dass nicht jedes Spiel so sein kann. Für mich geht es jetzt erst mal darum, mich an die Bundesliga zu gewöhnen. Das dauert – das hat man in Frankfurt gesehen, als es nicht so gut lief.“

...die Ziele
Zuerst denkt Aycicek an die Mannschaft. „Wir haben uns vorgenommen, am Ende der Hinrunde nicht auf einem Abstiegsplatz zu stehen, damit wir mit einem guten Gefühl in die Winterpause gehen können.“ Für ihn persönlich sei es am wichtigsten, „dass ich verletzungsfrei bleibe. Ich will mich weiter integrieren und mir einen Stammplatz erkämpfen.“

...die Zukunft
Der Vertrag läuft 2015 aus – eigentlich. Denn er beinhaltet eine Option, wonach er sich bei einer bestimmten Anzahl von Spielen automatisch verlängert. Wann die Klausel greift, verraten weder Sportchef Thomas Eichin noch Aycicek. Vermutlich aber bald, wenn er weiter regelmäßig spielt. Und das will er in Bremen tun: „Ich bin hier aufgewachsen und fühle mich sehr wohl. Ich will bei Werder bleiben, ganz klar.“

mr

Mehr zum Thema:

Honey als Känguru, Kakerlakenregen und viele Tränen: Tag elf im Dschungelcamp

Honey als Känguru, Kakerlakenregen und viele Tränen: Tag elf im Dschungelcamp

Drei Hundewelpen aus verschüttetem Berghotel geborgen

Drei Hundewelpen aus verschüttetem Berghotel geborgen

Die Staatskarossen der US-Präsidenten

Die Staatskarossen der US-Präsidenten

Wie werde ich Fitnesskaufmann/-frau?

Wie werde ich Fitnesskaufmann/-frau?

Meistgelesene Artikel

BVB mit Personalproblemen gegen Werder

BVB mit Personalproblemen gegen Werder

Bundesliga Rückrunde: Das vierte Gif-Quiz zu Werder gegen Dortmund

Bundesliga Rückrunde: Das vierte Gif-Quiz zu Werder gegen Dortmund

Werder verliert gegen Dortmund: Viel Moral, null Ertrag

Werder verliert gegen Dortmund: Viel Moral, null Ertrag

Borussia Dortmund im Schnellcheck

Borussia Dortmund im Schnellcheck

Kommentare