Augsburgs Tobias Werner trifft gegen Werder besonders häufig / „Habe Weinzierl viel zu verdanken“

Das Schreckgespenst aus der Puppenkiste

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Der Mann, der Werder ständig ärgert: Augsburgs Tobias Werner.

Augsburg/Bremen - Von Manfred Bock. Welchen Stellenwert Tobias Werner beim FC Augsburg besitzt, das ist schon in den Trainingseinheiten zu besichtigen. Gibt es einen Akteur, der mit mehr Tempo zum Tor unterwegs ist? Gibt es einen Spieler, der mehr Gas gibt? Sein Credo: „Wichtig ist es, immer gierig zu bleiben.“ Der Familienvater mit der Glatze ist längst nicht nur Schlüsselspieler, sondern auch Sympathieträger bei den bayrischen Schwaben, die mit 34 Punkten und als Tabellenvierter so gut dastehen wie nie. Und einer wie Werner formuliert die Ansprüche mittlerweile auch recht selbstbewusst. „Schlecht spielen und irgendwie einen Punkt holen: Das ist nicht mehr unsere Maxime.“

Der erstaunliche Augsburger Höhenflug nahm in der Hinserie mit dem 4:2 gegen den SV Werder seinen Anfang – nun steht morgen das erneute Aufeinandertreffen an. Werner wird im Weserstadion sein 101. Bundesligaspiel bestreiten – bisher hat er dabei 21 Tore erzielt (fünf in dieser Saison). Was auffällt: Der Irrwisch vom linken Flügel ist das personifizierte Schreckgespenst für die Grün-Weißen. Gegen keinen Verein traf der 29-Jährige öfter – nämlich viermal. Ist Werder also Werners Lieblingsgegner? „Das kann man so pauschal nicht sagen“, meint der Augsburger, „aber ich verbinde mit Bremen einige schöne Erinnerungen“. Wen wundert’s? Schließlich waren drei der vier Treffer Kopfballtore – „und das ist für mich ja auch nicht selbstverständlich“, lacht er und gibt zu, dass ihn seine Erfolgsquote gegen Bremen für morgen zusätzlich selbstbewusst macht: „Aber ansonsten sehe ich keinen Grund, wieso es gegen Werder oft gut klappt.“

Die Tore gegen die Grün-Weißen sind ein Grund, weshalb der aus Gera stammende Profi beim FCA längst nicht mehr skeptisch betrachtet wird. „Ich spüre natürlich jetzt die Sympathien, und sie machen mich auch ein Stück weit stolz – aber ich habe anfangs ja auch den einen oder anderen zur Verzweiflung gebracht, wenn ich wieder daneben geschossen hatte.“

Der Spieler mit der Rückennummer 13 ist ein authentischer Zeitzeuge der Augsburger Entwicklung, weil er seit 2008 für den FCA spielt. Dabei kommen nicht nur Erlebnisse wie der Aufstieg 2011 oder der Abstiegskampf vor zwei Jahren zur Sprache. „Ich glaube, dass es wenige andere Mannschaften gibt, die so viel Zeit miteinander verbringen – sei es in der Kabine, beim Mittagessen oder privat. Dazu haben viele bei uns wie ich schon kleine Kinder, und dann verabreden sich die Familien zum Frühstück oder Spaziergang miteinander.“

Auch mit ehemaligen Mitspielern ist die Bande eng. Unvergessen, wie Werner, dessen Töchter Emiliy und Carla sein ganzer Stolz sind, vor dem Heimspiel gegen den SC Paderborn den früher in Augsburg spielenden Torwart Lukas Kruse nach Hause einlud. „Frau und Tochter waren schon ab Mittwoch vor dem Spiel bei uns, der Lukas kam dann für eine Nacht nach dem Spiel dazu. Mit ihm verbindet mich eine außergewöhnliche Freundschaft.“

Auf dem Platz ist der bodenständige Werner – er fährt Golf und nicht Porsche – ein unbequemer Gegenspieler, weil extrem lauf- und kampfstark. Und er vergisst nicht, seinen Trainer zu preisen. „Markus Weinzierl hat uns besser gemacht, er hat mich besser gemacht. Meine große Stärke ist nun einmal die Umschaltbewegung und mittlerweile die Torgefährlichkeit – da habe ich ihm viel zu verdanken.“ Und: „Wenn sich hier einer ausruht, wird er zuerst von den Mitspielern zusammengeschissen, danach greift spätestens der Trainer ein. Es ist ein Denk- und Erziehungsprozess, in jedem Training alles rauszuhauen.“ Wer den Musterprofi spricht, spürt schnell: Er hat alles, was eine Identifikationsfigur ausmacht. Sein Vertrag läuft noch bis 2017 – und obwohl er sagt, man darf nicht ausschließen, dass er Augsburg noch einmal verlasse, soll die Heimat der Puppenkiste auch nach der Karriere sein Lebensmittelpunkt bleiben.

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