Werder ärgert den Rekordmeister - und sich selbst

Auf Tuchfühlung mit den Bayern und der Abstiegszone

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Alexander Nouri holt sich einen Händedruck von Carlo Ancelotti.

Bremen - Von Björn Knips. Mit einer couragierten Leistung hat der SV Werder Meister Bayern München geärgert. Punkte gab es dafür aber nicht. Trotz allem Optimismus steigt der Druck im Abstiegskampf.

Carlo Ancelotti war alles andere als gut gelaunt. Trotz des 2:1-Sieges seiner Bayern in Bremen. Und so wollte der Coach nach der Pressekonferenz im Weserstadion einfach nur weg. Doch Alexander Nouri hatte etwas dagegen. Der Werder-Coach eilte dem prominenten Kollegen hinterher, klopfte ihm auf die Schulter und bekam noch den anvisierten Händedruck inklusive eines gequälten Lächelns. Werder war dem Spitzenreiter offenbar etwas zu sehr auf die Pelle gerückt. Das Problem aus Bremer Sicht: Dafür gibt es keine Punkte – und dadurch noch engeren Kontakt zur Abstiegszone.

„Für die gute zweite Halbzeit können wir uns nichts kaufen“, maulte ausgerechnet Max Kruse nach der Partie. Dabei hatte er erstmals gegen die Bayern getroffen – im elften Duell. Und sein Anschlusstreffer zum 1:2 (53.) stand den beiden sehenswerten Münchner Toren von Arjen Robben (30.) und David Alaba (45.+1) in nichts nach. Doch Kruse wollte sich nicht freuen. Seinen Teamkollegen ging es ähnlich. Sie gönnten sich zwar wie Serge Gnabry ein „Ich bin stolz auf den Charakter der Mannschaft“, doch der 21-Jährige monierte zugleich: „Wir müssen uns einfach mehr trauen zu spielen.“ Auch Thomas Delaney wünschte sich, dass sein Team nicht immer erst in der zweiten Hälfte mutiger werde. So war es gegen Dortmund – und nun auch gegen die Bayern, die zum 13. mal in Folge gegen Bremen gewannen - Bundesliga-Rekord!

Ist Werder zu vorsichtig? Nouri sagt Nein

Ist Werder zu vorsichtig? Nouri findet das nicht. „Man muss auch schauen, welche Qualität auf der anderen Seite steht“, merkte der Coach mit Blick auf das Münchner Star-Ensemble an. Und im Prinzip gab ihm dabei auch der mutige Delaney Recht: „Mannschaften wie Dortmund und Bayern treten dir für jeden Fehler in den Hintern.“ Also geht es zwangsläufig erstmal um Fehlerminimierung. Bei Werder sowieso. Und da ist das Team auf einem guten Weg. Gegen Dortmund wurden schon wenige Chancen zugelassen, gegen die Bayern sogar noch weniger. Das ist gegen eine der besten Mannschaften der Welt absolut bemerkenswert. „Wir stehen inzwischen kompakter“, urteilte Zlatko Junuzovic sichtlich zufrieden.

Gegen die Bayern setzte Nouri dabei auf eine Fünferkette – mit zwei eher defensiven Außen (Robert Bauer und Santiago Garcia), um die schnelle Münchner Flügelzange Robben und Franck Ribery zu stoppen. Ganz auszuschalten war das Duo nicht. Aber Werder schwamm auch nicht – und sich in Halbzeit zwei sogar frei. Plötzlich funktionierte auch der Vorwärtsgang, weil sich nicht mehr nur noch der richtig starke Kruse auf Augenhöhe mit den Bayern befand. Werder entdeckte auch die nötigen Räume. Die Ancelotti allerdings durch den Wechsel des defensiven Renato Sanches für den offensiven Thomas Müller bald wieder schloss. Der 57-Jährige Star-Coach hatte den taktischen Angriff des 20 Jahren jüngeren Kollegen geschickt abgewehrt. Wenn auch etwas untypisch für die Bayern – mit einer Vorsichtsmaßnahme.

Alexander Nouri (r.) mit Frank Ribery.

Nouri hätte das durchaus als indirektes Lob für seine Arbeit bewerten dürfen. Tat er aber nicht. „Das haben wir als Mannschaft gemacht“, demonstrierte er lieber Teamgeist. Der ist nun auch extrem wichtig. „Unsere Tabellensituation ist nicht rosig“, merkte Junuzovic ganz richtig an. Der Vorsprung auf den Relegationsplatz beträgt nur noch einen Punkt.

Das erhöht den Druck vor dem Gastspiel am Sonntag in Augsburg. Immerhin: Werder fährt dort nicht als verprügelter, sondern als stolzer Verlierer hin. Das kann durchaus hilfreich sein, wenn Kruse und Co. den Worten Taten folgen lassen: „Es gibt keine einfachen Gegner, wir müssen an diese Leistung anknüpfen.“

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