Werder kassiert vierte Pleite in Folge: 0:1 bei 96 / Profis haben trainingsfrei

Auch besser noch zu schlecht

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EIN SCHMERZHAFTER Nachmittag für Werder: In dieser Szene bekommt Fin Bartels die ganze Härte des Ex-Bremers Christian Schulz zu spüren, am Ende tat dann vor allem die vierte Niederlage in Folge weh.

Aus Hannover berichtet Carsten Sander. Wieder nichts! Auch gegen Hannover 96, bis dato Letzter der Fußball-Bundesliga, hat sich die Niederlagenserie von Werder Bremen fortgesetzt.

Das Team von Viktor Skripnik verlor durch einen Kopfballtreffer des hünenhaften Salif Sane (55.) mit 0:1 bei den Niedersachsen, die den ersten Sieg der Saison feierten und sich auf den Relegationsplatz vorschoben. Werder hat nur noch zwei Punkte Vorsprung auf den 16. Rang – nach vier Pleiten am Stück hat der Abstiegskampf begonnen. „Mit sieben Punkten in acht Spielen muss man dieses Thema annehmen“, meinte Kapitän Clemens Fritz.

Der Nachmittag in Hannover förderte Seltsames zu Tage – vor allem nach dem Spiel. Die Werder-Verantwortlichen hatten eine Schönredestunde vereinbart und rückten das 0:1 bei hochverunsicherten Hannoveranern in ein überraschend gutes Licht. Er sei „diesmal nicht sauer“, sagte Geschäftsführer Thomas Eichin. Denn er hatte „eine gute Moral und eine gute Spielanlage“ bei seinem Team gesehen: „Wir waren dominant.“ Und Trainer Viktor Skripnik sagte sogar, dass ihm diese Niederlage weniger weh tue als die eine Woche zuvor gegen Bayer Leverkusen: „Gegen Leverkusen waren wir chancenlos, diesmal nicht. Wir haben fast alles richtig gemacht, nur die Tore haben wir vergessen. Insgesamt hat meine Mannschaft eine Riesenreaktion gezeigt. Es war ein sehr gutes Spiel von uns. Niemand kann uns heute einen Vorwurf machen.“

Es waren Meinungen, die längst nicht jeder, der das Spiel gesehen hatte, teilen musste. Eichin und Skripnik schossen bei ihrem Versuch, nicht noch mehr Unruhe ins Team hineinzutragen mit ihrer taktischen Schönfärberei aber ein bisschen über das Ziel hinaus. Richtig war: Werder war das bessere Team. Allerdings das bessere von zwei ziemlich schlechten. Richtig war auch: Werder hatte die Mehrzahl an Chancen. Jedoch entwickelte die Mannschaft erst nach dem Rückstand wirklich Druck. In Halbzeit eins war ein Kopfball von Anthony Ujah an die Latte die einzige gefährliche Werder-Aktion gewesen (42.). Der stand eine Chance des Ex-Bremers Leon Andreasen gegenüber – Bremens Keeper Felix Wiedwald parierte prächtig (35.).

Ansonsten trug sich vor 49000 Zuschauern in der HDI-Arena Fußball zu, der sich am Rande des Erträglichen bewegte. Den Platzherren fehlte es wie erwartet am fußballerischen Rüstzeug, die Bremer in Verlegenheit zu bringen. Und Werder war ebenfalls nicht in der Lage, Hannover zu knacken. „Uns hat“, bemängelte Clemens Fritz, „die letzte Überzeugung gefehlt.“ Oder anders gesagt: Auch verbessert waren die Bremer nicht gut genug für einen Sieg.

Ein Elfmeter hätte sicherlich helfen können. Schiedsrichter Peter Sippel (München) wollte offenbar auch einen für Werder pfeifen, als Andreasen einen Schuss von Fin Bartels mit dem Arm abgeblockt hatte. Aber nach Rücksprache mit seinem Assistenten nahm Sippel seine Entscheidung zurück. Konfusion, Rudelbildung – am Ende blieb ein Schiedsrichterball und entgeisterte Bremer Gesichter. „Ich habe nicht verstanden, was der Schiedsrichter da gemacht hat“, wunderte sich Jannik Vestergaard über Sippel, der insgesamt nicht seinen besten Tag erwischt hatte.

Ujah abgemeldet, Junuzovic wirkungslos

An der Niederlage trugen aber die Bremer allein die Schuld – und der Weg der Ursachenforschung führt diesmal zu Vestergaard. Sonst ein Inbegriff der Stabilität patzte der 1,99 Meter große Däne nach einem Eckball gegen den nur drei Zentimeter kleineren Sane, als er ihn nicht am Kopfball hindern konnte. Es war der Schock zehn Minuten nach der Pause.

Die Antwort der Bremer? Nichts! Erst ab der 70. Minute – mittlerweile waren Claudio Pizarro und Maximilian Eggestein ins Spiel gekommen – wurde Werder munter. Und gefährlich. Der Schwung bringende Eggestein scheiterte mit einem Kopfball am starken Ron-Robert Zieler im 96-Tor (74.) – und auch bei weiteren Abschlüssen von Zlatko Junuzovic, Theodor Gebre Selassie und Fin Bartels war Zieler auf dem Posten.

Folge: Werder blieb erneut ohne Tor – bereits zum dritten Mal in den vergangenen vier Partien. Nur ein Treffer gelang in dieser Zeit – es ist die Ausbeute eines Abstiegskandidaten. Thomas Eichin zur Brisanz der Lage: „Wir sind jetzt wieder in der Matsche, in der wir nicht sein wollten. Aber wir alle kennen das schon. Wir spielen jetzt nicht verrückt.“ Auch nicht, wenn nach der nun anstehenden Länderspielpause im nächsten Ligaspiel gegen Meister Bayern München (17. Oktober, Weserstadion) die fünfte Niederlage in Serie folgt? „Auch dann nicht“, meinte der Sportchef und blockte Fragen nach Trainer Viktor Skripnik direkt energisch ab: „Wir diskutieren jetzt garantiert nicht über den Trainer, sondern mit ihm über die Situation.“

Die Spieler werden dabei erst einmal außen vor gelassen. Skripnik gab ihnen für den Tag nach dem Spiel frei, das übliche Auslaufen fällt aus.

Ein Treffer reicht 96 zum Sieg

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