Werders Neuzugang Johannsson

Fußball-Nerd mit Herz

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Werder-Neuzugang Aron Johannsson

Bremen – Von Michael Baltes. In Aron Johannsson hat Werder Bremen einen Nachfolger für Franco Di Santo gefunden. Doch wer ist der 24-Jährige? Selber beschreibt er sich als Fußball-Nerd, seinen ehemaligen Sportdirektor erinnert er an Ruud van Nistelrooy. In den Medien wurde der Stürmer allerdings auch schon als großspurig dargestellt – Fans beschimpften ihn als Verräter. Eine Spurensuche.

Mit Franco Di Santo hat Werder einen Spaßvogel verloren, mit Aron Johannsson dafür offensichtlich einen neuen dazugewonnen. Ob lockere Tanzeinlage im Training oder ein nicht ganz so ernst gemeintes Interview mit Journalisten - der 24-Jährige, der verblüffende Ähnlichkeit mit Hollywood-Schauspieler Kevin Bacon (in jungen Jahren) aufweist, scheint ein frohsinniger Mensch zu sein. Allerdings hat er damit auch schon negative Erfahrungen gesammelt, gerade in der Zusammenarbeit mit der Presse: „Du darfst nicht zu viel Spaß machen“, sagte der in den USA geborene Stürmer im vergangen Jahr dem Fußball-Magazin „Howler“.

Seine Erkenntnis beruht auf einem Ereignis aus dem Dezember 2012. In einem Spiel der dänischen Superligaen – damals spielte Johannsson noch bei Aarhus GF – gelang ihm ein sehenswerter Treffer. Aus rund 30 Metern jagte er den Ball in bester Roberto-Carlos-Manier in den rechten Winkel. Im Anschluss an die Partie sagte er gegenüber Journalisten, dass der Treffer kein Glücksschuss gewesen sei. Vielmehr seien solche Distanzschüsse in den Knick Bestandteil des täglichen Trainings.

Einen Tag später wurde getitelt: “Aron: Ich mache den jeden Tag so. Nichts Besonderes“ - eine Schlagzeile, über die Johannsson alles andere als erfreut war, sie ließ den Stürmer großspurig und arrogant wirken. Denn was verschwiegen wurde: „Als ich das gesagt habe, habe ich in die Kamera gelacht – das war nur ein Witz“, so Johannsson gegenüber dem „Howler“. Wortkarg oder gar miesepetrig tritt er der Presse seitdem aber nicht gegenüber. Wer sich Interviews mit dem 1,84 Meter großen Torjäger anschaut, sieht meist einen gut gelaunten, sympathischen jungen Mann, der bereitwillig auf alle Fragen antwortet. So auch, als am Dienstag bekannt wurde, dass er von AZ Alkmaar nach Bremen wechselt. „Ich kann es überhaupt nicht abwarten, loszulegen“, sagte der 24-Jährige einem niederländischen TV-Sender. Er betonte aber auch, dass er seine Freunde bei AZ vermissen und sicherlich mal zu den Spielen seines Ex-Clubs kommen werde.

Aussagen, die ins Bild passen: Johannsson scheint alles andere als ein arroganter, großspuriger Einzelgänger zu sein. Seine Familie spielt dabei noch mal eine übergeordnete Rolle. Besonders zu seinem Vater Johann hat er ein enges Verhältnis. Beide verbindet die Liebe zum Fußball. Selbst beschreibt sich Aron als „Fußball-Nerd“. Wenn Aron nicht gerade selbst auf dem Platz steht, schauen beide oft zusammen Spiele – wenn es denn irgendwie möglich ist. Auch sonst macht Johannsson einen bodenständigen Eindruck. Es war ein harter und weiter Weg für ihn bis zum Profi-Fußballer und mit der Bundesliga nun in eine der besten Ligen der Welt.

Als Sohn zweier isländischer Studenten wurde er 1990 in Mobile, Alabama in den USA geboren. Drei Jahre später zog es die junge Familie zurück in die Heimat der Eltern – nach Reykjavik auf Island. Dort wuchs Aron auf, kehrte im Alter von 15 aber zurück in die USA – wenn auch nur kurzzeitig. Seine Mutter, die inzwischen als Flugbegleiterin arbeitete, hatte ihn auf einem Trip nach Florida mitgenommen. Dort sollte Aron in der Elite-Sportakademie IMG in Bradenton für eine Woche mittrainieren.

Stewart über Johannsson: „Im Strafraum ist er tödlich“

Schnell wurde sein Talent am Ball erkannt, die Trainer hätten Johannsson am liebsten direkt dort behalten. Doch Arons Eltern hatten einen anderen Plan für ihren Sohn. Er sollte zunächst die Schule auf Island beenden. Erst im Anschluss daran durfte er sich der IGM anschließen. Aber auch das war nicht von langer Dauer. Als Island im Jahr 2008 von der Finanzkrise getroffen wurde, kehrte der Stürmer zurück zu seinen Eltern. Auf Island spielte er zunächst bei Fjölnir Reykjavik, bevor er 2010 zu Aarhus GF in die zweite dänische Liga wechselte.

Er stieg mit Aarhus auf und machte sich nach leichten Anlaufschwierigkeiten schnell einen Namen in der Superligaen. So gelang Johannsson in drei Minuten und 50 Sekunden der schnellste Hattrick der Ligageschichte. 2013 dann der nächste Schritt in seiner Karriere: AZ Alkmaar aus den Niederlanden nahm den Stürmer unter Vertrag. AZ-Sportdirektor Earnie Stewart wurde einst gefragt, an wen ihn Johannsson erinnern würde - Stewart nannte keinen geringeren als Ruud van Nistelrooy: „Im Strafraum ist er tödlich.“

Durch seine Leistungen wurde Johannsson auch zum Thema für die isländische und die amerikanische Nationalmannschaft. Seine Wahl traf auf die USA, obwohl er zuvor schon für U-Mannschaften Islands aufgelaufen war. Eine Entscheidung, die auf der Insel für Empörung sorgte. Nicht wenige Fans beschimpften den Stürmer als Verräter. Für die USA debütierte Johannsson 2013 gegen Bosnien. Sein erstes Tor für das US-Team erzielte er im Oktober des selben Jahres beim letzten WM-Qualifikationsspiel in Panama-City gegen Panama – es war der 3:2-Siegtreffer für die US-Boys. Und das in der Nachspielzeit.

Doch anstatt ausgelassen zu jubeln, beließ es Johannsson bei einem einfachen Abklatschen mit seinen Teamkollegen. „Ich wollte mein Trikot vom Leib reißen, jubeln und schreien – doch es ging nicht“, erzählte der Stürmer dem „Howler“-Magazin. Der Grund: Während die USA zu diesem Zeitpunkt schon längst für die WM in Brasilien qualifiziert waren, ging es für Panama um die letzte Chance auf ein WM-Ticket. Das Tor von Johannsson hatte den Traum endgültig zerstört. „Es ist schwer zu beschreiben, aber ich konnte nicht jubeln wegen all der Leute, der Gegenspieler, die im Stadion weinten.“

Das ist Aron Johannsson

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