Werder wieder auf dem Relegationsplatz / Garantie für Skripnik

Mit der Angst in die Pause

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Ein Bild sagt alles über den Bremer Gemütszustand nach einer wieder einmal enttäuschenden Hinrunde.

Bremen - Von Carsten Sander. Als das von Viktor Skripnik zum „Mini-Finale“ erhobene Spiel verloren war, war es plötzlich kein Mini-Finale mehr, sondern eine ganz gewöhnliche Partie. Oder genauer: eine ganz normale Niederlage.

Werder Bremen hatte sie kassiert, war Eintracht Frankfurt mit 1:2 (1:1) unterlegen. Und obwohl das für den SV Werder ziemlich unangenehme Folgen hatte, reduzierte Skripnik die Bedeutung der Partie von sehr groß auf normal groß. „Wir haben ein wichtiges Spiel verloren“, sagte der Ukrainer, „aber kein entscheidendes. Die entscheidenden kommen in der Rückrunde.“ Wie es aussieht, wird jedes einzelne dann ein „Mini-Finale“ sein. Denn Werder hängt zur Saison-Halbzeit mal wieder im Tabellenkeller fest.

Rang 16 lautet die Zwischenbilanz – Relegationsplatz. Wie im vergangenen Jahr. Aber alles noch eine Nuance schlimmer. Statt der 17 Punkte 2014/15 hat Werder aktuell nur 15 Zähler auf dem Konto. Weniger hat es in der Bundesliga-Geschichte des Clubs noch nie gegeben. 1974/75 und 1972/73 waren es ebenfalls 15 gewesen – bei einem Torverhältnis von minus 19 (1974) und minus 7 (1972) – jetzt sind es minus 17. Ganz dicht dran also am historischen Tiefstwert. Ganz dicht dran auch am Abstieg? Coach Skripnik sagt es so: „Mit nochmal 15 Punkten rettest du dich nicht.“

Der 46-Jährige war nach dem misslungenen Jahresabschluss jedoch sehr bemüht, die Angst nicht zu hoch kochen zu lassen. „Die Situation ist nicht neu“, beschwichtigte er mit Blick auf die Vorsaison und auf die davor: „Wir müssen jetzt kühl und sachlich bleiben und uns auf die Rückrunde vorbereiten. Dann müssen wir sofort liefern.“

Leicht gesagt: Werder startet am 24. Januar bei Schalke 04 in die zweite Saisonhälfte, danach folgt das Heimspiel gegen den Überraschungsdritten Hertha BSC. „Zwei Kracher“, so Skripnik.

Der Ukrainer hat – der miserablen Punkteausbeute zum Trotz – eine Garantie, das Team auf die Rückrunde vorbereiten zu dürfen. Die beinahe historisch schlechte Hinrunde „bedeutet gar nichts für den Trainer“, erklärte Geschäftsführer Thomas Eichin in Frankfurt: „Es geht mit ihm weiter. Zwischen Trainer und Mannschaft ist alles in Ordnung. So lange das so ist, wird sich für Viktor nichts ändern.“

Die Noten: Werders Pleite gegen Frankfurt

Eichin attestierte dem Coach sogar, die Mannschaft fußballerisch weiterentwickelt zu haben. „Auch wenn man das punktemäßig nicht sieht, sind wir doch einen Schritt weiter als vor einem Jahr. Wir sind stabiler“, erklärte der 49-Jährige. Was sich den Beobachtern in Frankfurt jedoch nicht offenbarte. Nach gutem Beginn hielt die Führung durch Claudio Pizarro (29.) nur zwei Minuten. Alexander Meier (31.) glich aus, unmittelbar nach der Pause erzielte Stefan Aigner nach einem gravierenden Fehler von Florian Grillitsch das Siegtor (48.). Stabilität? Wo denn?

Vielleicht findet Werder sie auf dem Transfermarkt. Es müsste allerdings ein Super-Schnäppchen sein, das Eichin da aufzuspüren hat. Sein finanzieller Spielraum sei arg begrenzt, wiederholte der Sportchef. Seit gestern wird zwischen Geschäftsführung und Trainerteam darüber beraten, welche jungen Spieler eventuell verliehen werden können, wer möglicherweise – bei Interesse – ganz abgeben wird. Ergebnisse sind zu erwarten, aber, so Eichin: „Es werden sicherlich nicht die Millionen frei, die es uns ermöglichen würden, einen Wintertransfer zu tätigen, der sich absolut lohnt und uns zu hundert Prozent weiterhilft.“ Also geht Optimismus in Bremen mittlerweile so: „Wir müssen uns sammeln, müssen an diese Mannschaft glauben und hoffen, dass die Verletzten wieder zurückkommen“, so Eichin. Demnach werden die „Neuzugänge“ im Januar Junuzovic, Johannsson und vielleicht Yildirim heißen.

Dass Skripnik damit zufrieden sein wird, ist nicht anzunehmen. Der Coach hatte vor Wochen schon über seine Hoffnung auf Verstärkungen gesprochen. Doch weil es dafür einen Rüffel gab, hat er mittlerweile in den Zurückhaltungsmodus geschaltet. „Wir haben die Spieler, die wir haben. Und mit denen werden wir in der Vorbereitung hart und akribisch arbeiten. Ich hoffe, dass die jungen Spieler noch aktiver, noch effektiver und noch präziser werden in ihrem Spiel“, sagte er und versuchte sich dezent als Mutmacher für alle: „Ich schaue nicht beruhigt nach vorne, aber mit Hoffnung.“

Werder verliert in Frankfurt

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