Anekdoten aus Ailtons Karriere

Per Taxi auf die Insel, „Freibad-Toni“ und ein filmreifer Fluchtversuch

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Ailton feiert die Meisterschaft mit Werder

Bremen – Von Michael Baltes. Ailton hat während seiner Laufbahn im Profifußball nicht nur auf dem Platz für Furore gesorgt. Der Brasilianer mit dem bürgerlichem Namen Ailton Gonçalves da Silva war auch abseits des Rasens immer für eine Schlagzeile gut – eine kleine Sammlung seiner bekanntesten Fehltritte und Eskapaden.

Mit dem Taxi von Bremen nach Norderney
Ailton und Pünktlichkeit, das passte nie wirklich gut zusammen. Besonders dann nicht, wenn der exzentrische Brasilianer aus seinem Heimaturlaub zurückkehren sollte. Immer wieder verlängerte der Stürmer eigenmächtig seine freien Tage und sorgte damit für Unmut bei seinen Clubs. So auch geschehen in Bremen vor der Saison 2002/2003: Geschlossen fuhr Werder ins Trainingslager nach Norderney. Nur einer fehlte. Ailton hatte die Abfahrt des Mannschaftsbusses gleich um mehrere Tage verpasst. Statt mit dem eigenen Auto oder dem Zug nachzureisen, ließ sich der Kugelblitz per Taxi von Bremen auf die ostfriesische Insel bringen. Jüngst wurde der mittlerweile 41-Jährige danach gefragt, was der Spaß damals denn gekostet habe. Seine wohl nicht ganz ernst gemeinte Antwort: „Keine Ahnung, ich habe noch nicht bezahlt“. Zahlen musste er dafür aber kräftig in die Mannschaftskasse. Mit den Strafgeldern des Brasilianers wurde „die ein oder andere Party geschmissen“, so Werders ehemaliger Trainer Thomas Schaaf. Um passende Ausreden für seine eigenmächtig verlängerten Urlaube war Ailton dabei nie verlegen. Einmal erklärte er nach einer verspäteten Rückkehr: "Was ist eine Minute, was ist ein Tag? Die Leute kennen Ailton, Toni kommt immer zu spät. Außerdem war ich krank, hatte Fieber. Nix Pferde, Beach oder Party in Brasilien."

Ailtons beste Sprüche

„Freibad-Toni“
Einen seiner bekanntesten Fehltritte leistete sich Ailton in der Saison 2004/2005 im Trikot von Schalke 04. In der Schlussphase der Partie gegen Leverkusen schickte S04-Trainer Ralf Rangnick den Stürmer gemeinsam mit anderen Ersatzspielern zum Warmmachen. Das Aufwärmen interpretierte Ailton aber auf seine ganz eigene Weise. Der Kugelblitz lümmelte sich wie ein Badeurlauber auf dem Rasen der Schalker Arena. „Vom Spielverlauf hätte ich ihn bringen können, aber es macht keinen Sinn, einen Spieler zu bringen, der wie im Freibad auf dem Boden hockt“, sagte Rangnick später. Der Begriff „Freibad-Toni“ war geboren. Auch Schalkes damaliger Manager Rudi Assauer war alles andere als erfreut über das Verhalten seines Stürmers. "Man muss die Konsequenzen daraus ziehen und sich fragen, was macht man mit Toni", so Assauer. Zumal Ailton auf Schalke bereits durch andere Aktionen negativ aufgefallen war. Vor der Saison hatte er über die Knappen hergezogen und sich in der Winterpause zu allem Überfluss auch noch beim Rodeoreiten in seiner Heimat die Hand verletzt. Kaum verwunderlich also, dass sich die Wege von Ailton und Schalke am Ende der Spielzeit schon wieder trennten.

Filmreifer Fluchtversuch vom Bosporus
Dass Ailton seinen eigenen Kopf hat, stellte der Brasilianer auch während seiner Zeit beim türkischen Club Besiktas Istanbul eindrucksvoll unter Beweis. Weil sein Trainer Jean Tigana den Stürmer nach einem Kreislaufkollaps unter der Woche nicht für die Startaufstellung bei einem Ligaspiel am Wochenende berücksichtigte, packte Ailton kurzerhand seine Koffer und machte sich auf zum Flughafen, um über Frankfurt nach Brasilien zu fliegen. Bis in seine Heimat schaffte er es aber nicht, selbst der Flieger nach Frankfurt hob ohne den damals 32-Jährigen ab. Besiktas-Manager Mehmet Eksi hatte Ailton gerade noch vor dem Abflug am Atatürk-Flughafen abgefangen und damit die filmreife Flucht des Stürmers vereitelt. Wenig später konnte Ailton den Verein dann aber doch verlassen. Trainer Tigana erteilte ihm die Freigabe – Ailton dankte es und verabschiedete sich Richtung Hamburger SV.

Ailtons Karriere in Bildern

Bolognese satt, der Bürgermeister-Plan und Ärger mit Rosalie
Neben den großen Schlagzeilen hat Ailton während seiner Karriere auch für zahlreiche kleine amüsante Anekdote gesorgt. Eine davon entstand in seiner Anfangszeit in Bremen. In den Monaten nach seinem Wechsel residierte der Brasilianer im Bremer Parkhotel – dabei habe er laut eigener Aussage drei Wochen lang nur Spaghetti Bolognese gegessen. Ein anderes Mal handelte sich der Kugelblitz Ärger mit seiner Frau ein. Nach Werders Meisterschaft 2004 hatte Ailton als Nackedei den Titel im Ermüdungsbecken gefeiert – das Bild, auf dem auch der kleine „Toni“ zu sehen war, ging um die Welt. „Das Foto war geil. Aber es gab Ärger mit meiner Rosalie. Eine südländische Frau will, dass der Körper ihres Mannes nur ihr gehört“, wurde der Stürmer in der „Bild“-Zeitung zitiert. Auch verrückte Ideen waren bei Ailton keine Seltenheit. So wollte er in seiner Heimatstadt Mogeiro, eine Kleinstadt im Nordosten Brasiliens, Bürgermeister werden – ein anderes Mal plante Ailton für Katar zu spielen, weil er in Brasiliens Nationalteam keine Berücksichtigung fand. Es blieb in beiden Fällen bei den Ideen.

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