Nach dem 3:0-Sieg gegen RB Leipzig

Herzog über Werders Ösi-Show: „Bremen ist ein gutes Pflaster für uns“

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Zlatko Junuzovic (re.) herzt Florian Kainz nach dessen erstem Bundesliga-Tor. Über den Schützen sagt Andreas Herzog, dass er sich „noch einiges“ von ihm erwarte.

Bremen - Von Carsten Sander. Andreas Herzog hatte den Österreicher-Tag bei Werder Bremen vor dem Fernseher verbracht. Es lief die Bundesliga-Konferenz bei Sky.

Der Mann, der sowohl in Bremen als auch in Österreich eine Fußball-Legende ist, hatte seine spezielle Freude an den Abstechern ins Weserstadion. Herzog: „Jedes Mal, wenn der Ruf ,Tor in Bremen’ kam, habe ich gedacht: ,Hoffentlich nicht gegen Werder’. Aber dann war es – patsch, patsch, patsch – jedes Mal ein Österreicher, der getroffen hatte.“ Das verhalf Werder zum 3:0-Sieg über RB Leipzig und Herzog (48) zu einem wirklich gelungenen Fernsehnachmittag. Jetzt erwartet er weitere Großtaten seiner Landsleute.

Von 1992 bis 1995 und von von 1996 bis 2002 hatte Andreas Herzog das Werder-Trikot getragen – und es lässt sich sagen, dass er der bislang erfolgreichste Österreicher bei Werder war. Herzog gewann 1993 den Titel, holte zudem 1994 und 1999 den DFB-Pokal. Es waren tolle Zeiten. Doch einen Tag wie den Samstag hat er nicht erleben dürfen. Drei Bremer Tore, drei österreichische Torschützen – das ist absolut einmalig. „Werder ist eben ein sehr gutes Pflaster für uns“, lacht Herzog, der Österreicher.

Zlatko Junuzovic, Florian Grillitsch und Florian Kainz waren die Glücklichen, die gegen Leipzig trafen. Besonders für Kainz, den er einst als Trainer der österreichischen U21-Auswahl unter seinen Fittichen hatte, freut sich Herzog. „Er hat sich bisher bei Werder unter Wert präsentiert“, sagt er über den flinken Linksaußen, der mit dem Abstauber zum dritten Patsch seine Tor-Premiere in der Bundesliga feierte.

Kainz? „Er hat Qualität, ist laufstark und spielintelligent"

Im vergangenen Sommer war Kainz für eine Ablöse von 3,5 Millionen Euro von Rapid Wien an die Weser gewechselt. Der Transfer hat sich bislang für niemanden ausgezahlt. Kainz spielte kaum, Werder hatte nichts von ihm und Rapid hat für die 3,5 Millionen keinen adäquaten Ersatz gefunden. „Kainz war bei Rapid einer der Besten. Ohne ihn erlebt der Club jetzt eine Katastrophensaison“, meint Herzog, übrigens selbst ein Rapidler und derzeit mal wieder als möglicher Cheftrainer beim aktuellen Siebten der nur zehn Teams umfassenden Liga im Gespräch.

Wenn er es jemals werden sollte, würde er sich Florian Kainz (24) gewiss zurückwünschen im Verein. Einschätzung Herzog: „Er hat Qualität, ist laufstark und spielintelligent. Er kann im Mittelfeld auch auf der Halbposition spielen, weil er in der Lage ist, ein Spiel zu lesen. Dort gefällt er mir fast noch besser als auf Außen. Er ist zwar ein guter Dribbler, hat aber nicht die Dynamik eines Gnabry oder Robben, hängt seine Gegenspieler also im Sprint nicht ab. Aber er kann sich dank seiner guten Technik auch aus schwierigen Situationen befreien.“

Bleibt die Frage, wieso ein so Hochgelobter erst am 25. Spieltag seine erste Duftmarke in der Bundesliga gesetzt hat? Die Antwort heißt laut Andreas Herzog: Serge Gnabry. „Er war auf der Position zu Anfang übermächtig.“ Aber Kainz holt auf, sagt der prominente Landsmann: „Seine Eingewöhnung muss jetzt auch abgeschlossen sein, es wird höchste Zeit für ihn. Ich glaube, man ist bei Werder mittlerweile drauf gekommen, dass auch Kainz helfen kann. Er bekommt regelmäßig seine Einsatzzeit, ist scheinbar auf einem guten Weg. Ich hoffe, dass das Tor ihm zusätzlich Auftrieb gibt. Ich erwarte noch einiges von ihm.“

Werders Ösi-Elf

Gerhard Steinkogler
Gerd Steinkogler (l., hier als Spieler von Austria Wien im Duell mit Helmut Winklhofer von Bayern München) kam zur Saison 1978/80 als erster Österreicher zum SV Werder. © imago/Sven Simon
Bruno Pezzey
Bruno Pezzey folgte ihm im Jahr 1983. Er wurde mit Werder zwei Mal Vizemeister und gehörte seinerzeit zu den wichtigsten Bremer Spielern. © imago/Pressefoto Baumann
Andreas Herzog
303 Spiele absolvierte Andreas Herzog insgesamt zwischen der Zeit von 1992 bis 2001 für Werder und traf dabei 70 Mal für die Bremer. 1993 führte der Publikumsliebling die Grün-Weißen zum Meistertitel, zwei Mal gewann er den DFB-Pokal. Die Saison 1995/96 verbrachte der Torjäger beim FC Bayern, dann kehrte der Ösi aber an die Weser zurück. © nordphoto
Heimo Pfeifenberger
1996-98 kickte Heimo Pfeifenberger für den norddeutschen Club. Er war der vierte Österreicher, der für die Hanseaten das Trikot mit der Raute trug. © imago sportfotodienst
Martin Harnik
Martin Harnik feierte bei Werder im August 2007 sein Debüt in der Bundesliga. 2006 hatte der Ösi zunächst in der U23 seinen festen Platz und schaffte es mit der Zeit in den Profi-Kader. Aktuell spielt Stürmer Harnik bei Hannover 96. © nordphoto
Sebastian Prödl
Sieben Spielzeiten absolvierte Sebastian Prödl (l.) für die Grün-Weißen. Erstmals lief der österreichische Abwehrmann 2008 für Werder auf und gewann gleich in seiner ersten Saison den DFB-Pokal. 2015 wechselte er zum FC Watford. © nordphoto
Marco Arnautovic
Angreifer Marco Arnautovic machte bei Werder von 2010 bis 2013 auf sich aufmerksam, aber nicht wegen seines fußballerischen Talents, sondern aufgrund seines skandalösen Fehlverhaltens – wie etwa bei einer nächtlichen Autofahrt. Er wurde von der Polizei angehalten und entgegnete einem Beamten: „Du hast mir gar nichts zu sagen. Ich verdiene so viel, ich kann dein Leben kaufen!“ © nordphoto
Zlatko Junuzovic
Zlatko Junuzovic wechselte 2012 von Austria Wien zum SV Werder. Der Vize-Kapitän und Mittelfeld-Allrounder ist für die Bremer unverzichtbar. © nordphoto
Richard Strebinger
Auch Richard Strebinger zog es 2012 an die Weser. Der Keeper brachte es aber nur auf zwei Einsätze bei den Profis und wechselte nach der halbjährigen Leihe bei Jahn Regensburg zu Rapid Wien. © nordphoto
Florian Grillitsch
Ein Jahr später kam in Florian Grillitsch der nächste Ösi in den Norden. Zwei Jahre verbrachte der Mittelfeldmann in der U19 und U23, ehe er sich zu einer festen Größe im Profi-Kader entwickelte. Nach der aktuellen Saison verlässt der 21-Jährige den Verein in Richtung Hoffenheim. © nordphoto
Florian Kainz
Der elfte österreichische Werder-Spieler heißt Florian Kainz. Der Flügelflitzer kam vor der laufenden Saison nach Bremen und galt als neuer Hoffnungsträger bei den Grün-Weißen, noch ist der Knoten aber nicht geplatzt. © nordphoto

Nun sollte Kainz’ Kurzauftritt allerdings nicht übertrieben bewertet werden. Zlatko Junuzovic hatte sich zum Beispiel schon 88 Minuten lang die Socken heiß gelaufen und das Spiel mit seinem Tor und der Vorlage zum 2:0 längst entschieden, ehe Florian Kainz überhaupt erst ins Spiel kam. „Für Zladdi“, urteilt Herzog, „war es wichtig, dass er nicht nur ein gutes Spiel gemacht hat, sondern auch die entscheidenden Szenen hatte. Das gibt ihm sicher einen Push – und das kann nur gut sein für Werder.“ Denn, so Herzog: „Ein starker Junuzovic kann immer helfen.“

Und Grillitsch, der dritte Österreicher im Bunde? Andreas Herzog gönnt dem 21-Jährigen das Tor und beklatscht den gelungenen Freistoßtrick mit Junuzovic. Aber ob sich Grillitsch mit seinem bevorstehenden Wechsel zu 1899 Hoffenheim einen Gefallen tut, ist für Österreichs Rekordnationalspieler (103 Einsätze) nicht unbedingt garantiert. „Der Wechsel ist ein Risiko für ihn. Er eröffnet natürlich neue Möglichkeiten – aber es kann sich auch negativ entwickeln. Hoffenheim spielt eine Riesensaison und hat in Julian Nagelsmann einen fantastischen Trainer. Aber gerade bei einem so jungen, aufstrebenden Coach ist ja immer die Frage, wie lange er noch bleibt.“ Die Sorge bei Herzog ist deshalb diese: „Nicht, dass Grillitsch nach Hoffenheim kommt und Nagelsmann ist schon abgeworben worden.“

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