Vergangenheit in Bremen und Duell gegen Werder

Augsburgs Hahn im Interview über Werder: „Ich höre Kohfeldt gerne zu“

Andre Hahn vom FC Augsburg ist zwar Ex-Bremer, einen Kontakt zu Werder Bremen hatte er aber nach eigener Aussage nie.
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Andre Hahn vom FC Augsburg ist zwar Ex-Bremer, einen Kontakt zu Werder Bremen hatte er aber nach eigener Aussage nie.

Augsburg – Ein halbes Jahr lang hat Andre Hahn einst direkt vor der Haustür von Werder Bremen gespielt, dem Bundesligisten fiel der Angreifer des FC Oberneuland damals aber nicht weiter auf.

Im Weserstadion ist Hahn inzwischen trotzdem schon sieben Mal aufgelaufen – immer als Gegner. Vor dem Gastspiel seines FC Augsburg an der Weser (Samstag, 15.30 Uhr, DeichStube-Live-Ticker) sprach der 30-Jährige mit der DeichStube über seine Bremer Vergangenheit, Werder-Trainer Florian Kohfeldt, und er erklärte warum er eine WM-Teilnahme 2014 nur hauchdünn verpasst hat.

Sportchef Stefan Reuter erzählt gern von seinem Einstieg beim FC Augsburg im Jahr 2012. „Wir werden in den nächsten fünf Jahren definitiv zweimal absteigen“, habe ihm der damalige Präsident Walter Seinsch verkündet. Kennen Sie die Geschichte, Andre Hahn?

Ja, die Geschichte habe ich schon mal gehört.

Sie sind 2013 erstmals nach Augsburg gekommen. Warum konnte der FCA bis jetzt immer die Klasse halten?

Weil hier das Gesamtpaket einfach stimmt. Eine gute sportliche Führung, immer die richtigen Trainer, gute Einkäufe – rundum ein starker Club. All diese Aspekte bilden die Grundlage dafür, dass sich Augsburg in der Liga etabliert hat und nun schon die zehnte Bundesliga-Saison in Folge spielt.

In den vergangenen beiden Jahren gab es jeweils eine Zitter-Saison mit zweimal Platz 15 und der Rettung kurz vor Schluss. Wird in dieser Spielzeit der Klassenerhalt früher gesichert?

Das hoffe ich sehr. Ich möchte nicht mehr eine solche Zitterpartie erleben wie zuletzt. Wir stehen gut da, haben schon einige Punkte auf dem Konto, brauchen aber noch einige, um den Klassenerhalt frühzeitig fix zu machen.

Manager Reuter schimpfte nach der Niederlage gegen Stuttgart: „Damit können wir nicht gut leben!“ Wie haben Sie diese Woche verbracht?

Ich stimme Stefan Reuter komplett zu. Die drei Punkte gegen den direkten Konkurrenten Stuttgart wollten wir unbedingt holen. Leider hatten wir keinen guten Tag, hätten den Sieg auch nicht verdient gehabt. Niemand im Club ist mit dem Resultat vom Wochenende zufrieden.

Andre Hahn vom FC Augsburg über Werder Bremen: Florian Kohfeldt ein „sympathischer und kompetenter Coach“

Der erhoffte sprichwörtliche „nächste Schritt“ blieb wieder aus. Ist Augsburg zu stark für unten, aber zu schwach für oben?

Wir hatten unlängst schon zwei- bis dreimal die Möglichkeit, den Anschluss nach oben zu schaffen. Das haben wir leider jeweils verpasst. Dennoch stehen wir bislang gut da, spielen eine ordentliche Saison.

Der FCA hat vier Punkte mehr als Werder, steht in der Tabelle zwei Plätze besser da. Welche Bedeutung messen Sie dem Spiel in Bremen bei?

Es ist eine wichtige Partie, weil es wiederum gegen einen Tabellennachbarn geht. Wir brauchen die drei Punkte, die im Weserstadion zu vergeben sind, unbedingt – und wir wollen sie holen.

Sind Sie überrascht, dass Werder wieder zum Kreis der Abstiegskandidaten zu rechnen ist?

Ein wenig schon, ich hätte Bremen stärker eingeschätzt. Werder besitzt eine gute Truppe, einen sehr guten Kader. Trainer Florian Kohfeldt höre ich gern zu, wenn er Spiele analysiert. Ich halte ihn für einen sympathischen und kompetenten Coach.

Die Bremer haben Probleme in der Offensive. Ist das eine Krankheit, unter der die meisten Bundesligisten zu leiden haben? Es ist ja auch ein Manko in Augsburg, wo unter Trainer Heiko Herrlich das Augenmerk auf mehr Ballbesitz gelegt werden soll.

Ich kann nicht für andere Mannschaften sprechen. Bei uns sieht es so aus, dass in der letzten Spielzeit die Stürmer sehr erfolgreich waren. Beispielsweise Florian Niederlechner, der extrem gut getroffen und uns mit seinen Toren den Bundesliga-Verbleib gebracht hat. Momentan funktioniert es in der Offensive noch nicht so gut. Doch wir vertrauen auf uns. Auch unsere Stürmer werden bald wieder regelmäßig treffen, so wie wir es gewohnt waren. Andererseits spricht es aber auch für die Qualitäten der anderen Spieler, die in die Bresche gesprungen sind und für die bisher gelungenen Auftritte und die gute Platzierung gesorgt haben.

Andre Hahn räumt mit Transfer-Gerüchten auf: „Es gab nie einen Kontakt zu Werder Bremen“

Werder scheint einen Heimkomplex zu haben. Erst fünf Punkte hat die Mannschaft in dieser Saison im Weserstadion eingefahren, auswärts dagegen zehn. Augsburg geht es da durchaus ähnlich.

Es stimmt, im eigenen Stadion läuft es nicht ganz so gut. Woran es liegt, ist schwer zu sagen. Wegen Corona sind keine Zuschauer zugelassen. Natürlich auch bei den anderen Vereinen nicht, sodass kaum noch von einem Heimvorteil wie früher gesprochen werden kann. Für uns ist das ein erheblicher Nachteil. Unsere Fans vermissen wir sehr.

Kommen wir zu Ihrer Karriere. Warum sind Sie gleich zweimal zum Werder-Rivalen HSV gewechselt, obwohl man Ihnen dort nach der Zeit in der U23 geraten haben soll, sich einen anständigen Beruf zu suchen, weil es mit Fußballprofi nichts werden würde?

Diese Version ist so nicht richtig. Richtig ist, dass mein Vertrag beim HSV II nicht verlängert worden ist. Von Vereinsseite ist ein solcher Spruch nicht gefallen. Die zitierte Aussage stammt von Beratern, als ich auf der Suche nach einem neuen Club gewesen und schließlich bei Oberneuland gelandet bin.

Hat Werder, als Sie in der Nachbarschaft beim Bremer Stadtteilverein FC Oberneuland gemeinsam mit Ailton gespielt haben, nie Kontakt zu Ihnen aufgenommen, oder war der Verein zu spät dran?

Das müssen Sie bei Werder nachfragen. Ich habe nur ein halbes Jahr in Oberneuland gespielt, war dort nicht der Topscorer, sondern eher ein Spieler mit Leidenschaft und Herz, der auf den ersten Blick nicht so im Fokus stand. Der TuS Koblenz bin ich aber aufgefallen und dann dort hin gewechselt. Mein Vorteil war damals: Ich war ablösefrei, also ein richtig guter Schuss.

2017 waren Sie als Nachfolger für Serge Gnabry bei Werder im Gespräch. Was sprach damals gegen einen Wechsel nach Bremen, und warum ging es zurück zum HSV?

Ich weiß nicht, woher Sie die Information haben. Es gab nie einen Kontakt zu Werder. Das Ganze war wohl eher eine mediale Sache. Als Nordlicht sprach vieles für den HSV, daher bin ich dort ein zweites Mal hin.

Vor Spiel gegen Werder Bremen: Andre Hahn vom FC Augsburg spricht über Fitness nach Corona-Erkrankung

Und die Hamburger mussten für einen Spieler, den sie einst weggeschickt haben, die stolze Ablösesumme von sechs Millionen Euro zahlen…

So spielt manchmal das Leben.

Die beste Phase in Ihrer Karriere hatten Sie 2014, als Sie ins vorläufige WM-Aufgebot berufen wurden. Wie sehr ärgert es Sie heute noch, dass Sie nicht mit nach Brasilien durften?

Zunächst einmal: In der Zeit meines ersten Engagements in Augsburg bin ich zum Nationalspieler geworden. Darauf bin ich sehr stolz – und auch darauf, für den vorläufigen WM-Kader nominiert worden zu sein. Natürlich war es nicht schön, dass ich nicht mit ins Trainingslager fahren durfte. Ich hätte gern diese Chance genutzt, mich dort zu zeigen. Doch Joachim Löw hat seine Entscheidung begründet. Bastian Schweinsteiger und Sami Khedira waren im Vorfeld der Weltmeisterschaft beide am Knie verletzt, daher wollte der Bundestrainer gerne mit Christoph Kramer einen weiteren Sechser dabei haben. Mein Pech, doch ich habe es gut verkraftet.

In der Bundesliga gibt es keine Verschnaufpause mehr. Wie verkraften Sie das Monsterprogramm?

Bisher ganz gut. Ich bin ja drei Wochen ausgefallen wegen einer Covid-Erkrankung. Erst war ich in Quarantäne, dann gab es eine Pause, in der ich den Rückstand aufgeholt habe. Nun fühle ich mich wieder fit. Mir persönlich machen – wie vielen Kollegen auch – Englische Wochen grundsätzlich Spaß, weil weniger trainiert und mehr gespielt wird. Clubs, die einen einigermaßen breiten Kader haben, können viel rotieren und so die Belastungen ausgleichen.

Wie sind Ihre Pläne für die Zeit nach dem Ende der Karriere? Kehren Sie in den Norden zurück? Und was wollen Sie beruflich machen?

Nein, ich werde nicht in den Norden zurückkehren. In der Nähe von Frankfurt, wo wir uns schon ein Haus gekauft haben, werde ich mit meiner Frau leben, die aus dieser Gegend stammt. Dort haben wir schon einen Freundeskreis. Was ich beruflich mache, darüber mache ich mir gerade Gedanken. Zwei, drei Ideen sind schon in meinem Kopf, doch noch nicht spruchreif. Ich möchte allerdings noch weiter Fußball spielen. Wenn der Körper mitmacht, gerne noch vier bis fünf Jahre.

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