In Bremen nur Ersatz, weil er ein Risiko ist / Ungarn vertraut ihm mit Erfolg

Der andere Kleinheisler

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Laszlo Kleinheisler fühlt sich im ungarischen Nationaltrikot pudelwohl.

Bordeaux - Von Björn Knips. Als er im Mannschaftsbus Richtung Flughafen saß, war Laszlo Kleinheisler kaum zu verstehen – so laut sangen seine ungarischen Teamkollegen. „Ich bin so glücklich, ich bin so glücklich“, rief der 22-Jährige ins Telefon.

Dieser 2:0-Coup gegen Österreich hat aber nicht nur einen Mannschaftsbus in Ekstase versetzt, sondern ein ganzes Land. In der Hauptstadt Budapest feierten Tausende den überraschenden Sieg gegen den Nachbarn. Und Kleinheisler, der als „Man of the Match“ ausgezeichnet wurde, konnte sein Glück kaum fassen, denn bei seinem Club Werder Bremen spielt er nur eine Nebenrolle.

Doch das ist typisch für dieses ungarische Team. Die beiden Torschützen Adam Szalai (Hannover 96) und Zoltan Stieber (1. FC Nürnberg) gelten in Deutschland sogar schon als Gescheiterte. Und Torwart Gabor Kiraly (früher Hertha BSC) spielt mit seinen 40 Jahren wieder in der Heimat. Doch gemeinsam sind sie stark. „Wir sind eine richtige Mannschaft“, schwärmte Kleinheisler: „Wir wollten dieses Spiel unbedingt gewinnen. Wir wollten es allen zeigen, das hat uns Kraft gegeben.“

Und dann ist da ja auch noch der deutsche Trainer Bernd Storck, der die Ungarn erstmals seit 1976 wieder zu einer EM gebracht hatte – übrigens auch dank eines Kleinheisler-Tores in den Playoffs gegen Norwegen. „Er vertraut mir und hat mir gesagt, dass ich ein guter Fußballer bin und Spiele entscheiden kann“, berichtete Kleinheisler.

Mit dem Vertrauen in Bremen war das so eine Sache. Für eine Verpflichtung im Winter nach einer Probezeit im Trainingslager in Belek reichte es. 250.000 Euro Ablöse zahlte Werder für den Mittelfeldspieler, der beim ungarischen Erstligisten FC Videoton in Ungnade gefallen war. Kleinheisler wollte seinen Vertrag nicht vorzeitig verlängern, deshalb musste er alleine trainieren.

Trotz fehlender Spielpraxis kam er in der Bundesliga gleich zum Einsatz, erwies sich dabei als giftiger Sechser. Seine taktischen Defizite waren allerdings nicht zu übersehen. Im heißen Abstiegskampf setzte Trainer Viktor Skripnik lieber auf bewährte Kräfte, zumal es mit Kleinheisler auch Verständigungsschwierigkeiten gab. Der 22-Jährige spricht kein Deutsch und auch kein Englisch. Ein Dolmetscher war nicht immer greifbar. So richtig glücklich waren am Ende beide Seiten nicht.

Doch das hat sich offenbar schlagartig geändert. „Ich bin sehr stolz, dass ich ein bisschen zeigen konnte, was ich kann. Im letzten halben Jahr konnte ich das leider nicht so“, meinte Kleinheisler, hegte dabei aber keinen Groll – und Wechselgedanken gibt es schon mal gar nicht: „Ich hoffe, es läuft hier so gut weiter. Dann werde ich gestärkt nach Bremen zurückkehren. Mein Vertrag dort läuft ja noch etwas länger.“ Bis 2019. Und darüber ist der neue Sportchef Frank Baumann auch sehr glücklich: „Mit Laszlo wird zu rechnen sein.“

In der Nationalmannschaft darf Kleinheisler offensiver agieren – ist fast ein Spielmacher. „Wie er gespielt hat – Riesenkompliment“, lobte Storck. Und Co-Trainer Andreas Möller ergänzte: „Er ist im Offensivbereich vielseitig einsetzbar, und er ist sehr lernwillig. Er hat das klasse gemacht.“ Der Europameister von 1996 konnte sich auch einen kleinen Seitenhieb Richtung Bremen, aber auch Richtung Hannover (Szalai) und Nürnberg (Stieber) nicht verkneifen: „Bei uns bekommen sie Vertrauen und jede Unterstützung.“

Zum Beispiel von Keeper Kiraly oder auch Zoltan Gera. „Sie helfen uns, sie geben uns Kraft. Bei ihnen kann ich mich nur bedanken“, meinte Kleinheisler, der nun ein klares Ziel hat: „Natürlich wollen wir ins Achtelfinale.“ Mit einem Sieg am Samstag gegen Island wäre es schon geschafft, dann könnte die nächste Party im Bus steigen.

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