„Milchstraßen-Kicker“ Galvez findet sich defensiv okay, ansonsten sieht er Verbesserungsbedarf

„Noch viel Luft nach oben“

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Küsschen für die Treter: Alejandro Galvez will sich in neuen Schuhen vor allem „im Umgang mit dem Ball“ verbessern.

Bremen - Von Björn Knips. Immer schriller, immer bunter: Was die Trends auf dem Fußballschuh-Markt betrifft, geht Werder-Verteidiger Alejandro Galvez voll mit der Zeit. Zum Interview-Termin bringt der Spanier seine neuen Treter mit – allerdings auf Nachfrage.

Denn was Galvez neuerdings an den Füßen trägt, ist selbst in Zeiten von pink- oder neonfarbenen Schuhen ungewöhnlich und macht aus ihm gewissermaßen den ersten (Milch)Straßenkicker der Bundesliga. Sterne zieren sein neues Arbeitswerkzeug, und nach den Sternen will der 26-Jährige auch greifen. Europa mit Werder und ein Platz im spanischen EM-Kader sind seine Ziele für diese Saison.

Herr Galvez, wären Sie gerne ein Astronaut?

Alejandro Galvez: Nein, nein – Fußballspieler gefällt mir besser. Aber warum fragen Sie?

Sie haben im Internet stolz Ihre neuen Fußballschuhe präsentiert, die ziemlich spacig aussehen.

Galvez: Ach so deshalb (lacht). Die habe ich von Nike so bekommen, darauf habe ich keinen Einfluss.

Aber Sie haben sich Ihren Namen draufschreiben lassen – wie wichtig ist das für Sie?

Galvez: So wichtig ist mir das eigentlich nicht, aber es gibt mir ein gutes Gefühl und ein bisschen Kraft.

Warum Kraft?

Galvez: Wenn ich meinen Familiennamen sehe, macht mich das einfach stark. Denn meine Familie hat mir sehr viel geholfen, damit ich Fußball-Profi werden kann.

Waren Sie dann besonders traurig, dass Ihr Vater ausgerechnet zu Saisonbeginn in Bremen zu Besuch war, als Sie kaum gespielt haben?

Galvez: Klar war ich darüber nicht glücklich. Aber jetzt spiele ich ja und fühle mich gut.

Im Sommer hieß es, Sie wären nicht gut vorbereitet aus der Pause zurückgekommen. Haben Sie im Urlaub etwas geschludert und deshalb zunächst auf der Bank gesessen?

Galvez: Nein, das hatte einen ganz anderen Grund. Ich hatte am Ende der Saison Probleme mit dem Knie. In Absprache mit Werder wurde die Behandlung in der Sommerpause in Spanien fortgesetzt. So hatte ich gar keinen richtigen Urlaub, konnte nicht so viel trainieren und deshalb auch zum Start der Vorbereitung nicht fit sein.

Sind Sie jetzt wieder bei 100 Prozent?

Galvez: Körperlich ja, aber mein Spiel kann ich noch verbessern.

Was genau?

Galvez: Bei meiner Technik und im Umgang mit dem Ball ist bei mir noch viel Luft nach oben. Mein Kurzpassspiel möchte ich weiter verbessern. Meine Defensivarbeit ist gut, damit bin ich zufrieden.

Es gibt immer noch wenige Spanier in der Bundesliga. Wundern Sie sich manchmal, dass ausgerechnet Sie in Deutschland gelandet sind?

Galvez: (lacht) Es ist wirklich komisch, dass so wenige hier sind. Aber das macht mich auch stolz, denn die Bundesliga hat große Qualität.

Sie haben im Sommer in einem Interview mit der spanischen Zeitung „Ideal“ gesagt, dass Sie gerne mal für den FC Granada, den Club Ihrer Heimatstadt, spielen möchten. Müssen sich die Werder-Fans Sorgen machen, dass Sie bald weg sind?

Galvez: Nein, nein – da muss sich niemand Sorgen machen. Aber jeder würde doch gerne mal für den Verein in seiner Heimat spielen. Ich hatte schon mehrfach die Gelegenheit, beim FC Granada zu unterschreiben, aber ich habe mich für Werder entschieden, weil es für mich die beste Option ist.

Haben Sie manchmal Heimweh?

Galvez: Natürlich vermisse ich meine Familie. Aber ich fühle mich in Bremen so wohl, dass man nicht von Heimweh sprechen kann. Die Ferien reichen mir aus, um nach der Familie und unserem Haus zu schauen.

Werden Sie auch das freie Wochenende dazu nutzen?

Galvez: Natürlich, Samstag fliege ich hin, Montag komme ich zurück. Zu Hause ist es jetzt noch schön warm…

Haben Sie nach einem Jahr einen Lieblingsort in Bremen?

Galvez: Den habe ich wirklich. Das Katzen-Cafe im Schnoorviertel, da gibt es Sushi. Es ist wirklich lecker dort.

Wie läuft es mit der deutschen Sprache?

Galvez: (auf Deutsch) Ich verstehe ein bisschen, ich spreche auch ein bisschen.

Das ist doch gut, dann machen wir statt mit Dolmetscher doch auf Deutsch weiter.

Galvez: Nein, nein, Interviews erst nächste Saison (lacht).

Träumen Sie insgeheim noch von einer EM-Teilnahme mit Spanien?

Galvez: Das ist sehr schwierig, denn die Konkurrenz ist sehr groß. Aber ich habe schon Hoffnung, dass mich Nationaltrainer Del Bosque anruft, wenn einer ausfällt. Ich traue mir das zu.

Gab es schon mal Kontakt zu Del Bosque oder dem spanischen Verband?

Galvez: Nein. Aber es gibt Stimmen, die meinen, dass ich gute Chancen hätte, wenn sich einer verletzt. Das ist aber auch alles. Aber ich habe noch bis Juni Zeit.

Noch mal zurück ins Weltall: Sie können offenbar ganz gut in die Sterne gucken. Immerhin haben Sie Werder vor einem Jahr den Sprung nach Europa zugetraut, und beinahe hätte es tatsächlich geklappt. Wie lautet Ihr Werder-Horoskop für diese Saison?

Galvez: Ich bin wieder sehr optimistisch. Die schweren Gegner sind weg – und mit zwei Siegen kommt man schon auf den siebten, achten Platz. Mit Ausnahme von Wolfsburg kommen nur noch Gegner, mit denen wir uns auf Augenhöhe befinden. Wenn wir drei der vier Spiele gewinnen, haben wir den Anschluss geschafft.

Was erwarten Sie dabei von Ihren neuen Schuhen?

Galvez: Viele Punkte – und endlich mal wieder ein Tor von mir (das erste und bisher einzige gelang Galvez beim 1:1 gegen 1899 Hoffenheim am 30. August 2014, d. Red.).

kni

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