Legende über Abstiegskampf, Pizarro und mehr

Ailton im DeichStube-Interview: „Ich habe sehr viel Angst um Werder“

Ailton macht sich große Sorgen um Werder Bremen, glaubt aber, dass sich sein Ex-Club in die Relegation rettet.
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Ailton macht sich große Sorgen um Werder Bremen, glaubt aber, dass sich sein Ex-Club in die Relegation rettet.

Bremen – Ist er im Saison-Finish der Glücksbringer für den SV Werder Bremen? Ailton, Doublesieger und Torschützenkönig von 2004, besucht derzeit mal wieder Bremen – „meine Stadt“, wie er es sagt.

Wegen einer TV-Tanz-Show war er nach Deutschland gekommen, und weil er derzeit wegen der Coronavirus-Krise nicht in die USA zu Frau und Kindern reisen darf und nach Brasilien nicht reisen möchte („Da ist es gerade nicht so schön“), verlängert er halt noch ein bisschen den Bremen-Aufenthalt. „So zwei, drei Monate“, verrät er der DeichStube und lacht.

Es bleibt während des Gesprächs einer der wenigen Anflüge guter Laune des lustigen Brasilianers. Denn ansonsten geht es um Werder Bremen – ein Thema, das den mittlerweile 46 Jahre alten Kugelblitz sehr traurig macht. „Ich habe sehr viel Angst um meinen Verein“, sagt Ailton, „aber ich sehe auch noch eine gute Chance auf den Klassenerhalt.“

Ailton, Werder Bremen ist vor dem Spiel bei Schlusslicht SC Paderborn am Samstag Vorletzter – wie sieht Ihre Rechnung für den Klassenerhalt aus?

Das Wichtigste ist der Sieg in Paderborn. Und dann noch einer in Mainz und einer zu Hause gegen den 1. FC Köln. Mit neun Punkten aus den letzten vier Spielen klappt es sicher mit dem Klassenerhalt.

Sie haben die Partie gegen Bayern München am Dienstag vergessen...

Ach, die Bayern. Das ist wie Lotto spielen, da gewinnst du meistens auch nichts. Das Spiel müssen wir ausklammern.

Zu den neun Punkten gehören also die drei in Paderborn – was, wenn es am Samstag nicht klappt? Ist dann schon alles vorbei?

Das will ich nicht sagen. Wir wissen ja, dass auch Fortuna Düsseldorf (aktuell mit drei Punkten mehr auf Relegationsplatz 16, d. Red.) nicht das leichteste Restprogramm hat. Ich glaube zum Beispiel nicht, dass Düsseldorf am Samstag gegen Borussia Dortmund punktet. Aber Werder darf natürlich in Paderborn nicht verlieren.

Werder Bremen: Ailton glaubt an die Relegation

Wie groß ist Ihre Angst um Ihren Ex-Club?

Ich habe nicht nur ein bisschen Angst, ich habe sogar sehr viel Angst. Die Situation ist momentan wirklich schwierig. Aber ich bin auch Optimist und sehe die Chance, sich gegen Paderborn, Mainz und Köln noch zu retten. Die Relegation wird es jedoch wohl werden.

Das große Problem ist derzeit die Harmlosigkeit im Sturm. Werder hat in 30 Spielen nur 30 Tore erzielt – das sind lediglich zwei mehr als Ihre 28 in der Double-Saison. Können Sie erklären, was da schief läuft?

Nein, eine wirkliche Erklärung habe ich nicht, ich bin ja auch nicht der Trainer. Die Situation ist im Moment einfach schwierig für alle. Die Mannschaft funktioniert nicht so, wie sie sollte. Die Stürmer haben nur wenig Chancen – und wenn dann doch mal eine kommt, bekommen sie ein bisschen Panik. Sie müssen einfach ruhiger bleiben. Werder spielt insgesamt nicht ruhig genug.

Wie sind Sie mit Phasen umgegangen, in denen nichts funktionierte?

Bei mir persönlich haben solche Phasen ja maximal nur fünf Spiele gedauert. (lacht)

Im Ernst: Gibt es einen Tipp für die Stürmer, außer ruhig zu bleiben?

Es gibt da nicht das eine Mittel, das hilft. Üben, Sicherheit holen im Training – normale Sachen eben. Aber ich denke, das werden sie alles versuchen.

Sehen Sie in Rückkehrer Niclas Füllkrug auch den großen Hoffnungsträger?

Kann sein, dass er das ist. Ein guter Fußballer ist er auf jeden Fall. Er hatte natürlich eine lange Pause, aber ich traue ihm zu, spätestens gegen Mainz und Köln wieder voll da zu sein. Er ist dieser Typ Stürmer, der sagt: ,Mir doch egal, dass es eine schwere Phase ist. Ich schieße jetzt einfach das Tor.‘

Ailton: Claudio Pizarro hat Karriereende mit Corona, Verletzungen und Abstiegskampf nicht verdient

Claudio Pizarro, Ihr alter Freund und Mitspieler bei Werder, steht mit 41 Jahren ebenfalls noch mal in den Startlöchern. Was trauen Sie ihm drei Wochen vor dem Karriereende noch zu?

Was für eine Frage! Alles natürlich (lacht). Claudio ist der beste ausländische Fußballer, den die Bundesliga je gesehen hat. Aber für ihn war die lange Corona-Pause und die anschließende Verletzung nicht gut. Ich muss ihn mal anrufen und fragen, wie es aussieht mit seiner Kondition...

Mit dem 1. FC Köln ist er schon einmal abgestiegen, wenn sich das mit Werder wiederholt, wäre es ein bitteres Finish der Laufbahn.

Das hätte Claudio nicht verdient. Ich hätte Claudio ein Karriereende mit vielen Partys und Siegen gewünscht. Aber nicht so etwas wie Corona, Verletzungen und Abstiegskampf. Aber wer weiß: Vielleicht wird er ja in den letzten Spielen noch mal wichtig für Werder. Das würde mich unheimlich freuen.

Wie sehr würde Sie ein Bremer Abstieg treffen?

Das würde mir sehr, sehr wehtun. Ich war sechs Jahre bei Werder, in der Zeit ist die Mannschaft immer stärker geworden und hat auch in den Jahren nach meinem Weggang starke Teams gestellt. In der Zeit hatte die ganze Liga Respekt vor Werder, der Verein hat deshalb immer noch einen großen Namen. Aber der Respekt ist mittlerweile weg. Das tut wirklich sehr weh.

Was wurde falsch gemacht, was muss sich ändern?

Schwere Frage. Ich denke, es wurde vor der Saison vor allem nicht gut eingekauft.

Das ist eine Kritik an Ihrem Double-Kapitän und jetzigem Sportchef Frank Baumann, der für die Kaderplanung verantwortlich ist.

Nein, das soll es nicht sein. Aus meinem Mund kommt keine Kritik an Baumi. Es wurden generell Fehler gemacht im Club. Alle zusammen funktionieren einfach nicht – wieso, das bleibt für mich allerdings unerklärlich. (csa)

Quelle: DeichStube

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