Die Abstiegsangst ist zurück

Bundesliga-Endspurt: Fünf Abstiegskampf-Angstmacher für den SV Werder Bremen

Christian Groß und Romano Schmid sind sichtlich enttäuscht: Gegen RB Leipzig setzte es für den SV Werder Bremen die bereits vierte Bundesliga-Niederlage in Serie.
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Christian Groß und Romano Schmid sind sichtlich enttäuscht: Gegen RB Leipzig setzte es für den SV Werder Bremen die bereits vierte Bundesliga-Niederlage in Serie.

Bremen – Eines muss man Florian Kohfeldt zugestehen: Er hat nie davon gesprochen, dass Werder Bremen aller Abstiegssorgen ledig sei. Auch nicht, als der Vorsprung auf den Relegationsrang nach dem 2:0-Sieg im Nachholspiel gegen Arminia Bielefeld auf elf Punkte angewachsen war. Dass die Rettung damit schon geschafft sei, hat der Bremer Trainer stets abgewehrt.

„Und ich hole jeden aus seinem Büro, der das Gegenteil behauptet“, hatte Kohfeldt gedroht. Nicht im Spaß. Sondern ernsthaft. Denn er wollte nie als derjenige dastehen, der sich zu früh gefreut hat. Was klug war, denn nur einen Monat, nachdem elf Punkte Sicherheit versprachen, kann von zum Greifen naher Rettung bei Werder Bremen nicht mehr die Rede sein. Sechs Spieltage vor Schluss sind es nur noch vier Zähler, die den Club vom Relegationsrang trennen. Die Angst vor einer erneuten Zittersaison ist zurück – und dafür gibt es gute Gründe.

1. Der Trend bei Werder Bremen und der Konkurrenz

Nach dem Sieg über Bielefeld passierte bei Werder Bremen dies: Vier Niederlagen in Folge gegen Bayern München, den VfL Wolfsburg und VfB Stuttgart sowie RB Leipzig. Im gleichen Zeitraum war die Konkurrenz alles andere als untätig. Das in der Hinrunde schon als Absteiger abgeschriebene Mainz 05 hat beispielsweise in vier Spielen zehn Punkte geholt und ist nun bis auf zwei Zähler herangerückt an die Bremer. Auch Arminia Bielefeld und Hertha BSC haben mit sieben beziehungsweise fünf Punkten ordentlich Boden gut gemacht. Dass diese Teams aktuell psychisch ein Plus haben gegenüber Werder, ist klar. 

Der Vorletzte 1. FC Köln, der am Montag einen Trainerwechsel vollzog und Friedhelm Funkel als Nachfolger des beurlaubten Markus Gisdol installierte, holte zum Bremer Glück in vier Spielen lediglich ein Unentschieden – so ist wenigstens ein direkter Abstiegsplatz noch sieben Punkte weit weg. Dass selbst Schlusslicht Schalke 04 mit dem 1:0 gegen den FC Augsburg punktete, ist aber allenfalls noch für die Schalker interessant, hoffnungslos abgeschlagen sind sie trotzdem.

Werder Bremen hat mit der vierfachen Nullrunde von allen Teams aus dem letzten Tabellendrittel den schlechtesten Lauf und den negativsten Trend. Bei Sportchef Frank Baumann fällt die Lagebeschreibung so aus: „Wir haben uns aus den vergangenen vier Spielen natürlich mehr erhofft. Jetzt gehen wir mit aller Fokussierung und allem Engagement in die Englische Woche, die ganz wichtig wird. Wir wollen den Vorsprung möglichst wieder vergrößern, mindestens aber stabil halten.“

2. Der Ausfall von Ömer Toprak

Als er sich im Spiel gegen Leipzig an die linke Wade griff, dachte der geneigte Toprak-Kenner zunächst, er würde nur mal wieder eine dieser Kunstpausen einstreuen, um allen – auch sich selbst – eine Chance zum Durchschnaufen zu verschaffen. Doch als der Verteidiger nach der Pause nicht mehr auf den Platz zurückkam, war klar: kein Toprak-Trick, sondern wieder Toprak-Verletzungspech. Muskelfaserriss, vier Wochen Pause – Werder Bremen fehlt damit nicht nur der Abwehrchef, sondern auch so etwas wie Thermostat und Tachometer für das eigene Spiel, schließlich bestimmt der 31-Jährige oft aus der Abwehr heraus Temperatur und Tempo des Spielaufbaus. Und auch wenn sein Wert für die Mannschaft nicht an einer Punkteskala abzulesen ist, ist doch klar, dass Werder in der heißen Phase der Saison der wichtigste und coolste Abwehrspieler fehlt

3. Schein und Sein bei Werder Bremen

„Diese Mannschaft ist stabil, und ich bin sehr optimistisch, dass wir es auch zeitnah schaffen werden, die nötigen Punkte zum Klassenerhalt zu holen.“ Dieses Zitat stammt von Trainer Florian Kohfeldt nach dem DFB-Pokal-Viertelfinale bei Jahn Regensburg. Es steht exemplarisch für das, was in den vergangenen Wochen passiert ist: Während Werder eigene Qualitäten beschreibt und Erfolge beschwört, tut sich auf dem Punktekonto nichts. Und von Stabilität konnte gegen RB Leipzig auch nicht mehr die Rede sein. Ein Ausrutscher? Vielleicht.

Dass Kohfeldt seit Wochen „Wachsamkeit“ verspricht, seiner Mannschaft bei drei der vier Gegentreffer gegen Leipzig jedoch Schlafmützigkeit attestieren muss, ist ein weiterer Punkt, der zeigt, dass Werder nicht immer das ist, was Werder Bremen gerne sein möchte. 

4. Die Stürmerschwäche des SV Werder Bremen

Kurz dachte man, Josh Sargent könnte der Sorgenvertreiber werden. Als er nacheinander gegen Frankfurt, Köln und Bielefeld jeweils ein Tor erzielte, keimte die Hoffnung auf, dass Werder Bremen wieder einen Stürmer hat, der verlässlich trifft. Es war falsch gedacht, wie sich in den Wochen danach herausstellte. Die vier folgenden Sargent-Auftritte (inklusive Pokal) endeten ohne Tor-Beteiligung des US-Amerikaners. Und weil sich Davie Selke trotz mehrerer Bewährungschancen einfach nicht vom Makel des Transferflops befreien kann, sich Niclas Füllkrug weiter von Verletzung zu Verletzung quält und Milot Rashica schon per Elfmeter zum Toreschießen getrieben werden muss, bleibt die Bremer Offensive auch nach 28 Spieltagen ein Bereich voller Fragezeichen, Sorgen und Experimente – wie am Wochenende, als der 19-jährige Eren Dinkci erstmals in der Startelf auftauchte.

Mittlerweile tendiert der Glauben, dass irgendwer aus der Abteilung Attacke in dieser Saison noch so richtig durchstartet und in den Flow kommt, gen null. Coach Kohfeldt wird wohl – wie nach dem 0:1 in Stuttgart – weiter beweinen müssen, dass im Fußball Kleinigkeiten Spiele entscheiden. „Kleinigkeiten“ wie das Kreieren und Nutzen von Torchancen zum Beispiel.

5. Das Restprogramm des SV Werder Bremen

„Noch Minimum zwei Siege“ seien nötig, um den Klassenerhalt perfekt zu machen, hat Kohfeldt am Wochenende gesagt. Das Restprogramm mit noch sechs Spielen gibt diese zwei Siege theoretisch auch her – besonders die Partie gegen Mainz 05 am Mittwoch , 21. April, könnte zum großen Schlüsselspiel werden. Das Hinspiel hatte Werder glücklich mit 1:0 gewonnen, es gibt aber keine Garantie für eine Wiederholung. Denn die Mainzer, unter Trainer Bo Svensson aufgeblüht, müssen aktuell klar stärker als Werder eingeschätzt werden.

Sie liegen in der Rückrundentabelle auf Platz fünf und können vor dem Duell mit Werder sogar an den Bremern vorbeiziehen. Während die Grün-Weißen am Wochenende bei Borussia Dortmund ran müssen, bestreitet Mainz nach dem Last-Minute-Sieg beim 1. FC Köln (3:2) das nächste Sechs-Punkte-Spiel gegen Hertha BSC. Für Werder Bremen folgen nach Mainz noch die Gegner Union Berlin, Bayer Leverkusen, FC Augsburg und Borussia Mönchengladbach – kein hammerhartes Programm, aber auch keines, das einen leichten Gang verspricht. (csa) Auch interesant: Nur noch Reservist: Leo Bittencourt bei Werder Bremen unzufrieden!

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