DeichBlick-Kolumne: Sebastian Prödl schreibt für die DeichStube

„Die Leihspieler haben nicht diese Existenzängste“

Die DeichBlick-Kolumnisten von links nach rechts: Rolf Fuhrmann, Sebastian Prödl, Thomas Schaaf, Nils Petersen und Klaus Allofs schreiben für die DeichStube über Werder Bremen.

Von Sebastian Prödl. Ich glaube, dass es jetzt höchste Zeit ist, die Situation von Werder Bremen klar anzusprechen: Die Lage ist sehr brisant und angesichts der kommenden Gegner brennt der Baum lichterloh.

Wenn man die letzten fünf Saisons betrachtet, dann waren bis auf das Vorjahr (32) immer 36 oder 37 Punkte notwendig, um der Relegation zu entgehen. Das bedeutet, Werder sollte aus den restlichen 13 Spielen 20 Punkte holen, um das rettende Ufer zu erreichen.

Warum Werder bis auf den Pokalerfolg gegen den BVB die vorhandene Qualität nicht auf den Platz bringt, ist schwer zu erklären. Mit ein Grund könnte vielleicht sein, dass einige entscheidende Positionen in der Mannschaft mit Leihspielern besetzt sind. Diese Spieler sollten eigentlich vorangehen, haben aber nicht die Existenzängste, weil sie zu ihren Clubs zurückkehren können.

Werder Bremen braucht für die Rettung ein kleines Wunder

Das Kurz-Trainingslager kann man zwar positiv sehen, aber der Druck auf die Mannschaft wird dadurch noch größer. Und eines ist klar: Es wird nicht reichen, nur gegen Mitkonkurrenten im Abstiegskampf zu punkten, sondern es wird der eine oder andere Sieg gegen Teams notwendig sein, die um den Titel oder einen Platz in der Champions League fighten.

Werder muss ab sofort sprichwörtlich in den Krieg ziehen, und jedem Spieler muss bewusst sein, dass jetzt vor allem auch der Charakter jedes einzelnen gefragt ist. Nicht nur, wenn die Sonne scheint, sondern auch im Abstiegskampf werden Helden geboren. Für die Rettung wird ein kleines Werder-Wunder nötig sein, so realistisch müssen wir alle sein.

Verfolgt das Spiel von Werder Bremen gegen RB Leipzig im Live-Ticker der DeichStube!

Werder Bremen: Wer will schon das Wort Absteiger im Lebenslauf stehen haben?

Ich bin ernsthaft in Sorge um Werder, habe aber noch Hoffnung. Dass Clemens Fritz, der ähnliche Situationen schon gemeistert hat, und Mentaltrainer Andreas Marlovits mit ins Trainingslager vor dem Spiel gegen RB Leipzig gefahren sind, halte ich für einen guten Schachzug. Die Mannschaft hat zuletzt verkrampft gewirkt und sich zu Hause im Weserstadion auskontern lassen. Da muss sich jeder Spieler fragen: Welche Verantwortung habe ich für den Club und möchte ich wirklich in meinem Lebenslauf das Wort Absteiger stehen haben? Es gibt zwei Arten von Schmerzen: Die, die durch den Misserfolg verursacht werden, und die, wenn ich richtig reinbeiße und über meine Grenzen gehe.

Stand jetzt würden wahrscheinlich einige den Relegationsplatz nehmen, aber man muss auch in der Krise nach dem größtmöglichen Erfolg streben und es wenigstens versuchen. Die Spieler sollten das Pokalspiel gegen den BVB als Maßstab nehmen, dass sie sehr wohl über sich hinauswachsen können und daraus neuen Mut schöpfen. Eine mögliche Relegation gegen den HSV wäre zwar spektakulär, aber richtig glücklich würde damit im Norden wohl niemand sein.

Sebastian Prödl verspricht sich einiges vom Wechsel zu Udinese Calcio

Zu meiner Situation: Ich freue mich sehr, dass mein Wechsel zu Udinese Calcio am letzten Tag der Transferzeit doch noch geklappt hat. Die Serie A war für mich immer reizvoll und ich bin dankbar für die Chance, die ich in Italien bekomme. Ich hatte bereits bei Watford einen italienischen Trainer, und damals hat sich bei mir der Wunsch verfestigt, irgendwann in Italien zu spielen. Wenn ich wieder fit bin, verspreche ich mir einiges. Ich wollte mir auch mit 32 den schwersten Weg aussuchen und nicht zurück nach Österreich oder in eine andere kleinere Liga gehen. Die erste Minute in der Serie A würde bedeuten, dass ich in drei der vier europäischen Top-Ligen gespielt habe.

Und die letzten Jahre haben gezeigt: Die Serie A hat gegenüber der Premier League deutlich aufgeholt. Dass immer mehr Spieler aus der Premier League nach Italien gehen, beweist den wachsenden Stellenwert der Liga. Mit Romelu Lukaku oder zuletzt Christian Eriksen sind Superstars aus England in die Serie A gewechselt, und auch in den europäischen Bewerben sind italienische Clubs stark im Kommen. Darüber hinaus ist die Liga dank Cristiano Ronaldo weltweit noch viel mehr in den Mittelpunkt gerückt – eine große Aufgabe für mich, da bald mitmischen zu dürfen.

Sebastian Prödl

Zur Person: Sebastian Prödl hat von 2008 bis 2015 insgesamt 149 Bundesligaspiele für Werder bestritten und dabei zehn Tore erzielt. 2009 gewann der Abwehrspieler mit Werder den DFB-Pokal. 2015 wechselte der 32-jährige Österreicher zum FC Watford in die englische Premier League, 2020 ging er nach Italien zu Udinese Calcio. Prödl ist Nationalspieler – und immer mal wieder zu Besuch in Bremen.

Quelle: DeichStube

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