Fragen und Antworten zum Werder-Absturz

Beim SV Werder Bremen braut sich die nächste Krise zusammen! Gar nichts dazugelernt?

Trainer Florian Kohfeldt und Stürmer Davie Selke von Werder Bremen klatschen sich ab. Sie schauen enttäuscht.
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Der SV Werder Bremen um Trainer Florian Kohfeldt schlittert vor Weihnachten in die nächste Krise.

Bremen – Die Anzeichen verdichten sich, dass Werder Bremen erneut keine ruhige Saison erleben wird. Mit sieben sieglosen Spielen in Serie haben die Bremer einen Trend gesetzt, der Unheil bringen wird, wenn er sich so fortsetzt.

Aber was ist passiert, dass das Team von Trainer Florian Kohfeldt nach einem guten Start in die Saison und dem 1:1-Doping gegen Bayern München doch wieder aus dem Tritt geraten ist? Die DeichStube beleuchtet die wichtigsten Fragen zur aktuellen Situation des SV Werder Bremen.

Wie bedrohlich ist die Lage für Werder Bremen tatsächlich?

Wenn man nur den Ist-Zustand bewertet, muss die Antwort lauten: Es könnte schlimmer sein. Platz zwölf und vier Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz sind als Zwischenbilanz ja nichts völlig Unerwartetes bei einem Team, das in der Vorsaison beinahe abgestiegen wäre. Kohfeldts Bewertung nach zehn Spieltagen ist deshalb kaum zu widersprechen: „Wir bewegen uns im Rahmen dessen, was wir uns vorgenommen haben.“ Und die Vorgabe bei Werder Bremen ist es, den Abstiegsplätzen fernzubleiben.

Ist Werder Bremen zurück im Krisenmodus?

Zwei Niederlagen am Stück nach zuvor fünf Unentschieden in Serie – das ist keine Bilanz zum Hurraschreien, eine Krise ist es aber auch nicht. Noch nicht. Wenn man so will, befindet sich Werder Bremen im Wartezimmer – die restlichen drei Spiele vor Weihnachten entscheiden darüber, ob es ein sportlich frohes oder sorgenvolles Fest wird. Drei, besser vier Punkte müssen noch eingefahren werden. Was gut überleitet zur nächsten Frage:

Was ist für Werder Bremen drin gegen RB Leipzig, Borussia Dortmund und Mainz 05?

Keine Frage: Nach zwei ernüchternden Pleiten nun binnen vier Tagen auf zwei Spitzenteams zu treffen, ist nicht gerade eine ideale Konstellation. Werder Bremen muss am Samstag bei RB Leipzig antreten, am Dienstag darauf kommt Borussia Dortmund nach Bremen, mit dem Spiel bei Mainz 05 (19. Dezember) endet für Werder dann das Bundesliga-Jahr. Dass Werder gegen die „Bullen“ und den BVB kaum Chancen eingeräumt werden, nimmt Florian Kohfeldt nicht einfach so hin.

Er stemmt sich gegen den grassierenden Pessimismus: „Es gibt keinerlei Automatismus, dass man gegen einen stärkeren Gegner nicht mal einen Punkt holen oder gewinnen kann. Wir müssen uns jetzt an das zurückerinnern, was erst zwei Wochen her ist. Wir haben auch in München gepunktet.“ Ein Blick viel weiter zurück verheißt aber nichts Gutes. Aus den sechs Spielen gegen Leipzig, Dortmund und Mainz holte Werder in der vergangenen Saison genau einen Punkt bei einem Torverhältnis von 3:18.

Wieso hat das 1:1 bei den Bayern Werder Bremen nicht den erhofften Schwung gebracht?

Die Laune war gehoben, nachdem Werder Bremen das erste Mal nach 22 Niederlagen am Stück nicht gegen die Bayern verloren hatte. Das musste doch Auftrieb geben, war die Hoffnung. Gab es aber nicht. Es folgten das 3:5 in Wolfsburg und das 1:2 gegen Stuttgart. Erklärungsansatz: Werder wähnte sich nach dem Achtungserfolg in München auf einer Entwicklungsstufe, auf der sich die Mannschaft gar nicht befindet. Die ausgemachte und vielfach bestaunte Defensivstärke war offenbar nur temporär. Selbst Coach Kohfeldt sinniert über die möglicherweise kontraproduktive Wirkung des 1:1 in München: „Vielleicht hat dieses Erlebnis bei dem einen oder anderen dazu geführt, dass ein ganz kleiner Moment der Fokus weggegangen ist. Und das darf es auf gar keinen Fall.“

Hat Werder Bremen nichts dazugelernt? Teil 1

Schon komisch, dass man sich so stark an die vergangene Saison erinnert fühlt – und das nicht nur wegen der ähnlichen Ergebnishistorie. Auch das 1:2 gegen Stuttgart wies in wesentlichen Punkten Gemeinsamkeiten mit vielen Spielen der Vorsaison auf: vorne fürchterlich harmlos, hinten fürchterlich fehlerhaft. Und am Ende sagte der Trainer Sätze, die irgendwie entlarvend waren. Er mahnte dazu „extrem wachsam“ zu sein.

Eigentlich sollte das nach den Erfahrungen der Vorsaison selbstverständlich sein. Also zieht die Mannschaft trotz lobend attestierter Leidenschaft in gewissen Momenten doch nicht voll durch. Florian Kohfeldt sieht den Mangel und fasste ihn so in Worte: „Wir dürfen nicht darauf warten, dass die Punkte zu uns kommen, sondern müssen die absolute Schärfe vor beiden Toren haben. Und wir müssen in jedem Spiel versuchen, mit allem, was wir haben, zu punkten.“

Hat Werder Bremen nichts dazugelernt? Teil 2

Ein Fehler der vergangenen Saison war es, die Abstiegsgefahr zu lange geleugnet zu haben. Stellvertretend dafür steht ein Satz von Davy Klaassen. „Wir sind zu gut für den Abstiegskampf“, hatte er behauptet und wurde dann auf bitterste Art eines Besseren belehrt. Man sollte annehmen, dass alle bei Werder daraus ihre Lehren gezogen haben.

Ein Zitat von Marco Friedl lässt daran allerdings zweifeln. Nach dem Stuttgart-Spiel teilte er in einer Art Re-Make des Klaassen-Klassikers mit: „Die Niederlage heute hat nichts mit der Vorsaison zu tun. Uns kommt nicht in den Kopf: Was ist, wenn es wieder so passiert wie letzte Saison? Das beschäftigt uns nicht. Wir wissen, dass wir deutlich mehr Qualität haben, als dass wir um den Abstieg spielen.“ Wenn das mal nicht erneut ein großer grün-weißer Irrtum ist.

Welche Rolle spielt Florian Kohfeldt?

Der Abstiegskampf der vergangenen Saison wurde dem Trainer gewissermaßen als Ausreißer durchgehen gelassen – wenn es jedoch erneut runter in den Keller geht, müsste sich Florian Kohfeldt den Vorwurf gefallen lassen, die Mannschaft nicht besser gemacht zu haben. Die personellen Probleme in der Offensive und der Verlust von Klaassen sind nicht wegzudiskutieren, erklären aber längst nicht alles. Kohfeldts gewählter Ansatz, auf eine sichere Defensive zu setzen, auch wenn das zu Lasten des Angriffs geht, war zwar richtig, im Moment bröselt das Fundament aber wieder.

Die Partien gegen Wolfsburg und Stuttgart waren die Qualität der Fehler betreffend ein polternder Rückfall in alte Zeiten. Da reicht es auch nicht, auf Mini-Fortschritte in anderen Bereichen („Wir spielen besser Fußball als zu Saisonbeginn, holen aber weniger Punkte“, so Kohfeldt) hinzuweisen. Werder Bremen jetzt wieder auf Kurs zu bringen, ist die Aufgabe, die Kohfeldt erfüllen muss. Noch mal Abstiegskampf werden ihm Fans und Verein möglicherweise nicht zubilligen. (csa) Auch interessant: So seht Ihr das Bundesliga-Spiel von Werder Bremen gegen RB Leipzig live im TV und im Live-Stream.

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