Klassenerhalt nach 2:2 in Heidenheim

Werder-Analyse gegen Heidenheim: Kohfeldt beweist im Relegations-Rückspiel seine taktische Klasse

Florian Kohfeldt hat im Relegations-Rückspiel die richtige Taktik gewählt, mit der Werder Bremen gegen Heidenheim den Klassenerhalt sicherte.
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Florian Kohfeldt hat im Relegations-Rückspiel die richtige Taktik gewählt, mit der Werder Bremen gegen Heidenheim den Klassenerhalt sicherte.

Geschafft! Werder Bremen sichert sich in der Relegation den Klassenerhalt. Die Bremer profitierten dabei von der Auswärtstorregelung, einem frühen Treffer – und einem flexibel taktierenden Florian Kohfeldt, der auf jede Umstellung des 1. FC Heidenheim die passende Antwort fand.

Nach dieser Saison wäre es eine starke Untertreibung, Florian Kohfeldt als umstritten zu bezeichnen. Dass der Trainer trotz der schwächsten Bundesliga-Saison der Vereinsgeschichte bleiben durfte, gefiel nicht jedem. Zum Abschluss der Saison gegen den 1. FC Heidenheim bewies Kohfeldt aber, welche Stärken ihn als Trainer auszeichnen: Er stellte die Mannschaft des SV Werder Bremen taktisch bestens ein und reagierte während des Spiels auf jede Umstellung des Gegners.

Besseres Positionsspiel als im Hinspiel von Werder Bremen gegen Heidenheim

Kohfeldt veränderte seine Elf im Vergleich zum Hinspiel auf drei Positionen: Kevin Vogt kehrte nach seiner Gelbsperre zurück und löste Philipp Bargfrede als Sechser ab. In der Innenverteidigung ersetzte Marco Friedl den gesperrten Niklas Moisander. Vorne begann Joshua Sargent für Niclas Füllkrug. Am Spielsystem veränderte Kohfeldt indes nichts: Sein Team begann in einem 4-3-1-2. Im Mittelfeld lief Werder also mit einer sogenannten Raute auf.

Auch Heidenheims Trainer Frank Schmidt nahm taktisch kaum Änderungen vor. Wie im Hinspiel setzten die Schwaben auf eine enge Manndeckung im Mittelfeld. Niklas Dorsch bewachte Maximilian Eggestein, der neu ins Team gerückte Robert Leipertz deckte Davy Klaassen. Dahinter sicherte eine Fünferkette ab.

Die Grafik zeigt Bremens erste Systemumstellung. Bremen hatte in einer Mischung aus Raute und 4-3-3 begonnen. Nach der frühen Führung ließen sich Rashica und Klaassen auf die Flügel fallen, Bremen verteidigte in einem kompakten 4-4-2.

Der Unterschied zum Hinspiel war, dass Werder wesentlich intelligenter auf die gegnerische Manndeckung reagierte. Klaassen und Eggestein ließen sich nicht mehr ständig fallen, sondern bewegten sich leicht nach außen. Sie zogen die gegnerischen Manndecker aus dem Mittelfeld. Dadurch konnten Werders Innenverteidiger den Ball direkt zu den Stürmern spielen. Yuya Osako spielte eine Mischung aus Linksaußen und Zehner, er zeigte Präsenz hinter dem gegnerischen Mittelfeld.

Kevin Vogt als Ankerpunkt bei Werder Bremen

Der wichtigste Unterschied im Vergleich zum Hinspiel lag in der Anwesenheit von Vogt. Er überzeugte in seiner typischen Rolle als Hybrid aus Sechser und Innenverteidiger. Mal ließ er sich fallen, mal bot er sich vor der Abwehr an – präsent war er immer. Dadurch gelang es Bremen wesentlich häufiger als im Hinspiel, die erste Pressinglinie der Heidenheimer zu überspielen.

Werder Bremen profitierte zudem vom (etwas glücklichen) Führungstreffer in der dritten Minute. Fortan konnten sie mit der Führung im Rücken defensiver agieren. Nach einer kurzen Sturm-und-Drang-Phase zog sich Werder in die eigene Hälfte zurück. Milot Rashica ließ sich ins rechte Mittelfeld fallen, während Klaassen das linke Mittelfeld besetzte. Werder verteidigte mit zwei kompakten Viererketten in einem 4-4-2.

Heidenheim hatte fortan die Mehrzahl an Ballbesitz. Zu Chancen kamen sie nicht. Sie postierten sich zwar äußerst offensiv: Die Außenverteidiger rückten weit nach vorne, einzig die drei Innenverteidiger sowie Sechser Sebastian Griesbeck verblieben als Absicherung. Heidenheim spielte den Ball aber praktisch nur von äußerem Innenverteidiger zu äußerem Innenverteidiger. Ihr einziger Weg, vor das Tor zu gelangen, waren inspirationsarme Halbfeldflanken. Werder Bremen verteidigte diese Hereingaben souverän.

Werder Bremen gegen den 1. FC Heidenheim: Umstellung um Umstellung

Die stärkste Phase hatte der 1. FC Heidenheim direkt nach der Pause. Schmidt hatte in der Halbzeit doppelt gewechselt und dabei auch sein Spielsystem verändert. Heidenheim agierte nun wie Werder mit einer Raute im Mittelfeld. Der eingewechselte David Otto stieß dabei als Zehner immer wieder in den Strafraum vor.

Werder schien zunächst überfordert mit der gegnerischen Umstellung. Sie reagierten jedoch schnell: Zunächst schob Werder Bremen in einer Raute weiter vor und ließ sich nicht mehr in der eigenen Hälfte einschnüren. Bald ließ sich Vogt permanent in die Abwehr fallen, Werder verteidigte mit einer Fünferkette. Das erwies sich als gute Maßnahme gegen den nach vorne stoßenden Otto.

Spätestens mit den Einwechslungen von Fin Bartels und Sebastian Langkamp (68., für Osako und Milos Veljkovic) agierte Werder in einer Mischung aus 5-2-3 (in Phasen des Pressings) und 5-4-1 (wenn sie tief standen). Die Bremer verteidigten nun wieder kompakter auf den Flügeln, ohne dabei Heidenheims Raute im Zentrum zu vernachlässigen.

Relegation gegen Heidenheim: Werder Bremen muss zittern bis zum Schluss

Rund um die 60. Minute hatte Werder genügend Chancen, um die Partie für sich zu entscheiden. Sie nutzten sie nicht – und mussten somit bis zum Ende zittern. Nachdem Heidenheim eine Verlegenheitsflanke nach der nächsten geschlagen hatte, entschied sich Tobias Mohr, einfach mal in die Mitte zu ziehen. Sein Geistesblitz in Form eines Lattentreffers staubte Tim Kleindienst zum Ausgleich ab (85.).

Doch selbst diesen Rückschlag steckte Werder weg. Kohfeldt hatte mit der Einwechslung von Niclas Füllkrug (80., für Rashica) auf ein Zwei-Stürmer-System umgestellt. Werder Bremen hatte mehr Tiefe im eigenen Spiel, sie konnten gegen die weit aufrückenden Heidenheimer Konter um Konter fahren. Diese hatten bereits vor dem Ausgleich ihre Viererkette aufgelöst, die improvisierte Dreierkette konnte Bremens Konter nicht bremsen.

Der 2:2-Ausgleichstreffer durch einen Elfmeter (95.) war nur Ergebniskosmetik. Werder setzte sich in der Relegation durch – mit viel taktischem Geschick und etwas Glück. Im entscheidenden Spiel der Saison ließ Florian Kohfeldt sein taktisches Genie noch einmal durchblitzen. Selbst die ärgsten Kohfeldt-Kritiker werden konstatieren: Besser spät als nie.

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Quelle: DeichStube

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