DeichBlick-Kolumne: Sebastian Prödl schreibt für die DeichStube

„W wie Werder, W wie Wunder – aber bitte mit Demut“

Die DeichBlick-Kolumnisten von links nach rechts: Rolf Fuhrmann, Sebastian Prödl, Thomas Schaaf, Nils Petersen und Klaus Allofs schreiben für die DeichStube über Werder Bremen.
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Die DeichBlick-Kolumnisten von links nach rechts: Rolf Fuhrmann, Sebastian Prödl, Thomas Schaaf, Nils Petersen und Klaus Allofs schreiben für die DeichStube über Werder Bremen.

Von Sebastian Prödl - Werder Bremen ist für mich in der Relegation gegen Heidenheim der ganz klare Favorit, aber dennoch dürfen die Warnleuchten nicht ausgehen!

Dass Werder Bremen gegen Köln mit der besten Saisonleistung doch noch den direkten Abstieg vermeiden konnte, ist auch der Schwäche der Konkurrenz geschuldet. Wenn man bedenkt, wie viele Punkte Düsseldorf im Finish leichtfertig hat liegen lassen, kann man den gerade noch verhinderten Totalschaden nüchtern zusammenfassen: W wie Werder, W wie Wunder. Mit nur 31 Punkten in die Relegation zu kommen – das reicht in der Regel nicht. Und man muss sich bei Union Berlin bedanken, das sich sehr, sehr fair verhalten hat. Es ist nicht selbstverständlich, dass man nochmals an die Leistungsgrenze geht, obwohl das Saisonziel bereits erreicht ist.

Heidenheim wird nun ein ganz unangenehmer Gegner. Eine Mannschaft ohne große Namen, die ihren Traum lebt und auf einer Welle der Euphorie segelt. Werder Bremen wird gegen den 1. FC Heidenheim gut beraten sein, den Flow und die Mentalität vom Spiel gegen Köln zu visualisieren und diesen Zustand am Donnerstag aufrechtzuerhalten. Ich hatte zwar in dieser Saison meistens das Gefühl, dass Werder versucht hat, den Spielen ihren Stempel aufzudrücken, aber Trainer Florian Kohfeldt war der einzige, der mit seiner positiven Körpersprache immer vorangegangen ist und die Spieler aufgerichtet hat. Ich hoffe sehr, dass die Freude über die zweite Chance nicht zu groß ist und Demut und Respekt nicht zu klein sind.

Werder Bremen: Egal, wie die Relegation endet - im Sommer muss einiges passieren

Egal, wie die Relegation zwischen Werder Bremen und Heidenheim endet – es wird im Sommer sicher an vielen Schrauben gedreht werden müssen, um nicht wieder in eine solche Situation zu geraten. Nicht vergessen: In der Vorsaison hat Werder 22 (!) Punkte mehr geholt und ist nur fünf Zähler hinter einem Platz in der Champions League gelandet. Für ein finales Fazit ist es noch zu früh, aber der Absturz hat sicher Gründe. 

Die Spielintelligenz und Cleverness eines Max Kruse haben Werder Bremen deutlich gefehlt, trotzdem hat es Sinn gemacht, ihn ziehen zu lassen: Werder stehen die finanziellen Mittel nicht zur Verfügung, um einem verdienten Profi einen Rentenvertrag zu geben, bei dem man nicht immer sicher weiß, ob er fit bleibt und auf Jahre die Leistungen bringen kann. Wahrscheinlich ist es auch künftig sinnvoller, junge Spieler holen, die sich in Bremen weiter entwickeln wollen. Das Commitment zur Raute muss dabei noch mehr im Vordergrund stehen.

Werder Bremen-Ex-Profi Sebastian Prödl appelliert: Freut euch zu Hause über die Relegation der Bremer

Ich kann es derweil gar nicht glauben, dass die beiden Relegationsspiele die letzten in der Karriere von Claudio Pizarro sein werden. Irgendwie habe ich gedacht, Pizza spielt sein ganzes Leben lang durch. Er hat sich die Fußballer-Rente wohlverdient, die bei ihm aufgrund seines fortgeschrittenen Alters allerdings um einiges kürzer sein wird. Claudio hat durch seine positive Art so viele Sympathien gesammelt und ein riesiges Netzwerk gespannt, dass ihm alle Türen offen stehen. Ich wäre nicht sonderlich überrascht, wenn er auch gegen Heidenheim noch einmal zur richtigen Zeit am richtigen Ort steht.

Zuletzt noch ein Wunsch an die Werder-Fans: Es ist verständlich, dass die Emotionen mit einem durchgehen, wenn man seinen Club unterstützen will. Aber die Freude könnt ihr auch zu Hause ausleben. In Zeiten wie diesen sollte man nicht seine eigene Gesundheit und die anderer riskieren.

Sebastian Prödl

Zur Person: Sebastian Prödl hat von 2008 bis 2015 insgesamt 149 Bundesligaspiele für Werder bestritten und dabei zehn Tore erzielt. 2009 gewann der Abwehrspieler mit Werder den DFB-Pokal. 2015 wechselte der 32-jährige Österreicher zum FC Watford in die englische Premier League, 2020 ging er nach Italien zu Udinese Calcio. Prödl ist Nationalspieler – und immer mal wieder zu Besuch in Bremen.

Quelle: DeichStube

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