Nach Klassenerhalt gegen Heidenheim

Die Bremer Politik freut sich mit Werder: „1. Liga - da gehört die Mannschaft auch hin“

Bremen ist grün-weiß: Viele Menschen in der Stadt haben vor dem Spiel von Werder Bremen gegen Heidenheim die Raute gehisst - auch das Rathaus.
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Bremen ist grün-weiß: Viele Menschen in der Stadt haben vor dem entscheidenden Spiel von Werder Bremen in Heidenheim  die Raute gehisst - auch das Rathaus.

Bremen – Die grün-weiße Fahne am Bremer Rathaus weht nicht auf Halbmast, die Stadt muss nicht um ihr Aushängeschild und größten Werbeträger trauern. Denn: Der SV Werder Bremen bleibt erstklassig.

Die DeichStube hat den Bundesliga-Klassenerhalt des SV Werder Bremen zum Anlass genommen, bei einigen Spitzenpolitikern des kleinsten deutschen Bundeslandes abzufragen, was die Saison inklusive des finalen Relegations-Krimis bei ihnen ausgelöst hat.

Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) freut sich über den Verbleib in Liga eins, denn „da gehört die Mannschaft auch hin“. Aber nochmal Abstiegskampf sei nicht das, was er sich von der kommenden Saison wünscht. Bovenschulte launig: „Die Steine kann ich gar nicht zählen, die mir nach dem Abpfiff vom Herzen gefallen sind. Ich muss wirklich sagen: So etwas darf die Mannschaft einem älteren Herrn wie mir nicht nochmal antun.“

Für Sport-Senatorin Anja Stahmann (Bündnis 90/Die Grünen) ist indes klar: Werder wertet Bremen auf – aber nur als Erstligist: „Die Wahrnehmung ist eine ganz andere als in der 2. Liga. Da darf man sich nichts vormachen. Kein gesellschaftlicher Bereich kommt da ran. Wenn Bremen nicht als zweitklassig wahrgenommen werden soll, muss Werder auch in Zukunft erstklassig bleiben.“

Carsten Meyer-Heder, Landesvorsitzender der Bremer CDU, analysiert den Klassenerhalt von der sportlichen Seite und prophezeit weitere schwere Monate: „Zur Einschätzung der sportlichen Situation gehört Ehrlichkeit. Das heißt für mich, dass wir nicht gleich wieder die Europa League in den Blick nehmen. Jetzt geht es um einen Neuanfang und Aufbau von unten – so bitter das auch für den Verein und die Fans ist.“

Werder Bremen schafft den Klassenerhalt - Die Statements aus der Bremer Politik

Andreas Bovenschulte, Bremer Bürgermeister, SPD

Bürgermeister Andreas Bovenschulte, SPD:

„Erst kein Pech und dann kam auch noch Glück dazu. Die Steine kann ich gar nicht zählen, die mir nach dem Abpfiff vom Herzen gefallen sind. Ich muss wirklich sagen: So etwas darf die Mannschaft einem älteren Herrn wie mir nicht nochmal antun. Die neue Saison wird hoffentlich besser. Für Europa wird es nicht reichen, aber ein sicherer Mittelfeldplatz ist drin.

Werders Abstieg wäre nicht nur wirtschaftlich ein großer Schaden für die Stadt, sondern vor allem ideell. Der Verein ist der größte Sympathieträger der Stadt direkt nach den Stadtmusikanten. Deshalb freue ich mich in dieser nicht leichten Zeit für die Mannschaft und vor allem für die Fans in Bremen und umzu, dass Werder in der 1. Liga bleibt. Denn, keine Frage: da gehört die Mannschaft auch hin.“

Anja Stahmann, Bremer Sportsenatorin

Anja Stahmann, Sport-Senatorin, Bündnis 90/Die Grünen:

„Man kann Werder nur gratulieren zu dem erzitterten Erfolg nach einer denkbar schwierigen Saison. Ein Nervenkrimi. Bremen hat sich zum Klassenerhalt gezittert, gewackelt. Bis zur letzten Minute. Nach 13 Spieltagen in Folge auf einem direkten Abstiegsplatz hat es gerade noch gereicht. Der Klassenerhalt – fast schon ein Wunder von der Weser.

Ich glaube, auf diese Art von Wunder müssen wir uns nicht dauerhaft einstellen. Ich hoffe, das Team nutzt die Chance, auf allen Ebenen an sich zu arbeiten, um die Saison 2019/2020 ganz schnell vergessen zu machen.

Für die Stadt Bremen ist Werders Verbleib in der 1. Liga ein Gewinn. Die Wahrnehmung ist eine ganz andere als in der 2. Liga. Da darf man sich nichts vormachen. Kein gesellschaftlicher Bereich kommt da ran. Da kann die Schaffermahlzeit nicht mithalten, das Musikfest nicht und auch der Raumfahrt-Standort nicht. Wenn Bremen nicht als zweitklassig wahrgenommen werden soll, muss Werder auch in Zukunft erstklassig bleiben. Und erfolgreicher spielen.“

Carsten Meyer Heder, CDU-Landesvorsitzender in Bremen

Carsten Meyer-Heder, Landesvorsitzender CDU-Bremen:

„Bei mir überwiegt die absolute Erleichterung und die Freude darüber, dass wir uns mit dem Gedanken an Abstieg und seine Auswirkungen erstmal nicht mehr beschäftigen müssen. Werder in der 1. Liga ist für Bremen und mittlerweile auch den gesamten norddeutschen Raum extrem wichtig.

Für die kommende Saison dürfen wir uns aber alle nichts vormachen. Die Leistung hat an vielen Spieltagen nicht gereicht, wir hatten wirklich sehr viel Glück. Und Glück ist nicht planbar und kann weder der Anspruch einer Mannschaft, noch der eines unternehmerisch tätigen Vereins sein. Werder muss für die Zukunft auf vielen Ebenen was tun.

Zur Einschätzung der sportlichen Situation gehört Ehrlichkeit. Das heißt für mich, dass wir nicht gleich wieder die Europa League in den Blick nehmen. Jetzt geht es um einen Neuanfang und Aufbau von unten – so bitter das auch für den Verein und die Fans ist. Der SV Werder muss sich von Grund auf zukunftsfähig aufstellen. Dazu gehören eine gute Jugendarbeit und Karriereplanung. Und da trägt auch die Politik in Bremen eine Mitverantwortung: Wir müssen endlich einen Standort für das Nachwuchsleistungszentrum schaffen. Denn nicht nur Werder muss sich hinterfragen, auch der Senat sollte seine Einstellung zum Verein überdenken.“

Bremens Innensenator Ulrich Mäurer (SPD)

Ulrich Mäurer, Innensenator, SPD:

„Ich habe am Montagabend wie Tausende andere Bremer beide Daumen gedrückt und mitgefiebert. Jetzt freue ich mich mit der Mannschaft und den Fans, dass der Klassenerhalt doch noch geschafft wurde. Eine Wendung, mit der wohl kaum noch jemand gerechnet hätte. Jetzt gilt es, mit neuem Schwung in die neue Saison zu starten. Für das Land Bremen ist der Verein ein unschätzbarer Werbeträger und Identifikationspunkt. Ein Abstieg in die 2. Liga hätte nicht nur finanzielle Folgen für die Wirtschaft gehabt, sondern hätte unweigerlich auch das Image nach draußen verändert.

Was allerdings dem Image unserer Stadt schadet, sind die massiven Verstöße hunderter Fans in der gestrigen Nacht. Kein noch so knappes Fußballergebnis rechtfertigt, dass alle Bedenken in Sachen Corona so hemmungslos über Bord geworfen und zudem Polizeibeamte ohne Skrupel attackiert werden.“ (csa)

Mehr News zum SV Werder Bremen

Party bis nach 5 Uhr morgens: So wild feierte Werder Bremen den Klassenerhalt.

Zur letzten Meldung vom 2. Juli 2020:

Stadt Bremen hisst die Werder-Flagge - und Bürgermeister Bovenschulte macht Mut

Für den SV Werder Bremen geht es am Donnerstagabend um den Klassenerhalt: Das erste von zwei Relegationsspielen gegen den 1. FC Heidenheim steht an.

Vor dem Relegations-Duell zwischen Werder Bremen und dem 1.FC Heidenheim, das um 20.30 Uhr im Weserstadion beginnt, hat sich Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte mit einer Videobotschaft an die Werder-Fans gewandt.

„Nach dem letzten Spieltag bin ich fest davon überzeugt: Werder wird den Klassenerhalt schaffen“, sagte der SPD-Politiker. Und weiter: „Wir alle müssen unsere Mannschaft unterstützen. Nicht am Stadion, aber zu Hause oder in der Kneipe. Allein oder mit Freundinnen und Freunden heißt es Daumen drücken und eins deutlich zu machen: Werder bleibt in der Ersten Liga, denn nur da gehört Werder hin.“ Während seiner kurzen Ansprache hielt der 54-Jährige eine grün-weiße Werder-Flagge in den Händen, die kurze Zeit später vor dem Rathaus gehisst wurde.

Werder Bremen: Glockenspiel spielt „Lebenslang grün-weiß“

Der vom Abstieg bedrohte Bundesligist Werder Bremen wird allerdings nicht nur optisch unterstützt, sondern auch akustisch: Während des gesamten Donnerstags spielt das Glockenspiel in der Böttcherstraße zu jeder vollen Stunde die Vereinshymne „Lebenslang grün-weiß.“

Mehr News zum SV Werder Bremen

Werder Bremen in der Bundesliga-Relegation gegen Heidenheim: So steigt Werder ab – ein Kommentar.

Quelle: DeichStube

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