Werder-Boss schreibt Länderspiel in Bremen und 500000 Euro Stadionmiete ab

Filbry hat keine Hoffnung mehr: „Das tut sehr weh“

Bekäme der Bremer Senat seinen Willen, würden verschärfte Polizeieinsätze rund um Risikospiele im Weserstadion Werder Bremen teuer zu stehen kommen.
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Bekäme der Bremer Senat seinen Willen, würden verschärfte Polizeieinsätze rund um Risikospiele im Weserstadion Werder Bremen teuer zu stehen kommen.

Zell Am Ziller - Jetzt kommt’s knüppelhart für Werder. Der Beschluss des Bremer Senats, die Deutsche Fußball Liga für die Mehrkosten bei Risikospielen zur Kasse zu bitten, hat für den Club die erste, heftige Konsequenz: Die bereits an Bremen vergebene Partie der EM-Qualifikation gegen Gibraltar am 14. November soll in eine andere Stadt verlegt werden. Bis auf weiteres wird es im Weserstadion höchstwahrscheinlich keine Länderspiele mehr geben.

Der Deutsche Fußball-Bund reagiert damit auf die Gesetzesoffensive der Bremer Landesregierung. Die offizielle Bekanntgabe wird für morgen erwartet, wenn das DFB-Präsidium in Frankfurt/Main tagt. „Das halte ich für die ganz genau richtige Antwort“, erklärte der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Alfons Hörmann.

Werder-Boss Klaus Filbry hat auch schon alle Hoffnung fahren lassen und bedauert den Länderspiel-Verlust: „Wir haben uns alle auf die Weltmeister-Mannschaft gefreut. Diese Entscheidung tut sehr weh, sie ist aber nachvollziehbar. Natürlich muss der Verband die Zusammenarbeit mit einem Partner überdenken, der in dieser Weise auf Konfrontation geht.“

Für Werder hat der Entzug auch schmerzhafte finanzielle Folgen – das Länderspiel hätte rund eine halbe Million Euro eingebracht.

Doch damit nicht genug. Hat das Land Bremen mit seinem Beschluss im zu erwartenden Rechtsstreit Erfolg, fehlt Werder – finanziell ohnehin arg beschränkt und in den vergangenen Jahren mit zwei satten Verlusten in der Jahresbilanz (13,9 und 7,9 Millionen Euro) – noch ein dicker Batzen Geld. Die DFL würde die Kosten an den Bundesliga-Club weitergeben. „Die Zeche müsste am Ende Werder zahlen“, sagt Filbry.

Pro Risikospiel, bei dem über 1000 statt wie sonst üblich 200 Polizisten im Einsatz sind, entstehen Mehrkosten von ungefähr 400000 Euro. Normalerweise hat Werder pro Saison zwei dieser Partien im Weserstadion – es sind die Nordderbys gegen Hannover 96 Mitte Dezember und gegen den Hamburger SV Mitte April 2015. „Es können aber auch mehr werden“, erklärt Filbry. Eintracht Frankfurt gehörte in der Vergangenheit auch schon dazu. Bei der Einstufung in brisant oder nicht brisant spielt die Bremer Polizei mit ihrer Einschätzung eine wichtige Rolle.

Ausgehend davon, dass es erhöhte Risiken nur bei den Heimspielen gegen die Nordrivalen gibt, enstünden etwa 800000 Euro Zusatzkosten. Zusammengerechnet mit der Stadionmiete für das Länderspiel ergäbe das 1,3 Millionen Euro. Damit könnte man einen Topverdiener im Team ein Jahr lang bezahlen. Würde Werder die Mindereinnahmen nicht über eine Ticketpreiserhöhung ausgleichen, „hätten wir weniger Geld für unsere Mannschaft“, betont Filbry.

Was den Clubboss besonders ärgert: „Es trifft hier einen Verein, der in Sachen Gewaltprävention und Deeskalation zu den besten der Bundesliga gehört.“ Froh ist der Vorsitzende der Geschäftsführung dagegen über die Ablehnung der Senatsoffensive (siehe auch Text unten) aus Sport und Politik: „Da gibt es eine breite Front – das Land Bremen ist in der Isolation.“

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