Werder-Boss Filbry will das letzte Minus verkünden

„Wir sind nicht klamm“

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Das Weserstadion kostet Werder Bremen viel Geld, aber Klaus Filbry „möchte dieses Stadion direkt in der Stadt nicht gegen eines auf dem Land eintauschen“.

Bremen - Wenn Werder-Boss Klaus Filbry heute Abend in der Sporthalle an der Hemelinger Straße an das Mikrofon tritt, dann wird er einen Abschied verkünden – einen Abschied von den roten Zahlen. Zum letzten Mal sollen die Mitglieder ein Minus verdauen müssen.

Das wird bei unter sechs Millionen Euro liegen. Genaue Zahlen will Filbry erst am Abend nennen, er sagt aber: „Wir haben auf dem Konsolidierungskurs, der mit dem Aufsichtsrat abgesteckt wurde, unsere Ziele erreicht. Stand heute ist am Ende dieses Geschäftsjahres ein ausgeglichenes Ergebnis möglich.“ Die ganz harten Zeiten sollen vorbei sein, Werder wird den Sturz in die Schuldenfalle wohl verhindern.

„Wir sind nicht klamm“, stellt Filbry klar: „Wir gehören auch weiterhin zu den schuldenfreien Clubs der Liga.“ Die Existenz des Bundesligisten sei nicht gefährdet, sämtliche Horrorszenarien seien unbegründet. Die SV Werder Bremen GmbH & Co KG aA verfüge als Konzern immer noch über ein Eigenkapital in Millionen-Höhe. Das wäre allerdings im Sommer fast aufgebraucht gewesen, hätte es keine Spielerverkäufe gegeben. Die Wechsel von Davie Selke (RB Leipzig) und Nils Petersen (SC Freiburg) spülten einige Millionen in die Kassen und konnten noch für das vergangene Geschäftsjahr verbucht werden.

Kommentar zu Filbry

„Wir werden immer ein Verein sein, der einen Transferüberschuss erzielen sollte“, sagt Filbry. Das würde jedoch nicht bedeuten, dass Werder im Winter oder Sommer einen Leistungsträger verkaufen muss. Auch Geschäftsführer-Kollege Thomas Eichin sagt, dass das „nicht im Saisonplan“ stehe. Denn laut Filbry kann sich Werder künftig erstmals seit Jahren wieder aus dem laufenden Geschäft heraus finanzieren. Hauptgrund dafür sei: Der Kader wurde bereinigt und von teuren, aber sportlich eher wertlosen Spielern befreit. Das senkte den Gehaltsetat erheblich, hatte aber auch seinen Preis. Werder musste unangenehme Abschreibungen in der Bilanz vornehmen und zum Teil hohe Abfindungen zahlen. Auch im Fall Robin Dutt. Der Trainer und sein Team waren vor gut einem Jahr entlassen worden.

Dutt und Co. sind Vergangenheit, genauso wie die Fehleinkäufe am Ende der Ära Klaus Allofs. Mit großen Investitionen hatte der Ex-Profi versucht, Werder zurück an die prall gefüllten Geldtöpfe der Champions League zu führen. Das ging schief. Werder fehlten fort-an die Einnahmen aus dem internationalen Geschäft, die hohen Personalkosten blieben aber. Damit jedoch nicht genug. Filbry betont: „Wir haben entschieden, ein Sportverein und kein reiner Fußballverein zu sein. Wir haben entschieden, soziale Verantwortung zu übernehmen. Und wir haben entschieden, an diesem Standort in der Stadt unser Stadion zu haben. Das steckt nun mal in unseren wirtschaftlichen Zahlen drin.“ Filbry verweist dabei auf die Fußball-Frauen in der Bundesliga sowie die Teams in der Tischtennis- und Schach-Bundesliga. Das soziale Engagement lässt sich Werder dem Vernehmen nach eine Million Euro im Jahr kosten. Noch mehr verschlingt das Weserstadion. Fast fünf Millionen Euro soll der Club pro Jahr für Zinsen und Tilgung aufbringen. Dieser Posten sinkt zwar – aber nicht rasant.

Werder muss mit alledem leben – und Filbry will darüber auch nicht klagen. Im Gegenteil: „Wir sind eben ein etwas anderer Verein. Und ich möchte dieses Stadion direkt in der Stadt nicht gegen eines auf dem Land eintauschen. Das ist Werder.“ Das bringe eine hohe Identifikation der Fans mit dem Club. Und das wiederum bringe auch ein großes Interesse der Sponsoren. Durchaus mit Stolz berichtet Filbry von einer Steigerung der Einnahmen im Bereich Werbung. Nur Bayern, Dortmund, Schalke und Hamburg würden in diesem Bereich neben den Werksclubs VfL Wolfsburg und Bayer Leverkusen mehr kassieren als Werder.

„Wir sind auf dem richtigen Weg“, behauptet Filbry. Der 48-Jährige spricht dabei vom Werder-Weg, den er genau vor einem Jahr den Mitgliedern erklärt hat. Mit der Konzentration auf die eigenen Stärken, dem Vertrauen in die eigenen Talente und dem Starkmachen des Wir-Gefühls. Zu großes Risiko lehnt der Clubchef ab: „Den Vernunftsweg werden wir nicht mehr verlassen.“ Er ist ohnenhin davon überzeugt, dass zwischen Platz sieben und 18 das Geld allein nicht entscheidend ist, sondern die Qualität des Trainers, intelligente Transfers, Teamgeist und Ruhe im Verein.

Ruhe, wie sie wahrscheinlich auch heute wieder in der Sporthalle an der Hemelinger Straße demonstriert wird. Denn in den vergangenen Jahren hatten die Mitglieder das fast schon traditionelle Minus quasi klaglos hingenommen. Im vergangenen Jahr waren es fast zehn Millionen Euro, davor acht und davor fast 14. Jetzt sind es „nur noch“ knapp sechs Millionen Euro. Inklusive der Filbry-Ankündigung von schwarzen Zahlen könnte das sogar für eine positive Stimmung sorgen.

kni

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