Werder-Boss Filbry kündigt geringeres Minus und neue Sponsorenverträge an

„Ein einstelliger Tabellenplatz“

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Klaus Filbry wehrt sich gegen die Kritik von Jörg Wontorra: „Vielleicht hat er eine andere Perspektive.“

Aus Zell Am Ziller berichtet Björn Knips - Der Boss ist da – und im Moment hat er auch noch etwas Zeit für die mitgereiste Familie. Doch ab morgen wird Klaus Filbry in Zell am Ziller wohl keine freie Minute mehr haben. Denn Werder hat auch in diesem Jahr seine großen Sponsoren zu einem Workshop ins Zillertal eingeladen.

Da ist natürlich auch Filbry als Vorsitzender der Geschäftsführung stark eingespannt. Vorher nahm sich der 48-Jährige noch Zeit für ein ausführliches Interview, in dem er einige positive Nachrichten wie zum Beispiel ein geringeres Minus in der Bilanz verkündete.

Herr Filbry, Werder hat in Salzburg schon den ersten Titel geholt, dürfen die Fans von weiteren träumen?

Klaus Filbry: Es waren Testspiele, nicht mehr. Aber wie wir dort aufgetreten sind, bestätigt uns zumindest in unserem Weg, den wir letztes Jahr mit Viktor Skripnik und Thomas Eichin eingeschlagen haben. Wir hatten eine Mannschaft mit vielen jungen Spielern auf dem Platz, die ihre Sache gut gemacht hat.

Was erwarten Sie von der Saison?

Filbry: Wir wollen den Werder-Weg mit dem Wir-Gefühl und der Mischung aus jungen und erfahrenen Spielern weitergehen. Unser Ziel ist es, aus der Vorbereitung gut herauszukommen, einen stabilen Start hinzulegen. Alles andere wird man sehen. Aber ich hoffe auf einen einstelligen Tabellenplatz.

Durch den Ausstieg der beiden Topsponsoren Targobank und Tipico fehlen für diese Saison drei Millionen Euro. Sie hatten in absehbarer Zeit Ersatz angekündigt.

Filbry: Wir sind in intensiven Gesprächen und werden vernünftige Lösungen präsentieren. Teile der alten Partnerschaften beinhalteten auch Bandenwerbung, diesen Bereich haben wir bereits kompensiert.

Sie haben kürzlich gesagt, das Einnahme-Potenzial im Sponsoring sei begrenzt.

Filbry: Eine gewisse Steigerung ist immer möglich, aber nicht in einer Größenordnung von drei bis fünf Millionen Euro.

Wenn bei den Einnahmen keine großen Steigerungen möglich sind, wie soll dann das stete Minus in den Bilanzen der vergangenen Jahre jemals ein Ende haben, schließlich haben Sie die Ausgaben schon gekürzt.

Filbry: An den Ausgaben haben wir zuletzt extrem gearbeitet. Da haben wir unsere Hausaufgaben gemacht. Dennoch sind wir in allen Bereichen auf und neben dem Platz konkurrenzfähig. Jetzt sehen wir, ob die Saat aufgeht, ob sich etwas entwickelt. Der sportliche Erfolg verbunden mit Wertsteigerungen der Spieler und mehr TV-Einnahmen und der damit steigenden Attraktivität für Partner aus der Wirtschaft sind dabei der größte Hebel.

Das Weserstadion gilt durch die hohen Kosten schon als Sargnagel für Werder, warum sind die Belastungen ausgerechnet in Bremen so hoch?

Filbry: Viele Stadien der Konkurrenz wurden im Zuge der WM 2006 saniert – und das zum großen Teil mit öffentlichen Mitteln. Alles, was wir in Bremen gemacht haben, leistet Werder zu 100 Prozent. Unser Umbau war teuer, aber auch sinnvoll, weil auch Mehreinnahmen generiert wurden. Es wurde damals mit europäischen Einnahmen geplant, die sind seit einigen Jahren weggefallen. Deswegen ist das Stadion eine Belastung.

Kann das Stadion zu einer wirtschaftlichen Gefahr für den Club werden?

Filbry: Das glaube ich nicht, aber wir müssen achtsam sein.

Was heißt achtsam?

Filbry: Wenn wir absteigen würden, dann würde es natürlich schwieriger.

Jörg Wontorra hat sich via „Bild“ als Moderator zwischen Werder und mittelständischen Unternehmern angeboten, die seiner Meinung nach bereit wären, 20 Millionen Euro in den Club zu pumpen. Haben Sie ihn schon angerufen?

Filbry: Wir wissen, dass er ein Riesen-Werder-Fan ist und freuen uns über alle Gedanken, die uns weiterhelfen können. Wenn er als alteingesessener Bremer über unsere Aktivitäten hinaus noch einen anderen Zugang zur Bremer Wirtschaft hat, dann freuen wir uns auf sein Engagement. Wir schicken niemanden mit guten Kontakten weg.

Er hat Ihnen aber auch vorgeworfen, dass Sie sich um dieses Klientel zu wenig kümmern und sich zu wenig in den einschlägigen Kreisen zeigen.

Filbry: Vielleicht hat er eine andere Perspektive. Das ist in Ordnung. Er ist nicht jeden Tag bei uns, um das selbst einschätzen zu können. Wir sind überzeugt, dass wir in Bremen und der gesamten Region sehr umtriebig sind. Es geht ja auch um Teamarbeit. Mit meinen Geschäftsführerkollegen und mit unserem engagierten Marketing-Team bin ich jeden Tag für Werder unterwegs. Unterstützung erhalten wir auch von Marco Bode und seinen Aufsichtsratskollegen. Aber darüber können wir uns sicher noch austauschen.

Was würde es für den Verein bedeuten, wenn der Vertrag Ihres Geschäftsführer-Kollegen Thomas Eichin vom Aufsichtsrat nicht verlängert wird?

Filbry: Ich würde mich freuen, wenn verlängert wird. Und ich gehe davon aus, dass verlängert wird.

Was macht Sie da so sicher?

Filbry: Weil ich mit beiden Seiten spreche. Sie sind in guten, konstruktiven Gesprächen.

Sie sprechen immer vom Konsolidierungskurs – wann wird der vorbei sein?

Filbry: Sagen wir mal so: Ich gehe davon aus, dass wir den Weg der wirtschaftlichen Vernunft nicht wieder verlassen. Wir haben hinter den Kulissen einiges bewegt und suchen immer nach Verbesserungen, wir investieren in die Mannschaft und tätigen Transfers wie den von Anthony Ujah. Wir hoffen, dass wir in den nächsten Jahren wieder wirtschaftlich gesund dastehen, obwohl wir das eigentlich auch schon jetzt tun. Wir haben immer noch ein positives Eigenkapital und keine Schulden.

Klaus-Dieter Fischer hat allerdings auf der Mitgliederversammlung im November angekündigt, dass das Eigenkapital durch das zu erwartende Minus zum 30. Juni aufgebraucht sein wird. Hat Ihr Ex-Geschäftsführer-Kollege etwa nicht Recht behalten?

Filbry: Das ist nicht die Frage. Er hat die Notwendigkeit der wirtschaftlichen Vernunft unterstreichen wollen. Aber er wollte damals sicher keine ernsthafte Prognose zur Bilanz abgeben. Ich gehe davon aus, dass wir auch nach diesem Geschäftsjahr auf ein positives Eigenkapital verweisen können. Es ist ja noch einiges danach passiert.

Sie meinen den Transfer von Davie Selke nach Leipzig. Aber wenn die Selke-Millionen die Bilanz gerettet haben, bedeutet das nicht, dass auch in dieser Saison ein großer Verkauf erforderlich ist?

Filbry: Jetzt warten wir erst einmal ab, wie unsere Gespräche mit Sponsoren verlaufen und was aus Eljero Elia und Ludovic Obraniak wird.

Also muss Franco Di Santo in diesem Sommer nicht verkauft werden?

Filbry: Wenn wir das müssten, dann hätten wir ihm kein Angebot für eine Vertragsverlängerung gemacht.

Auf was freuen Sie sich am meisten in dieser Saison?

Filbry: Ich freue mich darauf, dass wir diesen leidenschaftlichen Fußball, den wir vergangene Saison zeitweise gespielt haben, konsequent fortführen. Dann wird es allen Spaß machen, ins Stadion zu kommen.

Wirkt sich dieser Fußball positiv auf das Geschäft aus?

Filbry: Ja. Der Bandenbereich ist fast ausvermarktet. Wir haben so wenige Kündigungen bei den Dauerkarten wie noch nie, und die Warteliste ist so lang wie noch nie. Im Hospitality-Bereich gibt es eine größere Nachfrage. Und im Sponsoring haben wir mit einigen großen Sponsoren gute Gespräche geführt und Verträge schon langfristig verlängert.

Also bleibt Wiesenhof auch nach Vertragsende in einem Jahr auf der Werder-Brust.

Filbry: Zu gegebener Zeit werden wir uns dazu äußern.

Training am Montagvormittag

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