Werder-Boss Filbry erklärt China-Trip

„Wir wollen Geld verdienen“

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Noch eben ein Gruppenfoto – und los geht’s: Der Werder-Tross gestern kurz vor dem Abflug nach Istanbul. Von dort ging es weiter nach Peking.

Bremen - Klaus Filbry wollte den SV Werder schon immer in die große weite Welt bringen. Aber nur einmal hat es bislang geklappt: beim Trainingslager im Januar 2010 in Dubai. Vier Jahre später folgt nun Teil zwei der Bremer Weltweitvermarktung. Werder startete gestern angeführt vom 47-jährigen Clubchef das Abenteuer China. Warum es mit dieser Art Geschäftsreise zuletzt nicht geklappt hat, was Werder in China vorhat und um wie viel Geld es bei dieser achttägigen Reise geht, verrät Klaus Filbry im Interview.

Herr Filbry, wie oft waren Sie schon in China – und worauf müssen sich die Werder-Profis dort einstellen?

Klaus Filbry: Ich war bisher zwei Mal da. Man muss sich vor allem auf viele Menschen einstellen – und bei unserer Reise auf drei völlig unterschiedliche Städte. Changchun ist eine Industriestadt. Tianjin ist sehr schön mit viel Wasser. Am Ende sind wir noch einen Tag in Peking mit vielen kulturellen Höhepunkten. Damit ist es durchaus eine Reise, die für den einen oder anderen eine Horizonterweiterung bedeuten dürfte.

Also das totale Kontrastprogramm zu Norderney, wo Werder in der Vergangenheit immer das erste Sommer-Trainingslager aufgeschlagen hat.

Filbry: Natürlich. Aber wir sind auch dort, um zu spielen und die Vorbereitung zu beginnen. Die Mannschaft wird intensiv trainieren.

Wird die Luftverschmutzung in Changchun da nicht zum Problem?

Filbry: Das wird sich zeigen, aber in Changchun sind wir nur für ein Training und für ein Spiel. In Tianjin sollte alles okay sein.

Was ist das Hauptziel der Reise?

Filbry: Erstens wollen wir Geld verdienen. Zweitens geht es darum, in Zusammenarbeit mit der Deutschen Fußball Liga (DFL) die Bundesliga im Ausland bekannter und über Werder Bremen anfassbarer zu machen. Und drittens möchten wir neue Sponsorenkontakte aufbauen, wie es uns zum Beispiel mit Turkish Airlines schon gelungen ist. Wir wollen vor Ort chinesische, aber auch deutsche Unternehmen kennenlernen. So steht eine Stippviste bei Airbus auf dem Programm. Airbus ist noch kein Partner bei uns.

Ist Airbus wirklich als Sponsor denkbar?

Filbry: Das wird sich zeigen. Es geht erst einmal darum, die Tür aufzumachen. Beim Deutschen Milchkontor (DMK) ist uns das schon gelungen. DMK ist zum Beispiel ein Sponsor dieser Reise. Vielleicht entwickelt sich daraus noch mehr.

Werden Sie vor Ort Sponsorenverträge abschließen?

Filbry: Das denke ich nicht. Aber es wird Gespräche geben. Zum Beispiel mit Teda, der Kontakt ist über die Bremer Wirtschaftsförderung entstanden. Wir werden in Tianjin einen Gala-Abend veranstalten, zu dem zahlreiche Unternehmen eingeladen sind.

Hat Werder schon Sponsoren aus China?

Filbry: Unser Sponsor SigSolar aus Stuhr befindet sich in einer Partnerschaft mit einem chinesischen Unternehmen aus der Solarbranche. Und wir führen gerade Gespräche mit einem Elektronikkonzern aus China.

Werder goes China: Zwischenstopp in Istanbul

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Sie haben gesagt, dass Werder in China vor allem Geld verdienen möchte. Geht es um die kolportierten 500000 Euro?

Filbry: Das kommt ungefähr hin. Wir bekommen ein Antrittsgeld, wir erhalten Geld von der DFL und von Partnern der Reise.

500 000 Euro klingen gut – warum hat Werder so eine lukrative Reise nicht schon früher gemacht?

Filbry: Einmal wollten wir in die USA, standen aber im Abstiegskampf und wussten nicht, ob wir zum Zeitpunkt der Reise vielleicht bereits in der 2. Bundesliga spielen mussten. Und Japan musste wegen der Fukushima-Katastrophe abgesagt werden.

Ist für den Winter die nächste Reise dieser Art geplant?

Filbry: Nein. Es muss auch immer in die sportliche Vorbereitungszeit passen. Jetzt geht es gut, weil das Zeitfenster im Sommer durch das frühe Ende der vergangenen Saison und den späten Start der neuen Spielzeit sehr groß ist. So eine Reise macht ohnehin mehr Sinn, wenn man international spielt, weil dann die Bekanntheit einfach größer ist. Jetzt haben wir das Glück, dass wir international immer noch einen sehr guten Namen haben. Und wir haben Spieler wie Clemens Fritz, Sebastian Prödl, Zlatko Junuzovic oder auch Eljero Elia, die eine internationale Reputation genießen.

Wie wichtig ist die Auslandsvermarktung für die Bundesliga?

Filbry: Sehr wichtig. Als ich 2010 zu Werder gekommen bin, lagen die Einnahmen der Liga aus der Auslandsvermarkung bei 44 Millionen, jetzt sind wir schon bei über 100 Millionen – und ich bin mir sicher, dass wir in den nächsten zwei Jahren die 150-Millionen-Marke knacken werden. Das ist sicher einer der Bereiche, der für die Bundesliga noch hohe Wachstumspotenziale hat.

In welchen Ländern sehen Sie die besten Chancen?

Filbry: Die DFL hat elf strategische Märkte definiert. Die wichtigsten Märkte sind China, Japan, USA, Südafrika, der Mittlere Osten und Indien.

Kann man in China Bundesliga-Fußball gucken?

Filbry: Ja, es gibt einen Vertrag mit dem größten chinesischen Sender. Dort werden regelmäßig Spiele live übertragen und Zusammenfassungen gezeigt.

Gibt es in China Werder-Trikots zu kaufen?

Filbry: Nein. Für Nike besitzt es im Moment keine Priorität, außerhalb von Deutschland Werder-Trikots zu verkaufen. Wenn wir international spielen würden, wäre das sicherlich anders.

Vor zehn Jahren hat sich der SV Werder gerühmt, seine Internetseite auf Chinesisch anzubieten. Warum gibt es das nicht mehr?

Filbry: Das ist schon vor meiner Zeit aus Kostengründen eingestellt worden. Die Nachfrage war damals relativ gering. Aber damals hat sich die Bundesliga dort ja auch kaum gezeigt. Jetzt hat ein Umdenken stattgefunden. Es ist nun in allen Köpfen drin, dass Auslandsvermarktung ein ganz wichtiges Thema ist. Ich gehe davon aus, dass wir in ein paar Jahren wieder Internetseiten in den entsprechenden Sprachen anbieten werden.

Die Premier League kassiert 750 Millionen Euro aus der Auslandsvermarktung. Warum sind die Engländer so weit voraus?

Filbry: Sie haben viel früher angefangen und waren sehr aktiv. Außerdem hilft ihnen die Sprache. Für die Bundesliga geht es nur über den sportlichen Erfolg – und zwar in der Champions League. Dann müssen die Vereine raus und sich zeigen. Wir können die Lücke zu England sicher nicht schließen, aber wir können sie wesentlich kleiner machen.

Zurück zu Werder: Wäre es bei so einer Reise aus Image- und Marketinggründen nicht hilfreich, einen chinesischen oder zumindest asiatischen Spieler im Kader zu haben?

Filbry: Selbstverständlich wäre das toll, wenn wir einen chinesischen oder asiatischen Spieler hätten. Aber es hat sich noch keiner aufgedrängt. Für Leverkusen war die Verpflichtung des Südkoreaners Heung-Min Son ein Glücksfall, dadurch wurde sogar ein neuer Hauptsponsor gefunden. Das ist für einen Marketingmann natürlich ein Traum. Aber wir werden sicher keinen Chinesen oder Japaner verpflichten, nur um diese Märkte zu erschließen. Man muss die nötige Qualität, die auch finanziell machbar ist, finden. Das ist uns bis dato nicht gelungen.

Hat Werder den asiatischen Raum beim Scouting zu sehr vernachlässigt?

Filbry: Klaus Allofs hat sein Hauptaugenmerk nach Absprache mit Thomas Schaaf sicher woanders gehabt. Jetzt sind wir aber auch in Japan unterwegs, haben dort seit einem Jahr einen Kooperationspartner und sind mit einem Scout regelmäßig vor Ort. Ich hoffe, dass sich das bald auszahlen wird.

Was heißt Kooperationspartner?

Filbry: Das ist eine Organisation, die eine Fußballschule ins Leben gerufen hat und Spieler weiterentwickelt. Darauf haben wir dann einen Zugriff.

Zurück zu China: Haben Sie kein schlechtes Gewissen, für Ihren Club ausgerechnet dort anzutreten, wo die Menschenrechte und die Pressefreiheit keine Rolle spielen? Und werden Sie diese Themen vor Ort in den Gesprächen mit den Offiziellen ansprechen?

Filbry: Wir sind keine Politiker. Es gibt von der Bundesregierung immer wieder Bestrebungen, auf diese Missstände hinzuweisen – und das ist auch richtig so. Aber wir sind dort, um Fußball zu spielen. Und darauf freuen wir uns.

kni

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