Werder blickt in den Abgrund

Die Perspektive täuscht: Sportchef Klaus Allofs (re.) ist nach dem 0:4-Debakel von Gelsenkirchen nicht von Trainer Thomas Schaaf abgerückt – der Werder-Boss hat dem Coach vielmehr noch einmal demonstrativ den Rücken gestärkt.

Von Arne Flügge (Eig. Ber.) · Das hatte schon Symbolkraft: Auf der Rückfahrt von Gelsenkirchen am späten Samstagabend setzte der Werder-Bus auf der Autobahn den Blinker. Doch immer wieder rauschten von hinten Autos heran. Der Bus steckte fest. Das verzweifelte Anliegen, endlich auf die Überholspur zu kommen, misslang.

Wenige Stunden zuvor hatten die Profis von Werder Bremen vergeblich versucht, endlich aus der Krise zu kommen und in die Erfolgsspur zurückzufinden. Stattdessen erlebten sie aufgrund eines tölpelhaften und trotteligen Defensivverhaltens ein neuerliches Debakel. Und die Art und Weise, wie die 0:4-Klatsche beim FC Schalke 04 zustande gekommen war, ist so Besorgnis erregend, dass sich der einstige Titelkandidat seit Samstag mit einem ganz anderen Thema beschäftigen muss: dem Abstiegskampf.

Deutliche Niederlage auf Schalke

Deutliche Niederlage auf Schalke

„Ich habe das Wort Abstiegsgefahr nicht groß auf die Tafel geschrieben“, berichtete Werder-Sportchef Klaus Allofs, nachdem er und Trainer Thomas Schaaf der Mannschaft gestern Morgen während einer 57-minütigen Krisensitzung wieder einmal die Leviten gelesen hatten. „Aber wir sind keine Träumer“, fuhr der Werder-Boss fort, „wir brauchen nicht mehr von der Champions League zu reden.“

Der Tabellenkeller ist bedrohlich nahe gekommen. Vier Punkte trennen Werder nur noch vom Relegationsplatz. „Wir sind ziemlich dicht dran, da unten wird es eng“, räumte Allofs ein, ohne aussprechen zu wollen, dass sich seine Mannschaft jetzt im Kampf um den Klassenerhalt befindet. Das tat Aaron Hunt für ihn. „So, wie wir im Moment auftreten, spielen wir gegen den Abstieg“, erklärte der Mittelfeldspieler: „Wenn du reihenweise Tore kassierst und keine schießt, dann ist das so. Obwohl ich eigentlich davon überzeugt bin, dass wir da unten nichts zu suchen haben.“ Doch diese Überzeugung, so Allofs, „bewahrt uns nicht davor, das Ganze im Blick zu haben. Wir malen jetzt aber nicht den Teufel an die Wand.“

Krisensitzung und Training am Sonntag

Krisensitzung und Training am Sonntag

Ruhe bewahren, lautet also weiterhin das Bremer Credo, auch wenn’s im Umfeld rumort, die Art der Krisenbewältigung durch die sportliche Leitung immer mehr in die Kritik gerät. Denn keine von den bislang getroffenen Maßnahmen hat die gewünschte Wirkung erzielt. Im Gegenteil: Die Mannschaft spielt sogar noch schlechter. Werder blickt nach 13 Spieltagen in den sportlichen Abgrund. „Wie das wahrgenommen wird, ist mir so ziemlich egal“, fauchte der Werder-Boss, „wir machen weiterhin das, was wir für sinnvoll halten und was wichtig ist für die Entwicklung von Werder.“

Die Noten der Werder-Spieler

Die Noten zum Spiel Schalke 04 - Werder Bremen

Und dazu gehöre auch, an Thomas Schaaf festzuhalten. „Es gibt für mich keinen besseren Trainer für Werder, ich wüsste keinen, der akribischer arbeitet. Wenn wir handeln würden, so würde das aus einem gewissen Druck heraus entstehen und nicht aus Überzeugung.“ Nicht über den Trainer zu sprechen, so der 53-Jährige, würde aber nicht heißen, dies prinzipiell bei Werder nicht zu tun. Allofs: „Wenn in einem Gremium die Meinung herrscht, etwas zu verändern, dann ist das kein Tabu-Thema.“ In der Trainerfrage sei die Geschäftsführung zuständig, für die Geschäftsführer der Aufsichtsrat. Einen Freifahrtschein in alle Ewigkeit gebe es somit auch in Bremen nicht – weder für den Trainer noch für den Clubchef. „Wir sind alle immer auf dem Prüfstand“, sagte Allofs, dessen Einkaufspolitik zuletzt scharf kritisiert worden war.

Doch Trainer und Sportchef, meinte Aaron Hunt, „sind nicht das Problem. Wir als Mannschaft sind es.“ Im Klartext: Der Teamgeist ist futsch. „Natürlich ist nicht alles super“, räumte der Nationalspieler Differenzen innerhalb der Mannschaft ein: „Wenn alles super wäre, würden wir jetzt an erster Stelle stehen und wären in der Champions League durch.“

Doch die Realität sieht anders aus. „Nach einem Rückstand läuft nichts mehr, dann brechen wir völlig auseinander“, seufzte Hunt und spielte auf das 1:0 der Schalker durch Christoph Metzelder (22.) an. Anschließend brachen alle Dämme – und Raul demütigte die Bremer noch mit einem Dreierpack (45.+1/56./71.) zum 4:0-Endstand. „Wir müssen uns endlich als Mannschaft zusammenraufen“, forderte Hunt, „jeder muss für jeden da sein. Dann finden wir auch wieder in die Spur.“ Geduld ist also weiter gefragt. Und die zahlt sich manchmal aus. Der Werder-Bus jedenfalls fand am Samstag – wenn auch spät – doch noch eine Lücke zum Überholen . . .

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