Schalkes Naldo glaubt nicht an Abstiegskampf des Ex-Clubs

„Werder ist besser als letztes Jahr“

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Naldo hat wieder gut lachen: Bei und mit seinem Verein Schalke 04 läuft es inzwischen deutlich besser – und dann freut sich der der 34-jährige Brasilianer auch noch besonders auf das Wiedersehen mit seiner alten Liebe Werder Bremen. 

Gelsenkirchen - Von Malte Rehnert. Das erste Revierderby, dann das Wiedersehen mit den beiden Ex-Clubs Bremen und Wolfsburg: Schalkes Innenverteidiger Naldo (34) erlebt gerade „Highlight-Wochen“ und ist nach anfänglichen Schwierigkeiten beim neuen Club rechtzeitig wieder in guter Form.

Donnerstagabend (21.05 Uhr) trifft er in der Europa League zudem auf seinen Namensvetter. Im Interview blickt der Brasilianer auf diese besonderen Begegnungen. Er glaubt, dass der nächste Gegner Werder (Sonntag, 17.30 Uhr), für den er sieben Jahre lang spielte, trotz der erneut misslichen Lage kein Abstiegskandidat ist. Er wundert sich über den Trainer-Rauswurf in Wolfsburg. Und er prophezeit dem Ex-Bremer Franco Di Santo eine gute Zukunft auf Schalke.

Naldo, beginnen wir mit einem kurzen Blick zurück. Am Samstag haben Sie Ihr erstes Revierderby gegen Dortmund bestritten. Wie war’s?

Naldo: Sehr, sehr gut. Wir haben gut gespielt. Zu null in Dortmund, das ist wahrlich nicht einfach.

Und die Atmosphäre?

Naldo: Überwältigend. Ich habe schon vor dem Spiel gemerkt, dass richtig viel los ist. Auf dem Platz dann noch mehr. Ich hatte gleich die Nordderbys damals mit Werder gegen den HSV im Kopf. das waren auch immer ganz besondere Spiele mit ganz besonderer Stimmung. Die Rivalität in diesen Derbys kann man schon vergleichen.

Für Schalke geht es heute gleich weiter mit dem Europa-League-Heimspiel gegen FK Krasnodar. Beim russischen Gegner spielt ja auch ein Brasilianer in der Innenverteidigung...

Naldo: (schmunzelt) Ja, ich weiß. Der andere Naldo. Das ist schon lustig. Ich habe noch nie gegen jemanden gespielt, der so heißt wie ich. Den Namen gibt es nicht so oft.

Kennen Sie ihn persönlich?

Naldo: Nein, noch nicht. Ich weiß, dass er in Brasilien und Portugal gespielt hat. Aber beim Hinspiel war er verletzt. Jetzt ist er dabei, denke ich. Wir werden uns sicher ein bisschen unterhalten.

Und nach dem Spiel die Naldo-Trikots tauschen?

Naldo: (lacht) Warum nicht? Eine gute Idee. Wenn es möglich ist, machen wir das.

Was trauen Sie Schalke in der Europa League zu?

Naldo: Es sieht sehr gut aus, wir haben die ersten drei Spiele alle gewonnen. Wenn wir auch Krasnodar noch mal schlagen, sind wir weiter.

Sie haben noch keinen internationalen Vereinstitel geholt. Wie groß ist der Traum – und wie realistisch ist es, in dieser Saison mit Schalke zu triumphieren?

Naldo: Natürlich wäre das toll. Ich war ja mit Werder schon mal ganz nah dran (2009 gab es im Finale des Uefa-Cups ein 1:2 nach Verlängerung gegen Schachtjor Donezk, d. Red.). Aber wir müssen immer Schritt für Schritt gehen, das gilt übrigens auch für die Bundesliga. Den ersten können wir gegen Krasnodar machen, dann überwintern wir in der Europa League. Aber mehr kann ich nicht sagen, denn es sind noch so viele Super-Mannschaften dabei. Es ist ein langer Weg.

Ein sehr steiniger Weg ist für Schalke bisher die Bundesliga, der Start war mit fünf Niederlagen katastrophal. Warum?

Naldo: Es liegt auch daran, dass sich bei Schalke so viel verändert hat. Viele neue Spieler, neuer Trainer, neuer Manager. Fast alles neu. Das muss sich finden. Aber jetzt sind wir endlich in der Spur. Man sieht, dass wir eine richtig gute Mannschaft haben.

Sie selbst hatten zu Beginn auch Probleme, waren längst nicht so souverän, wie man Sie kennt.

Naldo: Ich bin eben auch neu hier und musste mich eingewöhnen. Dass es in den Medien viel Kritik gab, war eine schwierige und neue Situation für mich. Ich war selbst auch unzufrieden mit meinen Leistungen. Aber jetzt fühle ich mich sehr gut, bin topfit – und freue mich, dass der alte Naldo wieder da ist.

Zuletzt hat Schalke in der Liga zwei Mal zu null gespielt. Die Abwehr, in der Sie meistens mit Matija Nastasic verteidigen, steht immer besser.

Naldo: Ja, das Zusammenspiel klappt prima. Matija ist ein junger, richtig guter Spieler. Wir unterstützen uns, stimmen uns gut ab. Ich mag ihn so gerne. Beim Training und in der Kabine reden wir viel. Das ist auch wichtig, weil wir uns auf dem Platz aufeinander verlassen müssen.

Naldo und das Abenteuer Bundesliga

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Beim SV Werder Bremen begann Naldo seine Bundesliga-Karriere. Das erste Pflichtspiel für Werder und in der Bundesliga war am ersten Spieltag der Saison 2005/06. Bremen gewann 5:2 gegen Arminia Bielefeld. © imago
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Naldo bildete mit Per Mertesacker ein Traumduo in Werders Innenverteidigung. Zusammen machten Sie auch in der Champions League auf sich aufmerksam. © nordphoto
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Bei Freistößen ließ selbst Diego (r.) dem 1,98-Meter-Hünen oft mal den Vortritt. Naldo hat einen Hammer wie kaum jemand in der Bundesliga. © nordphoto
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2007 gewann Naldo seinen ersten Titel - die Copa America mit Brasilien. © i mago
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Den ersten großen Triumph auf nationaler Ebene bejubelte Naldo am 30.05.2009. Mit Werder holte er den DFB-Pokal. Im gleichen Jahr stand er auch im Finale des Uefa-Cups, verlor aber trotz eines eigenen Treffers gegen Schachtar Donezk. © imago
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2012 wechselte Naldo zwar nicht die Vereinsfarben, Bremen verließ er allerdings für rund fünf Millionen Euro in Richtung Wolfsburg. © nordphoto
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Nach dem Sieg im DFB-Pokal-Finale 2015 verpasste der Spaßvogel (mit Vierinha) Trainer Dieter Hecking obligatorische Bierdusche. © nordphoto
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Im Sommer 2016 verließ er die „Wölfe“ ablösefrei und ging zu Schalke 04. Auch dort wurde er in Windeseile zum Publikumsliebling. Gerade in der Saison 2017/2018 blühte Naldo nochmal richtig auf und... © imago
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... gehört zu den besten Verteidigern der Liga. Einen besonderen Auftritt hatte er im Revierderby gegen Borussia Dortmund: Nach 0:4 zur Pause holte Schalke sensationell auf - Naldo köpfte in der Schlussminute zum 4:4 ein. © imago

Aus dem Norden in den Ruhrpott: Wie haben Sie sich privat eingewöhnt?

Naldo: Es läuft. Ich habe eine Wohnung in Düsseldorf, bis zum Stadion ist es nur eine halbe Stunde. Was mir fehlt, ist die Familie. Die ist noch in Wolfsburg, kommt aber im Januar. Die Kinder gehen hier dann auf eine internationale Schule, die nur drei Minuten entfernt ist. Das passt perfekt.

Sprechen wir über Werder. Am Sonntag gibt es das Wiedersehen mit der alten Liebe. Wie besonders sind diese Duelle noch für Sie?

Naldo: Sehr speziell, jedes Mal. Werder bleibt immer in meinem Herzen. Wenn ich Zeit habe, schaue ich jedes Spiel und drücke die Daumen.

Wie heiß sind die Drähte nach Bremen?

Naldo: Ich habe nach wie vor Kontakt zu Clemens Fritz und Zlatko Junuzovic. Auch zu Claudio Pizarro und Max Kruse, den ich aus Wolfsburg kenne.

Mit einem Schalker Sieg können Sie Werder distanzieren und die Sorgen ihres Ex-Clubs noch vergrößern. Ein schlechtes Gefühl?

Naldo: Nein. Ich spiele jetzt bei Schalke und will immer gewinnen. Und wir brauchen auch Punkte.

Werder steckt schon wieder im Abstiegskampf. Gibt es die nächste Zittersaison?

Naldo: Das glaube ich nicht. Werder ist besser ist als letztes Jahr, da bin ich mir sicher. Sie werden nicht absteigen. Das ist eine gefährliche Mannschaft, die nach vorne spielt. Da muss man immer aufpassen. Und der neue Trainer Alexander Nouri macht es super, mit sehr viel Herz. Aber klar: Sie haben in dieser Saison auch großes Verletzungspech. Pizarro zum Beispiel oder Kruse – das sind vorne ganz wichtige Leute.

Die schon seit Monaten fehlen. Und ihre Tore auch. Wie groß ist – ohne dieses Duo – Ihr Respekt vor der Bremer Offensive?

Naldo: Respekt habe ich immer. Man darf auch nicht vergessen, dass Werder vorne zum Beispiel Serge Gnabry hat, einen schnellen Spieler mit gutem Torabschluss. Auf den müssen wir aufpassen, auf die anderen aber auch.

Ein ehemaliger Bremer Stürmer spielt inzwischen mit Ihnen auf Schalke. Franco Di Santo saß oft auf der Bank, ist noch nicht durchgestartet. Wie erleben Sie ihn aktuell?

Naldo: Er hat überragend gespielt gegen Mainz, zwei Tore vorbereitet. Seit zwei, drei Wochen ist er wieder der Alte. Nur weiter so. Auch gegen Dortmund ist er ohne Ende marschiert.

Aber getroffen hat er in dieser Saison noch gar nicht.

Naldo: Ihm fehlt ein Tor, das stimmt. Aber das wird kommen, ganz sicher.

Hat er wegen der langen Verletzungspausen von Klaas-Jan Huntelaar und Breel Embolo jetzt eine große Chance, sich zu präsentieren?

Naldo: Das kann man so sagen. Franco wird öfter spielen und noch sehr wichtig für uns werden.

Nach dem Werder-Spiel folgt die Länderspielpause. Dann geht es zum VfL Wolfsburg, Ihr nächster Ex-Club. Wie emotional sind diese Wochen gerade für Sie?

Naldo: Schon sehr emotional. Es sind Highlight-Wochen für mich. Auch das erste Spiel gegen Wolfsburg nach meinem Wechsel wird ein ganz besonderes. Wenn ich Fans treffe, sagen die immer: ,Komm’ doch zurück’. Das ist schön zu hören.

Warum sind Sie denn weggegangen?

Naldo: Die Geschichte ist schon erledigt für mich. Ich kann sagen, dass Christian Heidel (Schalkes neuer Sportchef, d. Red.) mich gleich im ersten Gespräch total überzeugt hat. Und jetzt merke ich, dass hier alles so ist, wie er es mir versprochen hat.

Noch mal kurz zurück zum VfL: Warum ist Wolfsburg (Platz 16) so schlecht gestartet?

Naldo: Die Vorbereitung war turbulent. Viele Spieler haben gesagt, dass sie wegwollen. Nach dem Sieg im ersten Spiel hat man vielleicht gedacht, dass es von alleine läuft. Dass es nicht so war, ist nicht immer die Schuld des Trainers.

VfL-Coach Dieter Hecking ist inzwischen entlassen worden.

Naldo: Ja, und ich war geschockt, dass es so früh passiert ist. Wir verstehen uns sehr gut, haben danach auch lange miteinander telefoniert. Wir bleiben in Kontakt, mit Thomas Schaaf (seinem damaligen Trainer bei Werder, d. Red.) ist es genauso.

In Bremen und Wolfsburg haben die Stadionsprecher Sie bei der Mannschaftsaufstellung immer mit einem „Na-Na-Na-Naldo“ angekündigt. Wie es es auf Schalke?

Naldo: Genauso. Ich wurde gefragt, ob es okay ist. Sehr gerne, habe ich gesagt. Ich habe mich inzwischen daran gewöhnt und kann mir gar keine andere Ansage mehr vorstellen (lacht).

Sind Sie denn auf Schalke auch schon ein Publikumsliebling?

Naldo: Puh, das weiß ich nicht. Ich bin doch erst so kurz hier.

Aber den Club kennen Sie schon ein bisschen näher. Was macht den besonderen Reiz bei Schalke aus?

Naldo: Die Fans sind der Wahnsinn. Egal, ob auswärts oder zu Hause. Sie sind tierisch laut. In Dortmund waren es 8 000 – und die hat man mehr gehört als die vom BVB. Und vor dem Derby waren 4 000 Fans beim Training. Unglaublich.

Sind die Schalke-Fans denn besser als die Bremer oder Wolfsburger?

Naldo:(schmunzelt)  Da mache ich keinen Unterschied. Alle Fans sind super. Sie geben alles für ihren Verein, das finde ich toll.

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