Werder besiegt Changchun mit 1:0 / Garcia trifft / Besuch beim Milliardär

Gekreische beim ersten Pott

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Ein Hauch von Champions League: Sowohl der Pokal, den Clemens Fritz entgegen nahm, als auch die Konfetti-Zeremonie erinnerten an den großen Wettbewerb. Werder hatte zwar „nur“ ein Spiel gewonnen – aber immerhin schon mal den ersten „Pott“ der Saison geholt.

Changchun - „Da ist das Ding“, tönte Robin Dutt, kurz bevor Werder-Kapitän Clemens Fritz den nicht gerade kleinen Pokal nach dem Gewinn der „China-German International Football Challenge“ im Jingkai Stadium von Changchun in die Höhe stemmte. Es war scherzhaft gemeint vom Bremer Coach. Schließlich hatte ein einziger 1:0 (0:0)-Sieg gegen den chinesischen Erstligisten Changchun Yatai für den ersten Pott der Saison gereicht. Aber die gute Laune des Trainers war durchaus echt, denn er hatte eine ordentliche Leistung gegen einen guten Gegner in einer interessanten Atmosphäre erlebt.

Okay, das Stadion war bei weitem nicht voll. Nur 3500 Zuschauer waren gekommen, um deutschen Fußball zu sehen. Aber sie machten Rabatz. Wobei die Yatai-Fan-Gruppe mit ihren 200 völlig gleich gekleideten und jeweils mit einem Schal ausstaffierten Personen doch ziemlich organisiert aussah.

Auch die Werder-Fans waten nicht zu überhören. Die Ultra-Gruppe „Wanderers“ aus Bremen hatte auch noch einen echten Blickfang dabei: eine Zaunfahne mit der Aufschrift ihres Namens in chinesischen Schriftzeichen. Aber von der Lautstärke her waren sie ihren chinesischen Werder-Kollegen am Ende klar unterlegen. Als sich Fritz und Co. für die Unterstützung bedankten, herrschte auf der Tribüne Gekreische wie bei einem Konzert von Justin Bieber. „Das war schon nicht schlecht“, berichtete Fritz durchaus beeindruckt. Allerdings gestand er auch: „Ich hätte schon gedacht, dass mehr Zuschauer kommen.“

Vielleicht lag es ja an der Live-Übertragung im regionalen TV, dass sich das Interesse an dem Spiel in Grenzen hielt. Dabei wurde durchaus ansehnlicher Fußball geboten. Zunächst allerdings vornehmlich von den Gastgebern. „Die Chinesen haben uns am Anfang in Grund und Boden gelaufen“, erinnerte sich Dutt mit Schrecken. Seine Mannschaft war offenbar nach der langen Reise und dem harten Vormittagstraining bei unangenehm hoher Luftfeuchtigkeit zu müde, das neue Spielsystem umzusetzen. Dutt hatte wie schon in Oldenburg auf eine Dreierkette in der Abwehr gesetzt und ein Fünfer-Mittelfeld. Wobei die beiden Außen im Mittelfeld, Santiago Garcia und Fritz, bei Ballbesitz des Gegners aus der Dreier- eine Fünferkette machten. „Man hat gemerkt, dass wir in diesem neuen System noch nicht so stabil sind. Aber das wird kommen“, prophezeite Sportchef Thomas Eichin. Das 3-5-2, das bei der WM von vielen Teams praktiziert wird, soll eine echte Alternative zum 4-4-2 werden, es aber nicht ablösen.

Nach 25 Minuten hatte Werder den Chinesen-Wirbel überstanden und griff endlich selbst an. Doch Eljero Elia vergab gleich zwei hundertprozentige Torchancen. Nach dem Wechsel wurde Werder immer besser, hatte aber auch einmal Glück, dass Walter Iglesia nur die Latte traf. Garcia machte es auf der anderen Seite besser: Eine gute Flanke von Fritz köpfte der herangerauschte Argentinier wuchtig ins Tor, um anschließend noch voller Elan über eine Werbebande zu purzeln (65.).

Das war schon der Siegtreffer. Die Chinesen probierten zwar noch einmal alles, hatten aber kein Glück im Abschluss. Da nützte es auch nichts, dass der Schiedsrichter den Test um fast sechs Minuten Nachspielzeit verlängerte.

Auch nach seinem Schlusspfiff war im Stadion längst noch nicht alles vorbei. Es folgte eine Siegerehrung mit Konfetti und Luftschlangen wie bei einem überdimensionalen Tischfeuerwerk. Die Spieler waren derart überrascht, dass sie die Welle anstimmten und kurzzeitig über eine Ehrenrunde nachdachten.

„Es ist schon wichtig und schön, dass wir gewonnen haben“, befand Fritz und lobte den Gegner: „Die hatten Zweitliga-Niveau.“ Das Nachspiel versprach sogar, erstklassig zu werden. Clubbesitzer Liu Yuming, ein Milliardär, hatte eine Werder-Delegation um den Vorsitzenden der Geschäftsführung Klaus Filbry zum Essen eingeladen.

Heute geht es für die Bremer schon wieder weiter zur nächsten Station. Das eine Flugstunde entfernte Tianjin ist das Ziel. Dort steht am Samstag das zweite und letzte Testspiel der China-Tour an.

García köpft Werder zum Sieg gegen Changchun Yatai

Werder: Wolf - Hüsing (60. Galvez), Prödl, Lukimya - Fritz (75. Gebre Selassie), Bartels (75. Ekici), Kroos (60. Junuzovic), Obraniak (46. Aycicek), Garcia - Elia (70. Kobylanski), Di Santo (60. Selke).

kni

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