Werder besiegt den BVB 2:1

Schöne Bescherung dank Selke

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„Jetzt können wir mit einem guten Gefühl in die Winterpause gehen“, meinte Davie Selke

Der Tabellenplatz muss nach dem hart erkämpften Sieg über den tief in der Krise steckenden BVB aber nicht das Gesprächsthema Nummer eins sein. Sondern der Sieg und seine Bedeutung für das Selbstvertrauen der Mannschaft. „Dieses Spiel gibt uns Orientierung. So wie wir heute gespielt haben, muss es immer sein“, sagte Mittelfeldmann Zlatko Junuzovic, bei dem nichts mehr von jenem Zorn zu spüren war, den er noch am Mittwoch nach der 1:4-Pleite bei Borussia Mönchengladbach versprüht hatte.

Handzahm und extrem Stolz war der Österreicher auf eine Leistung, die er als „Mutmacher“ bezeichnete. „Jetzt können wir mit einem guten Gefühl in die Winterpause gehen“, meinte Davie Selke.

Daran hatte der erst 19 Jahre alte Stürmer einen gewaltigen Anteil. Nicht einmal drei Minuten waren gespielt, als Selke nach einem Zuspiel von Santiago Garcia nervenstark verwandelte. Freistehend drehte er den Ball an BVB-Schlussmann Mitchell Langerak vorbei ins lange Eck. Ein Klasse-Tor. Mindestens so gut war Selkes Vorarbeit zum 2:0. Nachdem er Weltmeister Mats Hummels ausgewackelt hatte, flankte er präzise auf Fin Bartels, der mühelos vollstreckte (63.). Perfekt wäre Selkes Tag gewesen, wenn er wenig später auf 3:0 gestellt hätte, beim Abschluss nach Bartels-Hereingabe fehlte aber die Präzision. Weil nur eine Minute danach der extrem schwache Hummels per Kopfball nach einer Ecke auf 1:2 für die Borussia verkürzte (69.), wurde es nochmal eng für Werder. Auch weil die Bremer eine Vielzahl bester Konterchancen ausließen – auch Selke. Dennoch wurde am Ende gejubelt. „Daswar eine Mega-Leistung von uns und ein schönes Weihnachtsgeschenk“, schwärmte der U19-Europameister.

Erstmals spielte Selke gestern in der Bundesliga an der Seite von Melvyn Lorenzen. So stand Werder mit einem Bubi-Sturm – einer 19, einer 20 Jahre alt. Aber wichtiger als der Angriff, war die Arbeit in der Abwehr. Werder stellte sich vor 42100 Zuschauern im ausverkauften Weserstadion hinten rein, rührte Beton an. Wissend, dass Borussia Dortmund momentan die fußballerischen Mittel fehlen, einen festen Abwehrriegel zu knacken. Die Rechnung ging auf. Der ideenlose BVB kam zwar auf 68 Prozent Ballbesitz, gefährlich wurden die Gäste – abgesehen von Hummels’ Tor – aber nur noch mit zwei Chancen des eingewechselten Shinji Kagawa, die der Japaner aber beide kläglich vergab.

Wer nun annahm, BVB-Trainer Jürgen Klopp hätte mit einem Tobsuchtsanfall auf die indiskutable Leistung seines Teams reagiert, sah sich schwer getäuscht. Klopp kleinlaut: „Jegliche Kritik, die heute über uns ausgebreitet wird, ist berechtigt. Es ist ein ganz, ganz schwieriger Tag für alle, die sich dem BVB verbunden fühlen.“ Denn mit der Niederlage ist unumstößlich, dass die als Bayern-Herausforderer in die Saison gestarteten Schwarz-Gelben auf einem Abstiegsplatz überwintern werden. Noch sind sie 17., „aber ich gehe davon aus, dass Freiburg sein Heimspiel gewinnt und wir als 18. in die Pause gehen“, meinte Klopp, schwächte die alarmierende Zwischenbilanz aber ab: „Ob 15. oder 18. – Stand heute bedeutet das nichts.“ Die Hin runde sei so oder so katastrophal gewesen, erklärte der BVB-Coach und gab sich kämpferisch: „Ich bin im Moment einfach nur froh, dass diese Halbserie vorbei ist. Wir alle haben unserem Ruf geschadet, aber es ist unser Ruf, und wir können ihn in der Rückrunde wieder aufpolieren. Es ist nicht unmöglich, dass am Ende des Tunnels irgendwann ein Licht angeht für uns.“

Werder Bremen - Borussia Dortmund

Werder hat dieses Licht längst wahrgenommen – allerdings hat es noch einen Wackelkontakt. Es geht an, wenn die Bremer zu Hause spielen (zehn Punkte in vier Partien unter Skripnik). Und aus, wenn es in die Ferne geht. Angeknipst wird es immer wieder von jungen Spielern wie Selke, wie Lorenzen, wie Levent Aycicek, der gestern allerdings auf der Bank saß. Namen, die Thomas Eichin grübeln lassen, an welchen Stellen im Team tatsächlich nachgebessert werden muss. „Ich bin heute überglücklich. Wir haben wieder gesehen, dass wir mit dieser Mannschaft die Möglichkeit haben, die Klasse zu halten. Wir haben kein Qualitätsproblem“, behauptete er: „Wir leben auch von der mannschaftlichen Geschlossenheit – die muss ich nicht unbedingt durcheinander bringen. Und richtige Qualität, kostet viel Geld.“ Gleichwohl laufen bei Werder weiter die Bemühungen, Aaron Hunt vom VfL Wolfsburg zurückzuholen.

Werder freut sich über Sieg vor Winterpause

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