Werder beherrscht Hertha und gewinnt dank Di Santos Doppelpack / Von Platz 16 rauf auf zwölf

2:0 – ein richtig großer Mutmacher

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Mit dem Handy eines Fotografen ging Franco Di Santo nach dem Sieg auf Selfie-Tour in der Ostkurve.

Bremen - Es war so um die 75. Minute, als die Zuschauer im Weserstadion gestern Nachmittag anfingen zu johlen – bei jedem Bremer Ballkontakt. Und sie johlten viel, denn Werder war überraschend überlegen und richtig stark. Am Ende stand ein 2:0 (1:0)-Heimsieg gegen Hertha BSC.

Werder legte im Duell gegen einen Konkurrenten im Abstiegskampf einen perfekten Start in die Bundesliga-Rückrunde hin und machte in der Tabelle einen Riesensprung von Platz 16 auf zwölf. Matchwinner war Torjäger Franco Di Santo, der ein hervorragendes Comeback gab und den so wichtigen Sieg mit einem Doppelpack besiegelte (43./69.).

„Das ist halt Franco, er ist eben ein Faktor in unserem Spiel“, lobte Sportchef Thomas Eichin den Argentinier, der nach seiner Knieverletzung und rund acht Wochen Pause in die Startformation zurückgekehrt war und seine Saisontore sieben und acht schoss. Trainer Viktor Skripnik, der vorher im Spaß sechs Di-Santo-Treffer gegen Hertha gefordert hatte, war natürlich ebenfalls heilfroh über den Doppelpack: „Er hat uns echt gefehlt, das hat man heute gesehen. Franco ist enorm effektiv. Er wird für uns ein entscheidender Mann in der Rückrunde sein.“

Di Santo selbst fand seine famose Rückkehr „natürlich schön“ – noch mehr freute er sich aber über das Werder-Kollektiv: „Ich bin sehr zufrieden, wie wir als Mannschaft gespielt haben.“ Das waren alle anderen auch – ob Eichin, Skripnik oder die Teamkollegen. Und das konnten sie auch sein, denn so selbstbewusst wie die Bremer gestern spielt kein Abstiegskandidat.

Sieg gegen Hertha: Werder in der Einzelkritik

„Das war eine rundum sehr gute Leistung“, schwärmte Eichin nach dem ersten Spiel des Jahres, in dem Skripnik personell mal wieder die eine oder andere personelle Überraschung parat gehabt hatte. Kapitän Clemens Fritz saß nur auf der Ersatzbank. Im rechten Mittelfeld spielte Fin Bartels – und dafür als Regisseur der erst 18-jährige Neuzugang Levin Öztunali. Und hinten links verteidigte Janek Sternberg statt des erfahreneren Santiago Garcia. Skripnik brachte neben Öztunali in Innenverteidiger Jannik Vestergaard noch einen weiteren Neuzugang. Insgesamt wählte der Bremer Coach eine ziemlich offensive Aufstellung, um gleich zu demonstrieren: Attacke – Werder will voll angreifen und den 40187 Fans im nicht ganz ausverkauften Weserstadion zeigen, wer Herr im Hause ist. Die Bremer kombinierten, machten Druck und hatten nach ein paar Minuten schon die ersten guten Chancen. Erst schoss Vestergaard aus 25 Metern knapp drüber (6.), dann scheiterte Davie Selke mit einem zu laschen Schuss an Hertha-Keeper Thomas Kraft (9.).

Der Berliner Plan, bei Ballgewinnen blitzschnell umzuschalten, ging nur in Ansätzen auf. Gefährlich waren die Gäste überhaupt nicht, die Gastgeber dafür umso mehr. Philipp Bargfrede scheiterte zwei Mal aus der Distanz (20./41.), ehe Di Santo die Bremer Bemühungen belohnte – und wie! Angespielt von Theodor Gebre Selassie war der Winkel für einen erfolgreichen Abschluss eigentlich schon zu spitz. Doch er drehte den Ball von halbrechts oben links in den Winkel. Ein Kunstschuss zum 1:0 (43.). Kraft, der noch mit den Handschuhspitzen dran gewesen war, seufzte hinterher: „Ein ganz fieser Ball, der senkt sich hinten rein.“

Di Santo trifft doppelt

Nach der Pause behielt Werder gegen harmlose Herthaner fast schon mühelos die Kontrolle. Und Di Santo vollendete einen tollen Spielzug mit dem 2:0. Selke bediente Fritz, dessen Rechtsflanke Di Santo mit einem Seitfallzieher-Aufsetzer ins lange Eck verwertete – 2:0 (69.). Was noch folgte, waren die Gesänge der Fans und die Auswechslung des entscheidenden Mannes. „Ich war auf einem guten Weg, die sechs Tore zu machen – aber dann nimmt der Trainer mich raus. Das ist nicht meine Schuld“, witzelte Di Santo.

Insgesamt hat das erste Bremer Spiel der Rückrunde viel Mut gemacht für die 16 weiteren – schon am Mittwoch (20 Uhr) geht es in Hoffenheim weiter. Beeindruckend war vor allem Werders Dominanz. „Ich glaube, wir hatten im 18. Saisonspiel zum ersten Mal mehr Ballbesitz als der Gegner“, meinte Skripnik, der eine solche, neue Spielkultur vorher angekündigt hatte. 54:46 Prozent für Werder lautete die Ballbesitz-Bilanz. Noch klarer war aber die Torschuss-Statistik: 19:3. Wenig verwunderlich, dass Hertha-Coach Jos Luhukay einräumte: „Werder hat verdient gewonnen.“

mr

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