1:1 – Werder begeistert gegen Hoffenheim

Auferstehung ohne Krönung

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Zlatko Junuzovic und Roberto Firmino im Luftkampf.

Bremen - Von Björn Knips - Begnügen? Diese Bewertung wäre nach 45 Minuten niemandem im Traum eingefallen. Denn Werder hatte – wie schon vor einer Woche in Berlin – einen Alptraum erlebt und wie der sichere Verlierer ausgesehen. Doch erneut gelang die Auferstehung – und diesmal wäre sogar die Krönung verdient gewesen.

„Das war eine tolle zweite Halbzeit von uns, mit einem tollen Sturmlauf, tollen Kombinationen und unheimlich vielen schön herausgespielten Chancen – und die musst du einfach nutzen. Du musst dieses Spiel gewinnen“, legte sich Thomas Eichin fest. Der Werder-Sportchef war dabei nur schwer zu verstehen, hatte er sich doch am Spielfeldrand stimmlich ziemlich verausgabt und sich dabei nach gut einer Stunde sogar einen verbalen Schlagabtausch mit Markus Gisdol geliefert. Der Hoffenheimer Coach war wegen der aggressiven Bremer Spielweise in Rage geraten. Eichin sprang von der Bank auf und keifte zurück. „Nach dem Spiel ist das wieder vergessen, wir haben uns wieder lieb“, beschwichtigte Eichin.

Auf dem Platz hatte es schon von Beginn an heftig geknallt. Davie Selke checkte bei seinem Startelf-Debüt nach nicht einmal 120 Sekunden Hoffenheims Ermin Bicakcic über die Seitenlinie. Schiedsrichter Robert Hartmann zückte sofort Gelb – sehr zum Ärger der Bremer. Die sich auch in der Folgezeit vom Unparteiischen beim Fußballarbeiten zu oft zurückgepfiffen fühlten. Dabei hatten sie es schon schwer genug mit den Gästen, die ständig pressten, nur den Vorwärtsgang kannten und immer wieder gefährlich vors Bremer Tor kamen. Die Führung der Gisdol-Truppe war deshalb verdient, aber aus Werder-Sicht absolut vermeidbar: langer Ball Sebastian Rudy, perfekte Ballmitnahme Firmino im Strafraum – 0:1 (19.). Izet Hajrovic hatte Firmino laufen lassen, Keeper Raphael Wolf sich beim Herauslaufen gegen den Ball entschieden, wie er später erklärte: „Ich gehe in den Block und hoffe, dass er mich anschießt.“

Falsch gehofft – und geradezu hoffnungslos ging es weiter. Werder schaffte es überhaupt nicht, den Ball von A nach B, geschweige denn auch noch nach C zu bringen. Nur eine Freistoß-Hereingabe des ansonsten schwachen Hajrovic brachte Gefahr, doch Alejandro Galvez köpfte knapp vorbei (41.).

In der Halbzeit wurde nur noch über die Höhe der Bremer Niederlage diskutiert. Und Niklas Süle hatte die erste Erhöhung prompt auf dem Kopf, verfehlte aber das leere Tor (53.). Es war der Knackpunkt. Plötzlich marschierte Werder. Dass Eljero Elia nach Halten von David Abraham keinen Strafstoß bekam, sorgte nur kurz für Ärger (59.), denn eine Minute später gelang Galvez der sehenswerte Ausgleich: Flanke Di Santo, Galvez nimmt den Ball mit der Brust an, profitiert von Elyounoussis Ausrutscher und vollstreckt zum 1:1 (59.).

Hoffenheim war platt, Werder dagegen topfit – und die 38900 Zuschauer im nicht ausverkauften Rund ob der vielen Torchancen begeistert. Nur ein Happy End gab es nicht. Santiago Garcia köpfte an den Außenpfosten (69.), Sebastian Prödls Holperball stocherte der eingewechselte Nils Petersen am Tor vorbei (74.). Es hätte sein Mega-Comeback als Torjäger werden können, doch es sollte einfach nicht sein. Nach Hereingabe des starken Fin Bartels machte Süle den Ball für Petersen vor dem leeren Tor mit einer Mini-Berührung zur unkontrollierbaren Kugel (79.). In der 86. Minute landete ein Petersen-Schuss erst am Popo von Süle und dann am Pfosten (86.). Und in Bartels Flankenkracher hielt Petersen mutig seine Birne – und wurde auch dafür nicht belohnt (87.). Der Junge hatte wirklich Pech. Im Gegensatz zu Di Santo: Der Argentinier war dem Siegtor so nahe, ballerte die Kugel aus kurzer Distanz aber übers Tor, anstatt sie ins lange Ecke zu schieben (81.).

Werder Bremen gegen Hoffenheim - 1:1

Mittendrin lag noch ein dicker Galvez-Patzer und Wolfs Glanztat gegen Adam Szalai (85.). Für Werders Torwarttrainer Marco Langner gut von der Tribüne aus zu beobachten, der vierte Offizielle Thorsten Schriever hatte ihn wegen Meckerns dorthin verbannt. Es war eben kein Spiel für schwache Nerven, aber beste Werbung für den Fußball. „Mir hat es Spaß gemacht“, meinte Dutt und verabschiedete sich nach zwei Unentschieden zufrieden in die Länderspielpause. Ob dann noch Ludovic Obraniak ein Werder-Profi ist, gilt als unwahrscheinlich. Der Pole stand gestern nicht im Kader – aus sportlichen Gründen, wie Eichin zwar betonte. Er sagte aber auch, dass es bei einem passenden Angebot zum Verkauf kommen wird.

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