Heimpleite gegen Kaiserslautern verschärft Krise

1:2 – Werder im Abstiegskampf

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Tim Wiese nach der 1:2 Niederlage.

Werder-Bremen - Liebesentzug: Als sich die Profis von Werder Bremen gestern nach dem Abpfiff die grün-weiße Weihnachtsmannmütze aufsetzen mussten und zu den Fans gingen, um Präsente ins Publikum zu werfen, wurden sie gnadenlos ausgepfiffen.

Daran und an der peinlichen 1:2 (1:1)-Heimpleite gegen Aufsteiger 1. FC Kaiserslautern hatten die Spieler sichtlich schwerer zu tragen als an den braunen Kartoffelsäcken, die sie sich über die Schulter geworfen hatten. Statt eines versöhnlichen Hinrunden-Abschlusses, verbunden mit der Hoffnung, noch auf Tuchfühlung zu den internationalen Plätzen zu gehen, gab’s den nächsten Heimflop, mit dem Werder auf den 14. Tabellenplatz abrutschte. Weiter nur vier Punkte trennen die Bremer von Relegationsplatz 16. Erstmals nahm nun Sportchef Klaus Allofs das bislang aus dem Vokabular verbannte „A-Wort“ in den Mund: „Wenn man sich die Tabelle anschaut, so stehen wir im Abstiegskampf!“

Noten der Werder-Spieler

Noten der Werder-Spieler gegen Kaiserslautern

Werder ist aber nicht nur tabellarisch ein Kandidat für die zweite Liga. So, wie die Mannschaft gegen Kaiserslautern aufgetreten ist – leidenschaftslos, kampflos und ohne spielerische Finesse – wird es schwer werden, da unten wieder rauszukommen. Und Allofs weiß: „Jetzt werden auch die Nerven eine Rolle spielen.“

Niederlage gegen Kaiserslautern

Werder Bremen verliert gegen 1. FC Kaiserslautern

Vor allem aber muss Werder endlich mal wieder lernen, Fußball zu spielen und über 90 Minuten konzentriert zu sein. Die Schlafmützigkeit in der Mannschaft wurde in dieser Saison schon häufiger bestraft – gestern dauerte es gerade einmal 23,6 Sekunden, ehe FCK-Topstürmer Srdjan Lakic per Kopf zur frühen Führung traf. Petri Pasanen hatte Christian Tiffert flanken lassen, Per Mertesacker war in der Mitte weggerutscht – 0:1. Die meisten der 35 135 bei minus sieben Grad zitternden Zuschauern trauten ihren Augen nicht.

Und die Bremer Antwort gefiel ihnen auch nicht besser. Viel Stückwerk, nicht eine gelungene Kombination. Gefahr deutete sich allenfalls mal bei Standards an oder nach Einzelaktionen. So geschehen in der 33. Minute, als Marko Marin in die ausgestreckten Fäuste von Mathias Abel lief.

Schiedsrichter Michael Weiner zögerte keine Sekunde – Elfmeter für Werder. Doch wer sollte schießen? Kapitän Torsten Frings hatte zuletzt zweimal verballert, der von den Fans geforderte Tim Wiese war schon fast bis zum Mittelkreis gelaufen, wurde dann aber von Trainer Thomas Schaaf zurückgepfiffen. Also schnappte sich Aaron Hunt die Kugel – und versenkte sie zum 1:1-Ausgleich. „Ich hatte vor ein paar Tagen ein Gespräch mit Torsten, und wir haben uns darauf geeinigt, dass ich den nächsten Elfer schieße“, sagte Hunt später.

Werder nun gedacht hatte, dieser Ausgleich würde den Bremern in der zweiten Halbzeit Flügel verleihen, der wurde bitter enttäuscht. Nur sieben Minuten waren wieder gespielt – da hieß es 2:1 für Lautern. Wiederum war der Torschütze Lakic. Diesmal hatte sich zunächst Torsten Frings gegen Ivo Ilicevic einen haarsträubenden Fehler im Mittelfeld geleistet, den auch der herbeigeeilte Clemens Fritz nicht mehr reparieren konnte. Ilicevic passte quer zu Lakic, der von Mertesacker nur eskortiert wurde, und schon war’s passiert. „Wenn du so blöde Gegentore kassierst und selbst deine Chancen nicht nutzt, dann darfst du dich nicht wundern, wenn du verlierst“, klagte Aaron Hunt.

Werder hatte in der Folgezeit durchaus noch Möglichkeiten, zum Ausgleich zu kommen, doch der bereits nach 26 Minuten für Petri Pasanen eingewechselte Sandro Wagner avancierte zum Chancentod. Viermal hätte der 22-Jährige das 2:2 köpfen können, viermal versagte er. Am schlimmsten in der 81. Minute, als der Stürmer mutterseelenallein aus vier Metern Keeper Tobias Sippel anköpfte. „Normalerweise macht er den rein“, knurrte Allofs.

Werder spielte zu diesem Zeitpunkt auch noch in Überzahl, nachdem Alexander Bugera in der 73. Minute wegen wiederholten Foulspiels Gelb-Rot gesehen hatte. Doch die numerische Überlegenheit dauerte nur zehn Minuten. Wagner, kurz nach dem Wechsel schon verwarnt, rempelte vermutlich aus Frust über seine vergebene Großchance Tiffert um und flog ebenfalls vom Platz. Das passte zu seiner Leistung. Und zum Auftritt der Bremer insgesamt.

Während die Gäste aus der Pfalz nach dem Abpfiff fröhlich mit ihren Fans feierten, war die Stimmung in der Bremer Kurve so wie die Temperatur: Deutlich unter null.

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