Werder wie ein Absteiger - 0:4 im Nordderby

Hamburg - Von Björn Knips - „Zweite Liga – Bremen ist dabei“, sangen gestern Nachmittag die Fans des Hamburger SV mit Inbrunst – und hoffentlich haben die Gäste vom SV Werder gut zugehört. Denn wenn die Grün-Weißen so weiter durch die Bundesliga stolpern wie beim 0:4 (0:1)-Debakel im Nordderby, dann gibt’s am Ende der Saison tatsächlich den Super-GAU.

Ein Champions-League-Teilnehmer auf einem Abstiegsplatz – eigentlich ist das unvorstellbar, aber eigentlich auch nur noch eine Frage der Zeit. Gestern profitierten die Bremer davon, dass auch Wolfsburg und Kaiserslautern verloren und nicht am Mertesacker patzt Tabellen-14. Werder vorbeizogen. Doch auf weiterhin schwächelnde Konkurrenten sollten sich die Bremer nicht verlassen. Das Abstiegsgespenst hat seine Reise zum nächsten Heimspiel am Sonntag gegen Bayer Leverkusen (17.30 Uhr) schon gebucht.

Ein Debakel jagt das nächste - 0:4 im Nordderby

„Wenn wir so weiterspielen, dann steigen wir ab“, sprach Kapitän Torsten Frings, der im nächsten Spiel nach seiner fünften Gelben Karte gesperrt ist, nach dem Desaster Klartext: „In einem Derby so zu versagen, ist sehr, sehr bitter. Wir müssen uns bei unseren Fans entschuldigen.“ Der erste Versuch war kurz zuvor allerdings gescheitert. Als die Verlierer Richtung Gäste-Block schlichen, schallte ihnen ein „Wir haben die Schnauze voll“ entgegen. Wenn auch zaghaft regt sich Fan-Protest, der sich aber nicht – wie andernorts üblich – gegen Trainer oder Sportchef richtete. Thomas Schaaf und Klaus Allofs blieben „Raus-Rufe“ erspart – und sie wären im Fall von Schaaf offenbar auch zwecklos. Denn Allofs stellte gestern unmissverständlich klar: „Der Trainer steht nicht zu Disposition. Es gibt keinen Trainer, der mehr aus dieser Mannschaft herausholen würde.“

Schuld seien, so der Werder-Boss, „zu 100 Prozent die Spieler“. Die hatten sich gestern erst einmal in einem ganz neuen Spielsystem zurechtfinden müssen. Schaaf hatte ein 4:1:4:1 aus der Taktikkiste geholt. Defensiv ging das Konzept durchaus auf, was allerdings auch an zunächst völlig verunsicherten Gastgebern lag. Den HSV-Profis steckte die Derby-Schmach vom Mittwoch (0:1 gegen St. Pauli) noch sichtlich in den Knochen, und die Fans bestraften ihre vermeintlichen Lieblinge mit gespenstischer Stille. Eine gruselige Atmosphäre in der mit 54 121 Zuschauern nicht ausverkauften Arena. „Die Gelegenheit war gegen so einen Gegner wirklich günstig, hier zu punkten“, ärgerte sich Allofs. Das Problem: Werder, diese einstmals so gut gehende Torfabrik, scheiterte schon an der Beschaffung der Grundzutaten für Treffer. Flottes Zusammenspiel? Fehlanzeige! Zug zum gegnerischen Kasten? Nicht vorhanden. Ein Schuss von Clemens Fritz, den Frank Rost locker parierte, und ein Fast-Eigentor von Joris Mathijsen (beides 31.) waren die magere Ausbeute.

Das Konto des HSV war zwar nicht viel voller, aber trotzdem zappelte der Ball in der 40. Minute im Netz – mit freundlicher Unterstützung der Gäste. Per Mertesacker hatte gepatzt, Mikael Silvestre quasi zum Ballverlust gegen Jonathan Pitroipa getrieben – und damit den Weg zum sehenswerten Führungstreffer von Mladen Petric geebnet.

Das war’s praktisch schon für Werder. Denn das eigentlich zu erwartende Aufbäumen nach der Pause fiel schlichtweg aus. Der HSV benutzte den paralysierten Gegner zur Versöhnung mit den Fans. Und das erneut dank Mertesacker, der gestern mit dem erfahrenen Nationalspieler eigentlich nur den Namen gemeinsam hatte. Peinlich, wie er sich von Petric den Ball abnehmen ließ, was schließlich Paolo Guerrero das 2:0 bescherte (65.). Der Peruaner durfte 14 Minuten später noch einmal jubeln, weil sich – na wer wohl? – Mertesacker den nächsten Ballverlust geleistet hatte. Auf dem Platz war er den Tränen nahe gewesen, nach der Partie hatte er sich wieder gefangen, gestand seine Fehler und seufzte: „Es soll anscheinend solche Tage geben . . .“

Für Mertesacker und Werder war’s ein rabenschwarzer Tag, zumal der eingewechselte Änis Ben-Hatira (87.) noch auf 4:0 erhöhte. Die HSV-Fans fanden’s klasse, sie sangen „Oh wie ist das schön“. Einen Song, den die Bremer in der Form von gestern noch häufiger hören werden – allerdings nur von des Gegners Anhang.

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