Sokratis fühlt sich bei Werder wohl, ärgert sich über seine Sperre und will gegen Stuttgart von oben mitspielen

„Wenn mich hier alle wollen, dann bleibe ich“

Sokratis macht es Spaß bei Werder, obwohl in die Sperre ziemlich nervt. ·

Bremen - Sokratis wirkt entspannt und lächelt, aber sein Dolmetscher drückt schon aufs Tempo. Bis zum nächsten Training sei nicht mehr viel Zeit, also her mit den Fragen. Gesagt, getan, schließlich gibt es einiges zu besprechen mit dem 23-Jährigen, der in der vergangenen Saison vom FC Genua an den AC Mailand ausgeliehen war und nun erneut „auf Probe“ kickt – beim SV Werder, der den Griechen für 3,5 Millionen Euro verpflichten kann.

Sokratis, Sie haben prophezeit, dass Werder am Sonntag gegen Stuttgart gewinnt. Wie soll das gehen – Sie sind gesperrt und Claudio Pizarro verletzt?

Sokratis:Kein Problem, ich spiele doch von oben mit.

Wie müssen wir uns das vorstellen?

Sokratis:Machen Sie das besser nicht, ich bin da schon ziemlich emotional. Gegen Berlin saß ich schon einmal auf der Tribüne – und da bin ich um drei Jahre gealtert. Meinetwegen kommen gegen Stuttgart fünf weitere Jahre dazu, Hauptsache wir gewinnen wieder.

Haben Sie Angst, dass Werder nach der 0:5-Klatsche in Mönchengladbach nun abstürzt?

Sokratis:Nein! Mit dieser Mannschaft, mit diesem Trainer, mit diesem Umfeld müssen wir mindestens in die Europa League kommen. Auch die Champions League ist möglich.

Eine Voraussetzung, dass Sie bleiben?

Sokratis:Das entscheidet Werder. Der Verein muss wissen, ob er mich kaufen will.

Sie sind bis Saisonende vom FC Genua ausgeliehen – bis wann wollen Sie Klarheit haben, wie es mit Ihnen weitergeht?

Sokratis:Bis zum letzten Moment möchte ich nicht warten. Aber ich stehe auch nicht unter Druck, habe in Italien noch vier Jahre Vertrag, ich bin also abgesichert.

Wollen Sie überhaupt in Bremen bleiben?

Sokratis:Ich fühle mich wohl bei Werder und in Bremen. Hier ist alles sehr professionell. Und die Fans stehen immer zu ihrem Club, auch wenn es mal nicht so läuft. Das ist nicht überall so. Also: Wenn mich hier alle wollen, dann bleibe ich!

Auch als Rechtsverteidiger?

Sokratis:Ich würde auch ins Tor gehen, wenn wir dann gewinnen würden. Ich spiele dort, wo der Trainer mich aufstellt, er ist der Chef. Und mit meiner ersten Saison als Rechtsverteidiger bin ich zufrieden.

Würden Sie lieber innen verteidigen – so wie in der Nationalmannschaft?

Sokratis:Ich bin nach der Saison beim AC Mailand auch deshalb zu Werder Bremen gekommen, weil ich Stammspieler sein wollte. Das bin ich hier.

In der Nationalmannschaft auch – und das mit großem Erfolg.

Sokratis:Das stimmt, wir haben dort eine sehr gute Defensive, haben in der EM-Qualifikation nur vier Tore bekommen und seit 17 Spielen nicht mehr verloren.

Was bedeutet für Griechenland die EM-Teilnahme?

Sokratis:Sehr viel. Die griechische Liga ist nicht mehr so attraktiv – auch wegen der Finanzkrise. Da ist die EM für uns Griechen eine gute Gelegenheit, sich international zu zeigen.

Sie sprechen die Finanzkrise an: Fühlt man sich als gut bezahlter Fußball-Profi nicht etwas unwohl, wenn man die Sparzwänge in der Heimat sieht?

Sokratis:Es war doch zu erwarten, dass das passiert. Der Grieche lebt für das Heute, weniger für das Morgen. Aber die Schuld an der Misere trägt nicht das Volk, sondern die Politik. Mit den Maßnahmen, die jetzt ergriffen werden, hätte man vor 20 Jahren beginnen müssen. Nun alles auf einmal zu machen, ist zu viel für die Menschen. Viele haben einfach nicht mehr genug zum Leben.

Bekommt man da als Besserverdiener Gewissensbisse?

Sokratis:Ich versuche doch längst, meinen Leuten dort finanziell zu helfen. Mehr kann ich nicht machen.

Was wird aus Griechenland?

Sokratis:Das werden zehn ganz schwere Jahre, dann geht es aber wieder aufwärts, davon bin ich überzeugt.

Zurück zum Fußball: Wie sehr schmerzt die Sperre nach der Gelb-Roten Karte in Gladbach?

Sokratis:Sehr. Da habe ich überreagiert. Egal, was der Schiri pfeift, ich muss das auf dem Platz akzeptieren und ruhig bleiben. Aber ich bin erst 23 Jahre alt und lerne noch aus Fehlern.

Lernen Sie auch schon fleißig Deutsch?

Sokratis:Natürlich – zwei Mal die Woche habe ich Unterricht, und ich verstehe schon ganz gut.

„Drei Uhr Training“, sagt Sokratis stolz auf Deutsch, lacht zufrieden und eilt zur Kabine, denn es wird höchste Zeit, sich umzuziehen. · kni

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